Edition Zukunft

Edition Zukunft

Der STANDARD-Podcast über das Leben und die Welt von morgen

Erholungszonen, leistbare Mieten, Durchmischung: Wie kann eine Stadt für alle funktionieren?

Erholungszonen, leistbare Mieten, Durchmischung: Wie kann eine Stadt für alle funktionieren?

Der Yppenplatz in Wien ist nicht nur das Forschungsobjekt von Cornelia Dlabaja, sondern auch ihr Lieblingsort in Wien: "Auf diesem Platz gibt es alles, was eine Stadt ausmacht", sagt die Soziologin und Kulturwissenschafterin. Seit über 15 Jahren beobachtet sie das Gebiet in Wien-Ottakring und forscht zu sozialer Ungleichheit in Städten.

Vor allem Menschen, die auf engem Wohnraum leben, muss eine Stadt genügend Zugang zu öffentlichen Erholungsflächen ermöglichen, sagt Dlabaja. Im Podcast spricht sie über die Ungleichverteilung von Grünflächen in der Stadt, warum wir mehr zu Fuß gehen sollten und was menschenfreundliche Städte ausmachen. Und: Die Soziologin erklärt, warum das Reisen nicht nur dem Klima zuliebe neu gedacht werden muss, sondern warum Massentourismus auch Stadtbewohnern schaden kann.

Urban Farming: Kommt das Gemüse bald aus der Stadt?

Man sieht sie in Wien, Graz, Salzburg und und vielen anderen Städten auf der ganzen Welt immer öfter: Gemüsebeete mitten in der Stadt. Urban Farming nennt man es, wenn Kräuter, Obst und Gemüse zwischen Wohnblocks, in Parks oder am Straßenrand wachsen. Seit Jahren ist der Trend zum Stadtbeet ungebrochen. Der Bewegung geht es nicht nur ums Essen. Doch woher kommt die Faszination für das Garteln in der Stadt?

Cordula Fötsch vom Wiener Verein Gartenpolylog sieht viele Motive für das Stadtgärtnern. "Viele Menschen wollen wissen, wo ihr Gemüse herkommt", sagt sie im Podcast. "Und das auch ihren Kindern beibringen."

Landwirtschaft in der Stadt sei an sich nichts Neues und wurde schon im Mittelalter praktiziert. Erst seit den 1970er-Jahren aber will die Urban-Farming-Community auch als politische Bewegung verstanden werden. Damals eigneten sich Aktivisten in New York verwahrlosten Raum in der Stadt an. Kunstinstallationen und kleine Gärten sollten vor allem die Nachbarschaft zusammenbringen.

Der Community-Aspekt ist der Bewegung bis heute erhalten geblieben. Oft bekomme Fötsch aus den Gärten die Rückmeldung, dass aus einer anonymen Nachbarschaft eine richtige Gemeinschaft wird. "Leute erzählen, dass sie zwischen Wohnung und Geschäft plötzlich fünfmal gegrüßt werden", sagt Fötsch.

Trotzdem klebt an den Gemeinschaftsgärten oft ein elitäres Image: Warum zäunt man den ohnehin knappen öffentlichen Raum ein, nur damit ein kleiner Kreis seinem Hobby nachgehen kann? "Jeder der ein Auto parkt, eignet sich auch öffentlichen Raum an – und darüber wird viel weniger diskutiert", kontert Fötsch. Dem Bobo-Image arbeite Gartenpolylog entgegen: Der Verein wolle auch sozial und ökonomisch benachteiligte Menschen das Garteln im Grätzel ermöglichen. Schließlich sei es eine Tätigkeit, die sich durch alle sozialen Schichten und Kulturen zieht.

Im Podcast spricht Fötsch außerdem darüber, wie man auch ohne grünen Daumen einen Garten starten, wie es mit Tieren in der Stadt aussieht und warum auch Nicht-Gärtner von den Cityfarmen profitieren. Von der Politik fordert sie, die Stadtgärten stärker zu fördern – obwohl Ackerbau am Land wohl immer effizienter sein wird als in der Stadt.

Warum uns Müll auf der Straße so sehr stört

Es gibt kaum einen Ort, an dem wir Müll nicht begegnen: der Aludose, dem Plastik sackerl, der Plastikflasche oder den Zigarettenstummeln, die neben der Straße, im Wald, am Strand, im Garten oder sogar auf den Bergen liegen. Der Müll wirkt meist abstoßend, deplatziert, stört das schöne Bild, das wir von einem Ort haben könnten.

"Wir ärgern uns dann, weil wir das Gefühl haben, dass andere achtlos sind", sagt Sabine Pahl, Umweltpsychologin an der Universität Wien im STANDARD-Podcast. Dies habe mit unserem Gefühl von Fairness zu tun: Wenn es andere nicht tun, warum sollte ich mich dann um den Müll kümmern? Es gebe aber auch Menschen, die konstruktiv damit umgehen, den Müll aufheben und diesen entsorgen. "Wenn wir im Alltag auf viel Müll stoßen, kann sich das Aufheben aber schnell überwältigend anfühlen", sagt Pahl.

Aber warum werfen Menschen überhaupt Müll auf der Straße oder in der Natur weg? "Es gibt eine kleine Gruppe Menschen, die unachtsam sind, die das nicht interessiert", sagt Pahl. Darunter würden auch jene Menschen fallen, die sich vom Staat und der Gesellschaft vernachlässigt fühlen und so gewissermaßen ihren Unmut zum Ausdruck bringen. Aber schlussendlich könne es auch jedem von uns immer wieder passieren, dass wir Müll auf der Straße oder in der Natur verlieren, so Pahl.

Ist das Müllproblem also nur ein Unachtsamkeitsproblem von jedem Einzelnen von uns? Für Pahl ist klar, dass es um mehr geht. "Besonders in Entwicklungsländern sieht man, welche Auswirkungen ein nicht funktionierendes Entsorgungssystem haben kann." Eine Verurteilung von Menschen, die scheinbar achtlos Müll wegwerfen, sei daher in den diesen Fällen meist nicht angebracht. Schließlich habe auch Europa und die dortige Industrie eine Verantwortung, wie viel Müll anfällt und wie viel davon in andere Länder exportiert wird.

Was das Recycling betrifft, können laut Pahl oft schon kleine Dinge zu einer Veränderung beitragen: etwa, wie viele Meter entfernt der Abfallcontainer vor unserer Haustür steht. "Die Einfachheit der Entsorgung spielt eine große Rolle", sagt Pahl.

Dass es beim Thema Müll hauptsächlich um Plastik geht, schreibt die Expertin der großen Aufmerksamkeit der Medien gegenüber diesem Thema zu. Sie gibt jedoch zu bedenken, dass Plastik auch viele nützliche Funktionen erfüllt, ohne denen unser Wirtschafts- und Gesundheitssystem wohl kaum funktionieren könnte. "Im Vergleich zum Klimawandel oder anderen Umweltproblemen ist das Thema Plastikmüll sicher nicht unsere größte Sorge", sagt Pahl.

Außerdem spricht Pahl darüber, warum wir im Supermarkt nicht immer zu dem umweltfreundlicheren Produkt greifen, welchen Beitrag Unternehmen leisten können und wie sich die Umwelt auf unser Wohlbefinden auswirkt. Nebenbei hat sie einen guten Tipp für alle, die mit dem Rauchen aufhören wollen: mehr Zeit in der Natur verbringen.

Computer statt Arzt? Wie künstliche Intelligenz die Medizin verändert

Der Siegeszug der künstlichen Intelligenz (KI) ist auch in der Medizin nicht mehr aufzuhalten. Schon jetzt können Algorithmen bestimmte Krebsarten besser erkennen als Menschen. Im Podcast spricht Horst Hahn, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medizin, darüber wie Technologie in Zukunft dabei helfen kann, dass wir gesund werden und bleiben.

Die Vorstellung von der humanoiden "Arzt-Maschine" könnte dabei falscher nicht sein. Denn KI ist – wie in den meisten anderen Bereichen auch – vor allem ein nützliches Werkzeug für medizinisches Personal. "Die Aufgaben die wir Menschen als anstrengend oder langweilig empfinden, sind die, die sich am besten automatisieren lassen", sagt Hahn.

Im Idealfall führt diese Unterstützung dazu, dass Ärztinnen wieder mehr Zeit für Patienten haben und mehr Menschen den Zugang zu guter Behandlung bekommen. Aber könnte es passieren, dass der Effizienzgewinn verpufft, Ärzte noch gestresster und durch die Technik entmündigt werden? Fest steht jedenfalls: Digitale Medizin ordnet die Beziehung zwischen Arzt und Patientin neu.

Keine Zukunft ohne Gelsen: Warum wir alle Tierarten schützen müssen

"Was hat die Gelse jemals für uns getan?" lautet der Titel des aktuellen Buches der Biologin Frauke Fischer. Im Podcast erklärt sie, warum die Biodiversitätskrise gefährlicher als die Klimakrise ist - und warum Artenschutz vor allem ökonomisch Sinn macht.

Brauchen wir die Viertagewoche? Und können wir sie uns leisten?

Jede Woche langes Wochenende – und trotzdem gleich viel verdienen. Für manche eine unfinanzierbare Utopie, für andere die logische und überfällige Konsequenz aus gesteigerter Produktivität und nicht im selben Ausmaß gestiegenen Löhnen. Befürworter der Wochenstundenreduktion bringen neben Chancen für positive Beschäftigungseffekte vor allem gesundheitliche Aspekte ins Spiel. So würden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer deutlich seltener krank, seien deutlich besser erholt und könnten in weniger Zeit mehr wertvolle Arbeit leisten. Spanien wagt jetzt jedenfalls den landesweiten Versuch und testet die Viertagewoche bei vollem Lohnausgleich. Kann das klappen?Darüber sprechen wir mit dem Ökonom Oliver Picek vom sozialliberalen Thinktank Momentum Institut und der Ökonomin Monika Köppl-Turyna vom wirtschaftsliberalen Thinktank Eco Austria.

Wieso mehr Frauen ins Weltall fliegen sollten

Die Erforschung des Weltalls ist immer noch männlich. 500 Astronauten gab es bisher, aber nur 60 Astronautinnen. Dadurch entgehen uns wichtige Daten, die etwa für Therapien eine Rolle spielen können, sagt die deutsche Raumfahrttechnikerin Claudia Kessler im Podcast-Gespräch. Seit Jahren setzt sie sich mit der Initiative "Die Astronautin" dafür ein, dass mehr Frauen ins Weltall fliegen.

Außerdem spricht die Expertin im Edition-Zukunft-Podcast darüber, wann der Weltraumtourismus richtig Fahrt aufnehmen könnte, wie problematisch Weltraummüll ist und was die Raumfahrt zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen kann. Schließlich erzählt Kessler auch von ihrem Traum, es eines Tages doch noch ins Weltall zu schaffen.

Laden, aber richtig: Was man bei der E-Tankstelle zuhause beachten muss

Wer ein Elektroauto hat, will es zu Hause laden. Mit sogenannten Wallboxen macht man die Garage zur persönlichen Tankstelle. Aber was muss man beim Einbau einer solchen beachten?

Guido Gluschitsch und Martin Putschögl vom STANDARD erklären im Podcast, wie der Einbau funktioniert, wie viel es kostet und wie viel Geld man vom Staat zurückbekommt. Außerdem sprechen sie über die Probleme, die bei einer Wallbox-Installation im Mehrparteienhaus auftreten können – und über die aktuelle Rechtslage.

Biodiesel vs. Elektro: Was treibt uns in Zukunft an?

Anfang des Jahrtausends redeten alle noch vom Biosprit: Benzin und Diesel aus nachwachsenden Rohstoffen sollten den Verkehr grüner machen. Seit jeher stehen die Biokraftstoffe aber in der Kritik: Zu viel Fläche würde der Anbau von Energiepflanzen benötigen, die auch für Nahrungsmittel gebraucht werde. Auch die CO₂-Bilanz des Pflanzensprits wurde heftig diskutiert. Heute werden vor allem Elektromobilität und Wasserstoff als Alternativen für fossilen Sprit gepriesen, um Biokraftstoffe ist es ruhig geworden. Haben sie das Rennen um den Titel als Antrieb der Zukunft verloren?

Im Podcast diskutieren dazu Harald Sigl von Münzer Bioindustrie und Ute Teufelberger vom Bundesverband Elektromobilität Österreich. Biokraftstoffe hätten sich in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt, sagt Sigl. Anstatt Energiepflanzen anzubauen, könne man heute aus altem Frittierfett umweltfreundliche Treibstoffe herstellen. Im Schwertransport werde es auch in Zukunft flüssige Treibstoffe brauchen, denkt Sigl. "Ich glaube nicht, dass die Ever Given jemals elektrisch fahren wird."

Teufelberger hingegen sieht die Zukunft des Pkw- und öffentlichen Verkehrs sowie "den Großteil des Güterverkehrs" elektrisch – auch weil es keine direkten Emissionen gibt. Für ¬andere Antriebe ist sie aber offen, sofern sie nachhaltig sind. "Es gibt keine schlechte Tonne eingespartes CO₂", sagt sie.

Hybrid, Elektro, Wasserstoff: Welcher Antrieb macht das Rennen?

Der Benzin- und Dieselmotor hat Konkurrenz bekommen: Immer mehr Elektroautos sind aus Österreichs Straßen unterwegs, gleichzeitig wird intensiv an alternativen Antriebsarten wie Wasserstoff oder synthetischen Treibstoffen geforscht. Welcher Antrieb macht das Rennen?

Dieter Platzer von Jaguar Land Rover Austria spricht im Podcast bei Guido Gluschitsch über die Antriebe der Zukunft. "Aus technischer Sicht hat der Elektromotor auf jeden Fall gewonnen", sagt Platzer. Doch viele Autokäufer treffen ihre Entscheidung nicht ganz rational – und bei Firmenautos sieht es wieder ganz anders aus.