Edition Zukunft

Edition Zukunft

Der STANDARD-Podcast über das Leben und die Welt von morgen

Kann reisen jemals grün werden?

Kann reisen jemals grün werden?

Vor zwei Jahren hätte sich wohl niemand gedacht, dass Städte wie Dubrovnik, Venedig oder Hallstatt einmal so leer sein können. Sprach man bis vor kurzem noch vom Overtourism, ist der Tourismus in der Pandemie praktisch zum Erliegen gekommen. Wer im vergangenen Jahr reiste, tat das oft innerhalb Österreichs oder Europa. Könnte der Trend zum regionalen und damit klimaschonenden Reisen bleiben?

Stefan Gössling glaubt nicht so recht daran. Er ist Professor für nachhaltigen Tourismus an der Universität Lund in Schweden und forscht seit Jahren zu den Motiven und Auswirkungen des Reisens. Es ist nicht das erste Mal, dass der globale Tourismus einbricht. Auch die Viren Sars und Mers sowie die Finanzkrise 2008/2009 waren Dämpfer für die Branche, die sich aber wieder schnell erholte. Auch nach Corona wird schnell wieder alles beim Alten sein, glaubt Gössling.

Für das Klima wird die steigende Anzahl der Touristen zum immer größeren Problem. Der größte Brocken ist dabei das Fliegen. Mit seinem Team hat er ausgerechnet, was die Umstellung auf synthetische Treibstoffe kosten würde. Unleistbar wäre es nicht: Rund 35 Prozent mehr müssten wir für Flugtickets künftig berappen.

Sollen wir Gefängnisse abschaffen?

Stellen Sie sich vor, es würde keine Gefängnisse mehr geben. Mörder, Räuber und Vergewaltiger könnten frei herumlaufen – und vielleicht neben Ihnen wohnen oder arbeiten. Aber was wäre, wenn das nicht zu mehr, sondern zu weniger Kriminalität führen würde?

Dieser Überzeugung ist der ehemalige Gefängnisdirektor Thomas Galli. Menschen einfach wegzusperren bringe keinem etwas, sagt er im Podcast. Stattdessen sollten wir uns vom Vergeltungsgedanken lösen und alternative Bestrafungen andenken, die mehr auf Resozialisierung und Wiedergutmachung abzielen.

Kritische Rohstoffe: Die dunkle Seite von Solar- und Windanlagen

Egal ob Elektroautos, Windkraftwerke oder Solaranlagen: In all diesen Technologien stecken kritische Rohstoffe wie Lithium, Gallium oder Silizium, die für die Energiewende dringend gebraucht werden, aber oftmals schwer zu bekommen sind. Ein großer Teil der Rohstoffe stammt aus einzelnen Ländern wie China, Chile oder der Demokratischen Republik Kongo. "Immer wieder kommt es beim Abbau der Rohstoffe zu Konflikten, Umweltzerstörungen und Menschenrechtsverletzungen", sagt Karin Küblböck, Ökonomin an der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung in Wien im "Edition Zukunft" Podcast.

Ein großer Teil der Verantwortung liege bei europäischen Unternehmen, die in Ländern Südamerikas und Afrikas am Abbau dieser Rohstoffe beteiligt seien. Oft sei wenig transparent, woher die Rohstoffe genau stammen und unter welchen Bedingungen sie abgebaut werden. Auch Regulierungen auf EU-Ebene würden bisher nur einen kleinen Teil der Rohstoffe besser regeln, so Küblböck.

Um die Energiewende in Zukunft nachhaltiger zu gestalten, brauche es dringend ein neues Lieferkettengesetz, wie es derzeit etwa auf EU-Ebene diskutiert wird. Darin soll Menschrechtsverletzungen, Zwangsarbeit und Umweltzerstörung in Lieferketten entgegengewirkt werden. Zudem müsse endlich eine funktionierende Kreislaufwirtschaft entstehen, so die Expertin. Von dieser seien sowohl Österreich, als auch die EU bisher noch weit entfernt.

Im Podcast spricht Küblböck außerdem darüber, wie sehr die EU künftig von Ländern wie China abhängt, um zu wichtigen Rohstoffen zu kommen und welche Rolle Österreich in der internationalen Rohstoffpolitik spielen kann. Schlussendlich geht es um die Frage: Wie nachhaltig und sauber sind unsere Umwelttechnologien eigentlich? Und geht die Energiewende auch umweltfreundlicher?

Female Choice: Wie sich Frauen ihre Freiheit bei der Partnerwahl zurückholen

Über Jahrtausende seien Frauen von Männern unterdrückt worden, sagt die Biologin Meike Stoverock. Erst die Pille und hunderte Frauenbewegungen haben ihnen wieder mehr Kontrolle über ihr Leben und ihre Partnerschaft gegeben. Durch eine stärkere wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen und immer mehr Möglichkeiten der Partnerwahl seien Beziehungen längst im Wandel begriffen.

Die lebenslange Monogamie habe gewissermaßen ausgedient, stattdessen würden immer mehr Menschen kürzere Beziehungen mit einem oder mehreren Partnern bevorzugen, so Stoverock. Für sie bedeutet das nichts Schlechtes: "Wir müssen uns von den Hoffnungen und Sehnsüchten befreien, dass eine Beziehung bis ans Ende des Lebens halten muss", sagt sie. Die Liebe müsse deshalb aber nicht abhanden kommen.

Im Podcast spricht Meike Stoverock außerdem darüber, wieso Männer demütiger werden müssen und wieso für einige Sexroboter wohl die einzige Art der Partnerschaft werden könnten. Außerdem versucht sie die Frage zu beantworten, wie eine Welt aussehen könnte, in der Frauen das Sagen haben.

Fest steht: Viele ihrer Thesen werden wohl zu heftigen Diskussionen führen. Ihr kritischer Bick auf die Ehe und ihre stark biologisch geprägte Sichtweise auf die menschliche Partnerschaft stoßen wohl bei so manchen auf Ablehnung. Auch das weiß Stoverock. Wahrscheinlich hat sie gerade deshalb darüber geschrieben.

Die lebenslange Monogamie habe gewissermaßen ausgedient, stattdessen würden immer mehr Menschen kürzere Beziehungen mit einem oder mehreren Partnern bevorzugen, so Stoverock. Für sie bedeutet das nichts Schlechtes: "Wir müssen uns von den Hoffnungen und Sehnsüchten befreien, dass eine Beziehung bis ans Ende des Lebens halten muss", sagt sie. Die Liebe müsse deshalb aber nicht abhanden kommen.

Im Podcast spricht Meike Stoverock außerdem darüber, wieso Männer demütiger werden müssen und wieso für einige Sexroboter wohl die einzige Art der Partnerschaft werden könnten. Außerdem versucht sie die Frage zu beantworten, wie eine Welt aussehen könnte, in der Frauen das Sagen haben.

Fest steht: Viele ihrer Thesen werden wohl zu heftigen Diskussionen führen. Ihr kritischer Bick auf die Ehe und die stark biologisch geprägte Sichtweise auf die menschliche Partnerschaft stößt wohl bei so manchen auf Ablehnung. Auch das weiß Stoverock. Wahrscheinlich hat sie gerade deshalb darüber geschrieben.

"Smart Borders": Totalüberwachung an Grenzen für gefühlte Sicherheit?

Seit knapp 100 Jahren setzen die Staaten dieser Welt auf Reisepässe. Fingerabdrücke, Fotos und Irisscans gehören zum Einreisen vielerorts schon dazu. Wir haben uns daran gewöhnt: Wir opfern Persönlichkeitsrechte für Reisefreiheit, lassen Staaten Daten Sammeln und die Sicherheitsindustrie macht ordentlich Gewinn. Geht das nicht anders? Und was kommt da noch alles auf uns zu?

Clemens Binder ist Experte für Grenzen und Sicherheit am Österreichischen Institut für Internationale Politik (OOIP) und forscht seit Jahren zu den Themen Grenzen und Sicherheit. Im Podcast spricht er über die allmähliche Integration sogenannter biopolitischer Elemente wie Impfungen oder Temperaturmessungen in Grenzkontrollen, wer von diesen Entwicklungen profitiert und wie "Working Poor" draußengehalten werden sollen.

Der Ausweg aus der Klimakrise führt durch die Stadt

Sie sind die Wachstumsmagneten der Zukunft: Laut den Vereinten Nationen werden bis 2050 zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben, im Vergleich zu etwas mehr als die Hälfte aktuell. Schon jetzt gibt es mehr als 63 Städte mit über drei Millionen Einwohnern. Hunderttausende Quadratkilometer mehr an Fläche wird das Städtewachstum in den nächsten Jahrzehnten verschlingen.

Städte haben meist keinen besonders guten Ruf: Sie sind oft laut, schmutzig, eng und bieten meist wenig Platz für Natur und Erholungsräume. Anziehend wirken sie meist auch nicht wegen ihrer hohen Lebensqualität, sondern aufgrund der Arbeitsmöglichkeiten, die sie bieten.

Tatsächlich sollten wir aber mit dem negativen Image von Städten aufräumen, sagt Gernot Wagner, Umwelt-Ökonom an der New York University. Wagner ist in Amstetten in Niederösterreich geboren, lebt aber seit einiger Zeit in den USA und aktuell in New York. In wenigen Tagen wird er sein Buch "Stadt, Land, Klima: Warum wir nur mit einem urbanen Leben die Erde retten", veröffentlichen, in dem er das Klimaschutzpotenzial von Städten aufzeigen will.

"Stadt ist dort, wo das Leben kompakt, effizient, reich an Möglichkeiten und zugleich CO2-arm ist", sagt Wagner. Das "effiziente Stadtleben" sei für ihn jenes, bei dem alles in unmittelbarer Nähe anzufinden ist. Das tägliche Leben spielt sich im 15-Minuten Radius ab – zu Fuß oder mit dem Fahrrad, versteht sich – innerhalb dessen sich Arbeit, Cafes, Spielplätze, Supermärkte und Parks befinden. Die Wohnungen sind im Verhältnis zu den Einfamilienhäusern am Stadtrand eher klein – Wagner selbst habe sich entschieden, zusammen mit seiner Familie in eine rund 70 Quadratmeter Wohnung zu ziehen – und deshalb CO2-sparsamer. Abstriche brauche man deshalb keine zu machen, sofern man den eigenen Lebensstil an die Wohnsituation anpassen kann, so Wagner.

Die Vororte und Speckgürtel sind für den Experten die größten Klimasünder. Dort, wo die Häuser groß, die Wege in die Arbeit lang sind und die meisten Strecken mit dem Auto zurückgelegt werden. Als Negativbeispiel führt der Experte das Tullnerfeld in Niederösterreich an: Dort habe man mit dem Bahnhof bewusst Anreize für die starke Verbauung der Landschaft durch Einfamilienhäuser geschaffen.

Und was ist mit dem Land? Das soll wieder mehr Platz für die Natur bekommen, so Wagner. "Überspitzt formuliert" werden am Ende größtenteils nur mehr die Landwirte wirklich am Land leben und dort die Lebensmittelproduktion sicherstellen. Eine Erklärung, wie ein gutes und erfülltes Leben dann auch für diese Bewohner aussehen kann, bleibt der Experte aber schuldig. Von Lebensmodellen, am Land ein umweltbewusstes Leben führen zu können, hält Wagner wenig – zumindest, wenn es um eine Lösung für den Großteil der Weltbevölkerung geht.

Im Gespräch wird auch klar, dass es dem Experten vorrangig um die westlichen Bevölkerungen geht, wo Probleme wie Luftverschmutzung, große Slums und fehlende Verkehrsinfrastruktur eine vergleichsweise geringere Rolle spielen wie in so manchen Entwicklungsländern. Aber klar ist auch: Damit Städte wirklich zum weltweit lebenswertesten Wohnort der Zukunft werden, haben sie noch einen steilen Weg vor sich.

Wie fossile Lobbys weltweit Klimaschutz bremsen

Der menschengemachte Klimawandel stellt eine der größten Bedrohungen der Menschheit dar. Trotzdem tut sich auf politischer Ebene oft wenig – und die CO₂-Emissionen steigen weiterhin und kaum gebremst an.

Als ein Grund dafür gilt auch eine kleine, aber einflussreiche Lobby, die international Gesetze für mehr Klimaschutz bremst.Die Journalistinnen Annika Joeres und Susanne Götze haben jahrelang in ganz Europa recherchiert und ihre Ergebnisse in ihrem kürzlich erschienenen Buch "Die Klimaschmutzlobby" zusammengefasst.

Im Podcast von "Edition Zukunft" geben sie Einblick in das Netzwerk aus konservativen Thinktanks, Rechtspopulisten, Hobbywissenschaftern und Lobbyisten der Kohle-, Gas- und Agrarlobby. Sie erklären außerdem, mit welchen Strategien und Ar¬gumenten die "Klimaschmutzlobby" strengere Gesetze torpediert und warum ihre Strategie langfristig scheitern wird.

Muss sich die EU nach Corona neu erfinden?

Überfüllte Intensivstationen, geschlossene Grenzen, Wirtschaftseinbruch und mittendrin ein Chaos-Brexit – die Pandemie hinterlässt Spuren am Projekt des gemeinsamen Europas. Wie sich die EU nach der Corona-Krise neu erfinden könnte, schildert Politikwissenschafterin Ulrike Guérot im Podcast Edition Zukunft. Sie leitet das Department für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems und ist Gründerin des European Democracy Lab. Krisen können jedenfalls auch verbinden, glaubt Guérot. Europa sei „nichts anderes als die Erinnerung an den traumatischen Abgrund von 30 Jahre Krieg inklusive Holocaust“, weshalb sich in den 1950er Jahren die Vorläufer der EU entwickelt haben. In den 1970er-Jahren kam aus Angst vor einer Abwertungsspirale die Währungsunion dazu. Jetzt komme es darauf an, wie Europa die aktuelle Krise wahrnimmt und ob sich daraus ein „Nie wieder“ entwickelt: Nie wieder überfüllte Krankenhäuser in Bergamo, während die Intensivbetten in anderen Teilen Europas noch frei sind, nie wieder russische Militärfahrzeuge in Norditalien statt europäische. Spätestens nach der Corona-Krise sieht Guérot nach Jahrzehnten von wirtschaftlicher Zusammenarbeit eine europäische Sozialunion als nächsten logischen Schritte in eine gemeinsame Europäische Republik. In Umfragen seien zwar die meisten für eine tiefergehende europäische Zusammenarbeit – im öffentlichen Diskurs werden diese Mehrheiten aber noch nicht angenommen. Das liege auch an „falschen Buchführungen“ was politische Entscheidungen anbelangt: Noch immer versuchen nationale Regierungen Erfolge der EU als ihre eigenen zu verkaufen.

Flugtaxis: Wann kommt der Tesla der Lüfte?

In zwei, drei Jahren sollen die ersten Passagierdrohnen regelmäßig über ausgewählten Städten rotieren. Doch ist der Großstadtdschungel wirklich der ideale Einsatzort? Und kann der Drohnenflug tatsächlich zum Preis einer Taxifahrt angeboten werden? Die STANDARD-Redakteure Philip Pramer und Fabian Sommavilla reden mit Herstellern und Experten über den Traum vom fliegenden Auto.

Warum kümmert sich niemand ums Klima, Luisa Neubauer?

Offiziell hat die Klimabewegung Fridays for Future keine Chefin. Gäbe es eine, hieße sie Luisa Neubauer, zumindest in Deutschland. Die 24-jährige Studentin ist eine der Hauptorganisatorinnen der Klimastreiks, vertritt die Bewegung in der Öffentlichkeit und bei Treffen mit Entscheidungsträgern von Angela Merkel abwärts, an denen sie selten ein gutes Haar lässt. Im STANDARD-Podcast spricht sie über Hoffnung und persönliche Entscheidungen und darüber, warum eine neue Klimapartei keine Lösung ist.