Edition Zukunft

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Der STANDARD-Podcast über das Leben und die Welt von morgen

Schrauben gegen Schrottberge: Warum reparieren boomt

Schrauben gegen Schrottberge: Warum reparieren boomt

Smartphones, Laptops und andere Tech-Gadgets gelten als Lifestyle-Tools: Nur das neueste Modell zählt. Doch mit steigendem ökologischem Bewusstsein boomt die Reparatur. Die Politik will nachsetzen – aber das ist gar nicht so einfach.

Was ist dran am grünen Wachstum?

Grün ist für viele zur Farbe der Stunde geworden – und das hat nicht wirklich etwas mit den Grünen zu tun. Kaum ein politischer Kommentar zum Klimaschutz, der ohne den Verweis auf Green Jobs oder eine grüne Wirtschaft auskommt. Im neuen "Grünen Deal" der EU kommt der Begriff dutzende Male vor, von "grünen Investitionen", einer "grünen Wende", "grünen Prioritäten" und "grünen Geboten" ist darin zu lesen. Aber was bedeutet das genau? Wie gut sind grüne Jobs wirklich? Und wie kann eine wachsende Wirtschaft mit Klima- und Umweltschutz zusammengehen? Darüber spricht Jakob Pallinger mit der Soziologin und Universitätsprofessorin Beate Littig. Sie sagt: "Wenn wir über Green Jobs reden, stellen wir uns oft Jobs mit gutem Einkommen und Karrierechancen vor. Das ist meist nicht der Fall. Vor allem Frauen sind in vielen schlechten grünen Jobs tätig. Die derzeitige Krise könnte auch eine Chance sein, neue Modelle wie beispielsweise ein bedingungsloses Grundeinkommen zu probieren." Das ganze Gespräch hören Sie im Podcast.

Christa Kummer: "Auch ohne Klimawandel müssten wir eine Änderung einläuten"

Nicht nur schreitet der Klimawandel durch den menschlichen Einfluss viel zu schnell voran, durch unseren überbordenden Lebensstil und die Gigantomanie in unserer Gesellschaft verschärfen wir auch noch massiv die Auswirkungen und Schäden, die das anrichtet. So lautet der Tenor von Christa Kummer,  Meteorologin und langgediente Wetter-Expertin des ORF. Die Bodenversiegelung etwa lässt das Wasser nicht mehr abfließen und lässt Muren und Überschwemmungen immer häufiger zutage treten. Österreich sei Europameister in dieser unvernünftigen Praxis und zahle heute immer öfter die Rechnung dafür. Kummer ortete in den Medien zudem lange Zeit eine Überrepräsentation von Extremwettererignissen in Verbindung mit populistischen Schlagzeilen, die Menschen auf gefährliche Art und Weise für das wichtige Thema Klimawandel abstumpfen ließen. Umso wichtiger sei es, dass Experten und Wissenschafter gehört werden. Diese positive Entwicklung beobachtet sie zuletzt aber immer öfter. Nicht zuletzt ist es aber auch so, dass Menschen oftmals eine radikale Diagnose brauchen, um ihr Leben zu ändern. Die Erde hat diese Diagnose bereits bekommen. "Wir sind gezwungen etwas zu tun", sagt Christa Kummer. "Es geht viel zu schnell". "Weniger muss das neue Mehr werden", sagt Kummer auch in Bezug auf unser Konsumverhalten. Wenn Heidelbeeren im Jänner dauerhaft nicht gekauft werden, werde man sie auch nicht mehr um die Welt fliegen und bei uns verkaufen. Dort, wo das aber nicht klappt, brauche es eben harte Gesetze. Man könnte aber auch einfach öfter den Worten alter Häuptlinge folgen, wie Kummer gegen Ende des Gesprächs betont, nachdem sie aus "Die Erde ist heilig: Worte großer Häuptlinge" zitiert.

Grün, leistbar, demokratisch: Wie könnten Städte 2050 aussehen?

Friedrich von Borries ist Architekt und Designtheoretiker – und er hat eine ziemlich klare Vision von der Stadt der Zukunft. Statt "wie ein Kuhfladen" sollten Städte künftig als Netzwerk wachsen, mit dünn besiedelten Grünflächen zwischen dichten Zentren. Aus breiten Straßen könnten langgezogene Parks, aus Dächern urbane Freiräume werden. Auch die politische Entscheidungsgewalt sieht von Borries künftig in Städten. Denn schon jetzt würden sich mehr Menschen mit ihrer Stadt als mit ihrer Nation identifizieren.

Gefilmt, erkannt, überwacht: Wie weit ist Gesichtserkennung?

Im Handy, bei Passkontrollen am Flughafen und zunehmend auch im öffentlichen Raum: Biometrische Systeme sind überall. Vor allem Gesichterkennung wird immer besser. Auch die österreichische Polizei will bei der Überwachung künftig stäker die Technologie setzen. In China bezahlt man im Supermarkt teilweise schon mit einem Lächeln in die Kamera.Aber wie sicher und genau sind solche Systeme? Wie könnten sie missbraucht werden? Und was kommt da noch auf uns zu? Florian Kirchbuchner ist Biometrie-Experte am Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung. Im Podcast erklärt er, wie Gesichtserkennungtechnologie funktioniert, wo die Forschung steht. Eine Mund-Nasen-Schutz kann Kameras zwar verwirren, gegen Fortschritte in der Sprach-, Handschrift- und Venenmustererkennung hilft er hingegen wenig. Kirchbuchner wagt außerdem einen Blick in das biometrische Leben von morgen, in der wir komplett ohne Ausweise, Passwörter oder Schlüssel auskommen könnten.

Klima, Corona, Wirtschaftskrisen: Wie können wir komplexe Systeme verstehen?

Was haben Pandemien, Klimaerhitzung und Wirtschaftskrisen gemeinsam? Es handelt sich um sogenannte komplexe Systeme, die schwer zu erfassen sind und in denen kleinste Veränderungen riesige Auswirkungen haben können. Komplexitätsforscher versuchen diese Systeme mithilfe von Daten und angewandter Mathematik zu verstehen. Einer von ihnen ist Stefan Thurner, Präsident des Complexity Science Hub in Wien und Wissenschafter des Jahres 2017.Im Podcast erzählt er, wie komplexe Systeme aufgebaut sind, wie man sie verstehen und im Idealfall Prognosen für die Zukunft erstellen kann, wie man Kipppunkte im Weltklima erkennen oder sich auf Pandemien vorbereiten kann. In den vergangenen Wochen hat außerdem die vom Complexity Science Hub veröffentliche Corona-Ampel für Aufsehen gesorgt. Sie kennt im Gegensatz zur Regierungsampel nur drei Farben und wird algorithmisch geschaltet. Thurner erklärt, wie sie funktioniert und warum sie keine Konkurrenz zur offiziellen Corona-Ampel ist.

Warum Recycling das Müllproblem nicht löst

"Recycling ist gut, aber nicht die Lösung", meint Willi Haas, Wissenschaftler am Institut für Soziale Ökologie an der Universität für Bodenkultur in Wien. Recycling sei eher als Mittel letzter Wahl zu verstehen, da es in einigen Fällen wieder sehr viel Energie brauche. Besser sei es, erst gar nicht so viel Abfall zu verursachen. Dies ist laut Haas der Kern einer Kreislaufwirtschaft: Weniger der Natur entnehmen, und gleichzeitig weniger dort zu deponieren.Tatsächlich hat sich der Material- und Ressourcenverbrauch in den letzten Jahrhunderten dramatisch erhöht. Zwar werde heutzutage mehr recycelt als in den 1950er Jahren, dies habe aber nicht mit dem Konsum mithalten können, so Haas. Wie eine Kreislaufwirtschaft in Zukunft aussehen könnte, welche Chancen und Grenzen in dem Konzept stecken und was die Politik und schließlich auch jeder Einzelne dafür tun kann, haben wir Willi Haas im Podcast gefragt.

Das Ende der "realen Realität"?

Nach einem kurzen Hype vor wenigen Jahren war VR-Technologie vor allem in der Gamer-Szene präsent, aber nicht unbedingt in praktischen Anwendungen des Alltags. Mit der Corona-Krise und dem Lockdown wurde die virtuelle Realität wieder, zumindest medial, präsenter. Doch kann die VR-Brille tatsächlich einen Museumsbesuch, ein reales Treffen mit Freunden oder gar eine Pilgerreise ersetzen?

Ist das Ende aller Atomwaffen realistisch?

ICAN-Direktorin Nadja Schmidt hofft im Gespräch mit Fabian Sommavilla vom STANDARD auf ein baldiges Ende der Massenvernichtungswaffen. Sicherheitsexperte Franz-Stefan Gady bezweifelt, dass die Atommächte ihre Waffen aufgeben

Macht uns die moderne Arbeitswelt zu "Menschen ohne Eigenschaften?"

Immer schneller, effizienter und prozessorientiert sollen wir arbeiten – aber was macht das mit uns? Werden wir damit zu austauschbaren Maschinenmenschen? Und wie kann in solchen Umgebungen noch Innovation stattfinden? Gunter Dueck war Mathematikprofessor und arbeitete beim Technologiekonzern IBM, heute kritisiert der den neurotischen Effizienzwahn, dem das Management in Unternehmen verfallen sei. Im Podcast spricht er über die Anfänge der Prozessoptimierung in Unternehmen in den 90er-Jahren, als erstmals Software eingesetzt wurde und Berater "wie Heuschrecken die Unternehmen überzogen" haben. Die Aufteilung von Arbeit in immer kleinere, monotonere Aufgaben und der zunehmende Leistungsdruck belaste nicht nur Mitarbeiter, sondern hindert auch die Unternehmen daran, innovativ zu sein. Der Fokus auf Effizienz und kurzfristigen "Shareholder Value" würde Visionen unterbinden, so Dueck.