Edition Zukunft

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Der STANDARD-Podcast über das Leben und die Welt von morgen

Land des Betons: Wie stoppen wir den Flächenfraß in Österreich?

Land des Betons: Wie stoppen wir den Flächenfraß in Österreich?

Kaum ein Land in Europa verbaut so viel Fläche wie Österreich: 13 Hektar Boden gehen hierzulande täglich verloren. Die vielen Häuser auf der "grünen Wiese" sind nicht nur eine Gefahr für die Ernährungssicherheit, sondern fördern auch Zersiedlung – und damit den Autoverkehr. Wie konnte es so weit kommen? Was machen andere Staaten besser? Zu Gast ist Arthur Kanonier, Leiter des Forschungsbereichs Bodenpolitik und Bodenmanagement an der TU Wien.

Wie können wir Krebs endlich heilen?

Allein in Österreich erkranken pro Jahr rund 40.000 Menschen an Krebs. Für rund ein Viertel der jährlichen Todesfälle in Österreich sind Krebserkrankungen verantwortlich. Weltweit gehört Krebs zu den häufigsten Todesursachen. Gleichzeitig forschen Wissenschafter schon lange daran, wie sich Patienten besser behandeln lassen. Die Therapie wird immer personalisierter auf Patienten zugeschnitten, denn jede Krebsform ist anders.

Im Podcast erklärt Maria Sibilia, Leiterin des Institut für Krebsforschung an der MedUni Wien, wie Krebs entsteht und wie sich die Erkrankung heute – abseits der Chemotherapie – behandeln lässt. Es geht um die Frage, warum es so schwierig ist, Krebs zu bekämpfen und wie Immuntherapie dem Körper helfen kann, sich selbst zu schützen. "Sehr viel Forschung geht dahin zuschauen, wie man die Therapien kombinieren kann", sagt Sibilia. Außerdem erklärt sie, welche Rolle die in der Corona-Pandemie bekannt gewordene mRNA-Impfung künftig bei der Krebsbehandlung spielen könnte.

Wie kommen wir weg von (Putins) Gas?

Kaum ein Land in Europa ist so abhängig von Putins Gas wie Österreich: Rund 80 Prozent des Erdgases kommen aus Russland. Von heute auf morgen verzichten lässt sich darauf nicht, sagen Regierung und Experten. Doch langfristig will Österreich und die EU nicht nur von russischem Gas, sondern von allen fossilen Energieträgern verabschieden.

Bis dahin ist es es noch ein weiter Weg: 900.000 Haushalte heizen in Österreich noch mit Erdgas, auch die Industrie ist auf den Energieträger angewiesen. Wie es trotzdem gelingen soll, welche Alternativen es gibt und die Österreich überhaupt in diese Abhängigkeit gekommen ist, erklärt STANDARD-Wirtschaftsredakteur und Energieexperte Günther Strobl im aktuellen "Klimafragen"-Podcast.

Wie die "essbare Stadt" der Zukunft aussehen könnte

Kommt der Frühling, erwacht auch die Gartensaison wieder zum Leben. Viele Menschen graben ihren Garten um, setzen Pflanzen ein und züchten vielleicht neues Obst und Gemüse – nicht nur am Land, sondern immer öfter auch in der Stadt. Denn das urbane Garteln boomt, vor allem seit der Pandemie. Immer öfter werden Lebensmittel direkt in der Stadt produziert. "Essbare Stadt", sagt Ina Säumel, Ökologin an der Humbold-Universität zu Berlin, zu diesem Konzept im Podcast-Gespräch.

Neu ist die Idee, Lebensmittel in Städten zu produzieren, nicht: Schon vor Jahrhunderten gehörte der beackerte Garten zur Stadtentwicklung dazu. Erst in den vergangenen 60 bis 70 Jahren seien diese Strukturen immer mehr aus den Städten verdrängt worden, sagt Säumel.

Dass die Nahrungsproduktion nun wieder in die Städte zurückkehrt, begrüßt die Expertin. Denn einerseits können mit den neuen Gartenprojekten zusätzliche Lebensmittel lokal erzeugt werden. Dazu gehört nicht nur herkömmliches Obst und Gemüse, sondern etwa auch Pilze, die sich besonders gut in Kellern und Garagen züchten lassen, oder Insektenfarmen, die auf immer mehr Akzeptanz stoßen. Andererseits könne das gemeinsame Garteln in der Stadt Menschen zusammenbringen, die sonst weniger miteinander zu tun haben. "Die Menschen treffen sich dort, kommen miteinander ins Gespräch und werden in die Stadtentwicklung miteinbezogen", sagt Säumel.

Vorzeigebeispiele für solche urbanen Gartenprojekte gibt es laut der Expertin einige. So habe es beispielsweise die kubanische Hauptstadt Havanna geschafft, einen Großteil des konsumierten Gemüses vor Ort zu produzieren. Montevideo wiederum, die Hauptstadt Uruguays, nutze das Konzept vor allem für die Umweltbildung, um etwa Schüler durch Schulgärten näher an die Produktion von Lebensmitteln heranzuführen und ihnen Wissen über deren Herkunft und Nachhaltigkeit zu vermitteln.

Nicht alle Projekte lassen sich auf jede Stadt umlegen. Oftmals müsse man mit verschiedenen Ansätzen experimentieren, sagt Säumel. Aber immer müsse man dabei die Bewohner miteinbinden. Im Podcast spricht Säumel zudem darüber, welche Rolle Vertical Farming künftig spielen wird und welche Tipps jeder selbst beim Anbau von Lebensmitteln in der Stadt beachten sollte.

Katastrophe oder Chance: Wie sollen Medien über das Klima berichten?

Anfang September 2020 schreibt die deutsche Journalistin Sara Schurmann einen offenen Brief an ihre Kolleginnen und Kollegen in den Nachrichtenredaktionen. Die zweite Corona-Welle nimmt gerade ihren Anlauf, und die Berichterstattung über die Klimastreiks 2019 ist Berichten über Infektionszahlen gewichen. In ihrem Brief fordert Schurmann die Journalistinnen und Journalisten auf, die Klimakrise ernster zu nehmen – und ihr in den Medien den Platz zu geben, den sie verdient.

Seitdem hat sich einiges verändert: Viele Medien geben Berichten über die Klimakrise wieder mehr Raum, widmen dem Thema Ressorts, Newsletter, Podcasts. "Aber wir müssen anfangen, Klima überall mitzudenken", sagt Schurmann, die im STANDARD-Podcast "Edition Zukunft Klimafragen" zu ihrem kürzlich erschienenen Buch Klartext Klima zu Gast war. "Im Endeffekt muss jeder Journalist ein Klimajournalist werden."

Bestimmte Kräfte, etwa Lobbys der Fossilindustrie, würden aber immer wieder Scheinargumente in den Diskurs einbringen, um Klimaschutz zu verzögern. Dass das funktioniere, liege auch an der Arbeitsweise von Medien. "Wir Journalistinnen versuchen ja immer, auf jedes Thema und aus jedem Blickwinkel kritisch zu schauen", sagt Schurmann. Bei vielen, etwa politischen, Themen sei das auch richtig. "Aber vor allem in den Politikredaktionen fehlt auch ein wenig das Bewusstsein, dass es in den Naturwissenschaften ein Richtig und ein Falsch gibt", so die Journalistin. Man könne an wissenschaftlichen Berechnungen ablesen, ob ein Politikansatz sinnvoll ist oder nicht. Hier wünscht sich Schurmann mehr Einordnung durch Journalistinnen und Journalisten.

Immer wieder in der Diskussion steht zudem die Frage, wie sehr sich Klimajournalismus an den Aktivismus annähern darf. Vergangenes Jahr kooperierten etwa mehrere deutsche Medien mit der Umweltbewegung, der Stern produzierte gar ein eigenes Heft gemeinsam mit Fridays for Future. "Ich finde diese Projekte nicht per se verwerflich, weil alles absolut transparent gemacht wurde", sagt Schurmann. Bei Foto- oder Reisereportagen sei das hingegen oft nicht der Fall, merkt sie an.

Viele Journalistinnen und Journalisten, die zur Klimakrise arbeiten, fragen sich außerdem, inwiefern man sich auch privat für das Klima einsetzen darf. Schurmann hat dieses Dilemma für sich lange so gelöst, dass sie gar nicht auf Demonstrationen ging. Als sie nach einiger Zeit eine Frauendemo besuchte und danach eine unter dem Motto Black Lives Matter, sah sie darin kein Problem – schließlich seien das Themen, zu denen gesellschaftlich ein breiter Konsens besteht.

"Aber es ist irgendwie absurd, dass man da beim Klima immer noch anders denkt", sagt Schurmann. Die Klimakrise sei schließlich ein wissenschaftliches Faktum, bei Protesten gehe es um die Sicherung der Lebensgrundlagen für alle Lebewesen auf der Erde. "Wenn wir das nicht tun, weiß ich auch nicht, wie wir Menschenrechte und Demokratie aufrechterhalten wollen", sagt Schurmann.

Doch wie kommuniziert man nun ein so vielschichtiges Problem wie die Klimakrise? Für Schurmann braucht es im Klimajournalismus vor allem drei Komponenten: "Hier stehen wir jetzt, so schlimm kann es werden – aber auch: So gut kann es werden", sagt die Journalistin. Um den Status quo zu vermitteln, sei es besonders wichtig, Dinge aus dem Alltag herauszupicken, um den Menschen zu zeigen, wo die Krise schon überall ist.

Doch auch wenn die Folgen des Klimawandels verheerend sind – Studien haben gezeigt, dass Menschen bei negativen Nachrichten oft auf Durchzug schalten. Deshalb sei es wichtig, auch ein positives Bild zu zeichnen. "Wie könnte unsere Zukunft aussehen, wenn wir jetzt den Schalter umlegen?", fragt Schurmann. So könne man das Gefühl der Ohnmacht, das sich bei vielen breitmacht, verhindern.

Umweltökonom: "Wir sind zu Konsumdeppen geworden"

Kann unsere Wirtschaft immer weiter wachsen? Welche Auswirkungen hat dieses Wachstum auf unsere Umwelt und unser Klima? Um diese Fragen entfacht sich in der Wissenschaft seit Jahren eine hitzige Debatte: zwischen jenen, die in mehr Wachstum und Innovationen den Schlüssel zur Nachhaltigkeit sehen, und Vertretern der sogenannten Postwachstumsbewegung, wie dem unter Ökonomen umstrittenen Umweltökonomen Niko Paech, der "grünes Wachstum" für eine Illusion hält.

Im Interview und Podcast spricht Paech darüber, warum es ein "Zeitalter des Weniger" braucht, um weitere Krisen zu verhindern, wie eine Gesellschaft und Wirtschaft aussehen kann, in der mehr repariert und geteilt wird, und warum die Lebensqualität in Zukunft anders gemessen werden muss.

Der schwierige Kampf gegen den inneren "Umweltschweinehund"

Eigentlich wäre es ganz einfach: Wenn jeder Mensch weniger autofährt, Energie verbraucht, konsumiert und sich persönlich für Klimaschutz einsetzt – die Auswirkungen der Klimakrise könnten schon ab morgen großteils abgewendet werden. Aber wenn es so einfach wäre: Warum machen wir es nicht einfach?

Die Umweltpsychologin Isabella Uhl-Hädicke widmet sich seit Jahren dieser Frage – und hat kürzlich ein gleichnamiges Buch dazu veröffentlicht. Im Klimafragen-Podcast spricht sich über die Psychologie der Klimakrise und mit welchen Tricks und Anreizen wir den inneren Umweltschweinehund überwinden können.

Aufstehen ohne Wecker? Wie die Arbeitswelt auch für Morgenmuffel funktionieren kann

Schlechter Schlaf ist nicht nur gefährlich ungesund, sondern kostet der Gesellschaft auch viele Milliarden Euro: Denn wer müde ist, arbeitet unproduktiver. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung sind Morgenmenschen, sogenannte Lerchen. Für den Rest sind die typischen Arbeitszeiten oft suboptimal – sie arbeiten gegen ihre eigene innere Uhr.

Warum die fehlende chronobiologische Abstimmung mehr als ein Luxusproblem ist und wie Unternehmen ihre Arbeitszeiten besser auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anpassen können, diskutieren Jakob Pallinger und Philip Pramer im aktuellen Podcast Edition Zukunft.

Hitze, Dürre, knappes Wasser: Was kommt da auf uns zu?

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten! Nach der im Jänner gestarteten Klimaseite jeden Dienstag in der Printausgabe des STANDARD intensivieren wir unsere Klimaberichterstattung weiter. Ab Freitag suchen wir im neuen Podcast Edition Zukunft Klimafragen alle 14 Tage Antworten auf eine der größten Fragen der Menschheit: Wie meistern wir die Klimakrise? Die Podcast-Hosts Nora Laufer und Philip Pramer sprechen mit Expertinnen und Experten, wühlen sich durch Studien und stellen die besten Ideen und Lösungen vor.

In der ersten Folge fragen wir uns, wo wir überhaupt in der Klimakrise stehen und sprechen mit der Umweltökonomin Birgit Bednar-Friedl. Sie hat am kürzlich erschienenen Bericht des Weltklimarats (IPCC) mitgearbeitet und erklärt die neuesten Erkenntnisse zu den Auswirkungen der Klimakrise – und wie wir uns davor schützen können. Außerdem erläutert STANDARD-Wissenschaftsredakteurin Julia Sica, warum die Sachstandsberichte des IPCC so wichtig für den Kampf gegen die Klimakrise sind.

Können wir in Zukunft Gedankenlesen?

Gedanken mittels Chip speichern und mit anderen Menschen austauschen, Verbrecher noch vor der Tat anhand ihrer Gedanken stoppen oder Lügen perfekt erkennen: Die Technologie des Gedankenlesens macht Versprechen, von denen viele noch weit von der Realität entfernt sind, sagt der britisch-deutsche Hirnforscher John-Dylan Haynes. Die Idee von Tech-Milliardären wie Elon Musk und dessen Unternehmen Neuralink, jede unserer durchschnittlich 86 Milliarden Nervenzellen im Gehirn zu messen, sieht der Experte noch "Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte" entfernt.

Was durch die Hirnforschung jedoch schon möglich sei: Gedanken, Gefühle und Erinnerungen mithilfe von Magnetresonanztomografen besser zu erkennen. Künftig könnte es auch noch besser gelingen, Prothesen mithilfe von Implantaten zu steuern und mittels sogenannter Gehirn-Computer-Schnittstellen zu kommunizieren. Welche andere Potenziale die Technologie hat, ob Maschinen jemals ein eigenes Bewusstsein haben werden und was das Gedankenlesen für unseren freien Willen bedeutet, erzählt Haynes im Podcast.