Der STANDARD-Podcast über das Leben und die Welt von morgen
00:00:06: In den USA und in Europa wächst der Druck auf Social-Media-Plattformen wie Instagram, Facebook oder TikTok.
00:00:38: Kritisiert werden vor allem zwei Dinge – dass sie süchtig machen unterst die Unternehmen Kinder und Jugendliche zu wenig schützen.
00:00:44: Der Konzern Meta hat in den USA erst vor wenigen Wochen eine Rekordstrafe abgewendet Und auch die EU sieht bei mehreren Plattformen Verstöße gegen ihre Gesetze.
00:00:54: Wir fragen uns deshalb, wird das soziale Medien wie wir sie heute kennen in Zukunft überhaupt noch geben?
00:01:00: Und wie müssten Sie sich verändern damit Sie unsere Demokratie
00:01:03: stärken?".
00:01:05: Darüber sprechen wir gleich mit Harjo Baumgarten.
00:01:07: Er ist Kommunikationswissenschaftler an der Universität Wien und erforscht wie soziale Medien uns prägen.
00:01:13: Bevor wir diese Fragen auf den Grund gehen verschaffen wir uns noch einen Überblick darüber warum soziale medien aktuell so unter Druck geraten sind.
00:01:21: Michael Schutt, du machst gerade deinen Praktikum bei uns im Ressort-Edition Zukunft beim Standard und du hast zu diesem Thema recherchiert.
00:01:29: Was genau ist denn hier passiert?
00:01:31: In den USA wurde Mitte August mit großer Spannung der Auftrag zu einem Gerichtsprozess gegen den Social Media-Konzern META erwartet, der ein historisches Ausmaß gehabt hat.
00:01:40: Einige Beobachterinnen haben ihm sogar das Potenzial zugeschrieben die Zukunft der sozialen Medien grundlegend verändern zu können.
00:01:47: Okay warum denn das?
00:01:48: Da haben neunundzwanzig US Bundesstaaten gegen den Konzern Meta geklagt – sie werfen dem Unternehmen vor, minderjähriger auf seinen Plattformen Instagram und Facebook süchtig und psychisch krank zu machen!
00:01:59: Die Anklagesseite rechnete mit Strafzahlungen bis zu zweihundert Milliarden US-Dollar.
00:02:04: Die Strafe könnte sogar eine Million Dollar betragen, das hat zumindest Meta selbst vor Prozessbeginn behauptet und damit für Schlagzeilen
00:02:12: gesorgt.".
00:02:28: Alles, was österreichische Unternehmen in einem Jahr erwirtschaften.
00:02:32: Eine Strafzahlung in so einer Höhe wäre natürlich existenzbedrohend gewesen.
00:02:37: Und wie ist der Prozess jetzt ausgegangen?
00:02:39: Nur eine Woche nach dem Auftakt vor Gericht war der Prozesse auch schon wieder vorbei.
00:02:43: Meter hat sich mit den klagenden Bundesstaaten auf eine Vergleichszahlungen der Höhe von rund siebzehn Milliarden Dollar geeinigt.
00:02:50: Der Prozess wird also nicht weiter fortgesetzt.
00:02:53: Außerdem muss Meter Kinder und Jugendliche besser schützen, aber anders als viele gefordert hatten.
00:02:58: Vor dem Prozess war davon die Rede bestimmte Funktionen ganz abzuschaffen – beispielsweise das endlose Scrolling, Videos, die von selbst starten und das Zählen von Likes.
00:03:09: Das alles bleibt aber!
00:03:10: Stattdessen muss Meter für Minderjährige ein tägliches Zeitlimit einführen und nachts den Zugang sperren.
00:03:16: Welche Vorwürfe wunden Meter eigentlich konkret gemacht?
00:03:19: Die Vorwörfe waren schwerwiegend.
00:03:21: Die Anklagerseite behauptete, dass Meta seine Plattformen absichtlich so gestaltet habe, das Kinder danach süchtig werden.
00:03:28: Die stellvertretende Generalstaatsanwältin von Kalifornien Megan O'Neill hat vor Gericht gesagt, dass Meter viel über die Gehirne von Kindern wissen – etwa, dass sie ständig nach Belohnungen suchen und sehr empfindlich auf soziales Feedback reagieren würden.
00:03:41: Gleichzeitig sagt O' Neill, dass meta die Öffentlichkeit in die Ehre geführt hat.
00:03:45: Meta hat nämlich behauptet, dass ihre Plattformens sicher für Kinder sind.
00:03:49: Übrigens weist Meta jegliches Fehlverhalten von sich, auch nach der Zustimmung zu einem Vergleich.
00:03:54: Diese Vorwürfe an Metas sind ja nicht ganz neu oder?
00:03:58: Nein!
00:03:58: Sie reichen zurück bis ins Jahr zwanzig.
00:04:01: Damals hat die frühere Facebook-Mitarbeiterin Francis Haugen tausende Seiten interner Dokumente öffentlich gemacht – die sogenannten Facebook Files.
00:04:10: Aus diesen ging hervor dass Meta bereits wusste das seine Plattformen gefährlich für die mentale Gesundheit von Jugendlichen sein kann.
00:04:18: Und erst zu Beginn dieses Jahres wurden in einem anderen Gerichtsverfahren Dokumente thematisiert, die E-Mails zwischen Mitarbeitenden von Meta zitierten.
00:04:26: In diesen E-mails aus dem Jahr zwanzig bezeichneten die Mitarbeitende Instagram selbstkritisch als Droge und sich selbst als die Dealer.
00:04:36: Eine beteiligte Mitarbeiterin beschrieb die Aussagen im Nachhinein unterhalb als Sarkasmus.
00:04:46: Auch in der EU erhöht sich der Druck auf Social Media Konzerne.
00:04:49: Unter anderem laufen die EU-Verfahren gegen die Plattformen TikTok, Instagram und Facebook.
00:04:54: Die EU-Kommission sieht dem süchtig machenden Design dieser Plattform einen Verstoß gegenüber das Gesetz über digitale Dienste.
00:05:01: Auf Englisch heißt es Digital Services Act – kurz DSA.
00:05:06: Auch gegen Snapchat hat die Kommission ein Verfahren eingeleitet.
00:05:10: Da geht es darum ob Kinder dort ausreichend geschützt sind!
00:05:13: Und auch außerhalb Europa tut sich etwas, oder?
00:05:16: Genau.
00:05:17: In Australien ist ein Gesetz in Planung das eine digitale Sorgfaltspflicht für Social Media Konzerne vorsieht und große Technologiekonzerne bei Verstößen zur Verantwortung ziehen will.
00:05:27: Unter anderem steht im Raum Nutzerinnen und Nutzern künftig die Option zu geben den Algorithmus abzuschalten der personalisierte Inhalte zusammengestellt.
00:05:37: Was bedeutet das alles nun für die Zukunft der sozialen Medien?
00:05:40: Das besprechen wir jetzt mit Haio Baumgaden.
00:05:42: Er ist, wie gesagt, Kommunikationswissenschafter an der Universität Wien und forscht unter anderem dazu, wie Jugendliche soziale Medien nutzen.
00:05:51: Hallo Herr Baumgaten!
00:05:52: Hallo danke für die Einladung.
00:05:53: freut mich da zu sein
00:05:54: Herr BaumGaden.
00:05:55: in ihrem Forschungsprojekt Synapse dass eben auch vom europäischen Forschungsrat gefördert wird untersuchen sie unteranderem wie Jugendlichen soziale Medien nutzen und wie sich im digitalen Raum Verhalten.
00:06:07: Warum sind denn Jugendliche und Kinder in sozialen Medien so besonders gefährdet?
00:06:12: Das ist eine gute und spannende Frage, wo eigentlich zwei Fragen oder zwei Teile drinstecken oder das eine ist warum gefährden soziale Medien an sich und warum Kinder und Jugendliche besonders?
00:06:22: und wenn wir uns anschauen warum soziale Medien an sich als gefährlich eingestuft werden dann geht es oft darum welche Funktionen eigentlich in diesem Plattformdesign drinnen stecken.
00:06:31: Dann sprechen wir über Sachen wie infinite scroll dass man immer weiter scrollen kann, ohne dass es aufhört.
00:06:38: Oder über Autoplay-Videos fangen automatisch an abgespielt zu werden, ohne das man aktiv was drücken muss oder Push Notification mich erinnern, immer wieder in die Plattform reinzuschauen und all das sind Sachen, die wir vor allen Dingen von Regulierungsbehörden wie eingangs schon angemerkt als Addictive Design gesehen werden, als suchtmachende Features in dem Design von Plattformen.
00:07:03: Und das ist tatsächlich was, wo wir sehen, dass die Diskussion in den letzten Jahren hingegangen ist.
00:07:06: Früher ging es darum welche Sachen... Welche Inhaltes sehen wir eigentlich in sozialen Medien, die vielleicht gefährlich sein könnten?
00:07:14: Desinformationen, Hate Speech, Pornografie und so weiter und sofort.
00:07:18: Während heute eigentlich die Diskussionen sich viel mehr wenn's um die Gefährlichkeit von sozialen Medien geht, sich vielmehr in die Richtung bewegt wie gefährlich ist eigentlich dieses Design insgesamt im Bezug auf ein potenziell suchtmachende Eigenschaften oder süchtig machende Eigschaften.
00:07:33: Das ist eine, also soziale Medien können gefährlich sein, können süchtigt machen und wir als Gesellschaft versuchen Suchtpotenziale zu verringern.
00:07:41: Warum besonders für Kinder und Jugendliche?
00:07:43: Ist eigentlich der andere Teil der Frage.
00:07:44: dann und da sehen wir dass die Nutzung von sozialen Medien in eine ganz besondere Entwicklungsphase eigentlich fällt von diesen Kindern und Jugendlichen Phase wo es oft darum geht, Identitäten zu entwickeln und weiterzuentwickeln.
00:07:57: Wer bin ich eigentlich?
00:07:58: Wer möchte ich
00:07:58: sein?".
00:07:59: Und für diese Identitätsentwicklung spielt eine riesig große Rolle auch... Ich fühle mich zugehörig!
00:08:05: Wer gibt mir Anerkennung?
00:08:06: Wer gibt mehr Feedback?
00:08:07: Soziale
00:08:08: Vergleiche?!
00:08:09: Was machen die?
00:08:10: Was mache ich?
00:08:10: Sind sie besser als ich oder nicht?
00:08:12: Wer liken mich?
00:08:14: Wer schließt mich aber aus Diskussionen aus zum Beispiel?
00:08:17: Und das sind alles Mechanismen, die natürlich wir in diesen sozialen Medien und dem Design von Plattformen wiedererkennen.
00:08:23: Feedback-Mechanismen dienen.
00:08:25: riesige Rolle spielen Gruppenzugehörigkeiten, die eine große Rolle spielen.
00:08:29: Das heißt, wir sehen eigentlich dass diese Mechanismien, die potenziell gefährlich uns süchtig machen, auf ein Entwicklungsphase treffen wo wir davon ausgehen können, dass Kinder und Jugendliche besonders vulnerabel sind, besonders gefährdet sind.
00:08:42: dazu kommt, dass Kinder und Jugendliche vielleicht eine weniger ausgeprägte Selbstregulierung haben.
00:08:46: Das heißt, weniger in der Lage sind abzuschätzen.
00:08:49: auch was macht das mit mir?
00:08:50: Was macht es mit meinem Leben?
00:08:51: also das ist glaube ich das wo die Designmechanismen und Plattformmechanismus zusammenkommen mit ja mit einer Entwicklungsphase wo diese besonders wichtig sein können oder besonders folgenreich auch sein können.
00:09:03: Jetzt kann man euch ganz naiv sagen Na gut, die Kinder der Neunziger wie ich zum Beispiel bin sind dafür irgendwie fünf Stunden am Tag vom Fernseher gesessen.
00:09:12: und haben sie dort auch nicht wahnsinnig hochwertige oder pädagogisch wertvolle Inhalte reingezogen.
00:09:19: Was ist dabei Social Media vielleicht gefährlicher?
00:09:21: Ja, spannende Frage, spannender Vergleich.
00:09:23: Als Kind der Achtziger versuche ich das zu verantworten!
00:09:26: Was wir weniger gesehen haben im Fernsehen, im linearen Fernsehen.
00:09:30: Das ist eine Einrichtungsbewegung oder?
00:09:32: Also ich bekomme die Inhalt und kann natürlich selektiv auswählen was ich schaue aber auch nur sehr begrenzt selektive und viel weniger selektif als das heute der Fall ist natürlich Und ich habe diese Feedbackmechanismen nicht.
00:09:43: Ich bekomme kein Feedback auf das was ich tue.
00:09:44: sie konnten Blödsinn schauen oder Arte-Dokus schauen und haben nicht gefeedbackt gekriegt, was das eigentlich mit ihnen macht.
00:09:51: Und wie sich das auf ihre Realitätsentwicklung und ihre allgemeine Entwicklung auswirkt?
00:09:55: Das könnte zum Beispiel ein Unterschied sein.
00:09:57: Außerdem würde ich denken, dass die Mechanismen in sozialem Medienplattform sind dazu gebaut uns drin zu halten oder die Kinder und Jugendliche dabei zu halten.
00:10:05: Es geht im Prinzip ganz blöd gesagt um Gewinnmaximierung.
00:10:08: also je länger Ich und je mehr Interaktion ich in der Plattform habe desto besser ist es für die Konzerne.
00:10:14: Natürlich war das auch irgendwie Interesse des Fernsehens möglichst viele Zuschauerinnen zu generieren, aber die Designmechanismen waren lange nicht so clever daraus ausgelegt uns tatsächlich in diesem Medium zu halten und ich glaube es macht schon einen Unterschied.
00:10:27: Wenn man über Kinder Jugendliche und Social Media spricht dann muss man auch ein Thema ansprechen und zwar dass immer mehr Staaten die Social-Media Nutzung für Kinder und Jugendliche einschränken oder ganz verbieten bis zum bestimmten Alter.
00:10:39: was halten Sie davon?
00:10:40: ist das die Lösung?
00:10:42: Oder eine Lösung?
00:10:43: Ob es die Lösung gibt, ist ein Teil von Lösungen vielleicht und so könnte man sagen.
00:10:47: Ich glaube das Schutzproblem ist schon real.
00:10:49: also wir sehen dass Kinder und Jugendliche besonders gefährdet sind, dass es Kinder und Jüngliche gibt, die abdriften, dasses dieses Suchtpotenzial zumindest gibt.
00:10:56: Also die EU spricht wirklich über addictive Design.
00:10:59: in der Forschung sind wir etwas zurückhalten da was das eigentliche süchtig machen angeht aber Dennoch gibt es sicherlich Problematiken, den wir uns widmen müssen über Regulierungsinstrumente.
00:11:09: Dieses Altersverbot ist ein total grobes Instrument.
00:11:11: Das ist so'n bisschen in der Sozialpolitik sprechen wie oft über Gießkannenprinzip.
00:11:15: das wäre ähnlicher ja?
00:11:16: Wir schütten das über alle Kinder und Jugendliche drüber oder alle Plattformen drüber und hoffen dass es was bringt.
00:11:22: versuchen nicht unterschiedliche Nutzungsformen zu unterscheiden.
00:11:26: Also TikTok-Doom Scrolling, was ich machen kann ist nicht das gleiche wie mich in WhatsApp Freundesgruppen unterhalten und mit Freunden zu verabreden.
00:11:34: Ist nicht das Gleiche wie auf YouTube Lernvideos zu schauen und trotzdem wird es über alles auf eine ähnliche Art und Weise drüber gestülpt.
00:11:40: Das ist ein problematischer Teil den Ich hier sehe.
00:11:44: auch Problematisches glaube ich an dieser Herangehensweise dass wir eigentlich die Verantwortung auf Eltern und Kinder und Jugendliche verlagern.
00:11:52: Also wir halten nicht die Plattform verantwortlich für das, was sie tun und wie sie ihr Design gestalten sollen.
00:11:57: Wir sagen, na diese sind irgendwie böse oder schwierig?
00:11:59: Und dann sind jetzt die Eltern und Kinder dafür verantwortlicht, was Sie damit tun oder vor allen Dingen was Sie da mit Nicht-Tun und wie Sie dieses Verbot umsetzen usw.
00:12:06: Das halte ich insgesamt ein Stück weit für problematisch.
00:12:08: Ich glaube es wäre viel sinnvoller in Richtung zu regulieren dass man die Plattform und deren Design reguliert als die Altersbeschränkungen.
00:12:15: Da geht Australien übrigens auch hin, also wenn man sich jetzt die weitere Gesetzgebung in Australien was der Vorreiter war eigentlich in diesem Bereich anschaut.
00:12:22: Dann geht das durchaus in Richtung dass sie mehr die Plattform Design Mechanismen sich jetzt anschauen sollen.
00:12:28: es gibt zum Beispiel Vorlagen in Australiens für ein Algorithmus-Ausschaltprinzip im Prinzip wo es darum geht dass der Algorithmos einem nicht mehr den Feed gestaltet auf Basis von Präferenzen, die man selbst angibt.
00:12:42: Sondern auf Basist der Freuen und der Netzwerke, die sich selbst gewählt hat.
00:12:45: Und das sollte zu anderen Informationsfeeds führen und vielleicht zu weniger eingeschränkten Informationen bekommen.
00:12:52: Das ist zum Beispiel etwas was tatsächlich in die Algorithmen und in die Plattformmechanik und das Design selbst eingreifen würde.
00:12:58: Zurück zum Altersverbot!
00:13:01: Ich kann mir vorstellen dass solange diese Plattformregulierung, die wir eigentlich auf globaler Ebene durchsetzen müssten nicht wirksam durchgesetzt wird, dass vorübergehend Alterseinschränkungen durchaus sinnvoll sein könnten.
00:13:14: Einfach um Problembewusstsein zu skizzieren und um die Plattform vielleicht auch ein Stück weit zu zwingen sich diesen Themen zu widmen und über ihr Design und ihre Mechaniken nachzudenken.
00:13:23: Ich glaube eine Debatte darüber welche Arten von Plattform wie welchen Jugendlichen in welchem Alter zumuten wollen wäre eigentlich eine viel spannere Debatte als tatsächlich diese starren Altersgrenzen oder Designfeatures für vielleicht verbieten wollen, für bestimmte Altersstufen.
00:13:40: Das sind Debatten die deutlich differenzierter werden und wahrscheinlich am Ende auch zielführender wären.
00:13:45: Welche Funktionen wären denn das zum Beispiel?
00:13:48: Die man da eventuell für jüngere Menschen verbieten sollte...
00:13:52: Es gibt ja durchaus Ideen diesen infinite Scroll also dieses immer weiter durch scrollen zu können zu beschränken.
00:13:57: Zu sagen nach zwei Stunden ist es Schluss!
00:13:59: Für einen Tag zum Beispiel und dann geht's nicht weiter.
00:14:02: Das ist was was durchaus jetzt auch in den USA nach der Meterentscheidung diskutiert wurde und was immer wieder in den Debatten aufploppt.
00:14:09: Und das wäre wahrscheinlich ein Mechanismus, der total einfach durchsetzbar wäre für die Plattform und der relativ viel bringen könnte.
00:14:15: Man kann genauso drüber nachdenken und es teilen Australischen Debatte jetzt welche Defaults gesetzt werden also welche Grundeinstellungen eigentlich gesetzt wären.
00:14:23: ist die Grundeinstellung dass mein Feed sich aus dem was meine Freunde und meine selbst gewählten Content Creator usw.
00:14:31: mögen und schauen?
00:14:32: Ist das die Fall?
00:14:33: Ist das Grundeinstellung, dass die Grundeinstellung halt ein Algorithmus der viel mehr auf meine eigenen Präferenz und auf mein eigenes Verhalten abspielt zum Beispiel.
00:14:41: Autoplay von Videos könnte man einfach ausstellen wäre überhaupt kein Problem für die Plattformen das zu tun.
00:14:46: also das sind alles relativ einfach umsetzbare Mechanismen die durchaus gerade auch in der Diskussion stehen aber die natürlich bedeuten, dass Plattformen vielleicht weniger Gewinne wachen.
00:14:58: Die Leute weniger lang in ihren Plattform halten und weniger Interaktion generieren usw.
00:15:03: Ich glaube was man noch mitdenken sollte bei diesen Diskussionen sind war es mal eine Dark-Design-Entscheidung also selbst wenn ich ne Grundeinstellung ändere nicht immer wieder genatscht zu werden, also dazu getrieben zu werden diese wieder andersrum.
00:15:16: Also nach zwei Stunden ist Infinite Scroll vorbei aber dann kommt eine Nachricht, möchte du nicht doch noch ne Viertelstunde weiter machen oder möchtest du dieses wieder ausstellen?
00:15:24: wenn es vielleicht was ist wenn man freiwillig anstellen kann?
00:15:26: Oder so solche Geschichten auch um Auge wird?
00:15:28: zu behalten und zu vermeiden wäre sicherlich gut und sinnvoll.
00:15:33: Minderjährige sind als besonders anfällig für süchtig machende Funktionen.
00:15:38: Wie kommt es dann, dass die Nutzung sozialer Medien bei Jugendlichen laut der aktuellen Jugendinternetmonitor-Studie dennoch zurückgeht?
00:15:46: Zeigen hier Schutzbemühungen ihre Wirkung oder hat das andere Gründe?
00:15:50: Schwierige Frage.
00:15:51: Ich habe die Daten auch gesehen und die auf einer Umfrage beruhen Nutzungsverhalten von Plattformabfragen und nicht unbedingt Nutzungstauer.
00:15:59: Also ich glaube, wir müssen ein Stück weit auch einschränken wie aussagekräftig diese Daten sind wobei jetzt nicht answeifeln soll das gute Daten sind.
00:16:06: aber was können wir wirklich sagen?
00:16:08: Und was können für allen über eine Trendumkehr in einem einzigen Jahr sagen?
00:16:13: also wenn wir Trends untersuchen dann versuchen wir die für lange Zeiträume zu untersuchen und dann ist vielleicht ein Ja auch nur ein Ausreißer.
00:16:20: Ich wäre erstmal vorsichtig in der Interpretation dieser Zahlen dahingehend, dass wir sagen würden ja da wirkt irgendwas.
00:16:26: Da funktioniert irgendetwas.
00:16:28: Wir sehen sicherlich eine Fragmentierung bei Jugendlichen in der Nutzung über unterschiedliche Plattformen hinweg aber auch Gaming spielt hier ne große Rolle.
00:16:36: gerade bei männlichen Jugendlichen ist das oft die viel größere Verweildauer mit digitalen Medien als klassische soziale Medienplattform.
00:16:43: Wir sehen und es wird auch an dem Monitorbericht anerkannt das KI- und Chatbotnutzung also die Kids unterhalten sich mit ChatGPT, dass das tatsächlich ein Stück weit die Nutzung von sozialen Medien ersetzt.
00:16:55: Das könnte ein Grund sein warum wir vielleicht zurückgehende Zahlen dort sehen.
00:16:59: natürlich kann es auch ein Digital Vertieg sein.
00:17:01: irgendwie die Jugendlichen und Kinder werden der Plattform müde und wenden sich anderen Medien zu.
00:17:06: aber da wäre ich vorsichtig tatsächlich das stark aus diesen Zahlen zu ziehen.
00:17:11: In den USA wird vor allem der Schutz von minderjährigen Jusserinnen thematisiert Die EU aber kritisiert in ihren laufenden Verfahren gegen Instagram, Facebook oder TikTok das Suchtpotenzial dieser Plattformen allgemein.
00:17:25: Sind Funktionen wie Endlos-Growln oder stark personalisierte Inhalte auch für Erwachsene gefährlich?
00:17:30: Naja es ist glaube ich relativ logisch.
00:17:32: dass unsere Psychologie sich nicht ändert mit dem achtzehnten Geburtstag.
00:17:35: oder also dass diese Mechanismen auch Verwachsener funktionieren scheint mir durchaus plausibel.
00:17:41: erstmal wir gehen glaub gesamtgesellschaftlich bei Erwachsenen von einer anderen Schutzbedürftigkeit aus.
00:17:47: Und was wir vielleicht auch annehmen dürfen, ist das Erwachsene zumindest mit dem Alter werden eine bessere Selbstregulierung entwickeln?
00:17:56: Vielleicht auch ne bessere Abschätzung von langfristigen Konsequenzen von Verhalten entwickeln als Kinder und Jugendliche dass haben?
00:18:03: Was vielleicht die Auswirkungen dieser Mechanismen mit dem alter etwas abschwächen könnte.
00:18:07: aber ich glaube die Unterschiede sind da riesig und sie kennen sicher alle Menschen in ihrem Freundeskreis die es kaum aushalten, ihr Handy nicht alle zehn Minuten in die Hand zu nehmen und ihre Social Media durchzuschauen.
00:18:18: Während wir andere kennen, die auch mal einen Tag oder zwei oder eine Urlaub lang ohne können... Und ich glaube das differenziert sich deutlich mehr.
00:18:25: vielleicht aus.
00:18:26: nochmal Zeitkontingente werden noch andere.
00:18:28: man ist beruflich tätig und hat vielleicht einfach weniger Zeit stundenlang durch die Plattformen zu scrollen.
00:18:33: aber ganz grundsätzlich ist es glaub ich ein interessanter Move der EU irgendwie zu schauen ein Bewusstsein dafür zu kreieren, dass auch Erwachsene durchaus gefährdet sein können von diesen Mechanismen und das nicht alleine Kinder- und Jugendlichen-Debatte ist.
00:18:46: Du bräuchst also Warnhinweise wie bei Zigaretten?
00:18:48: Die sind ja auch zum Beispiel
00:18:50: für Kinder
00:18:50: verboten und für Erwachssene darf man sie aber auch nicht unbeschränkt bewerben, bräust du irgendwelche
00:18:57: Warnungen?
00:18:57: Ich tue mir jetzt schwer über Warnung zu sprechen und ich glaube den Vergleich mit Zigaretnen... Konsum interessant.
00:19:04: Aber natürlich sind wir auch lange noch nicht so weit, dass wir sowohl das Suchtpotenzial als auch die Folgenabschätzung bei sozialen Medien so gut und umfassend hätten wie wir es beim Rauchen vielleicht als Evidenz vorlegen könnten.
00:19:15: Ganz grundsätzlich weiß ich nicht ob Warnhinweise hier wirken?
00:19:18: Was wirkt sind gesellschaftliche Debatten wahrscheinlich also tatsächlich ein Bewusstsein dafür zu kreieren.
00:19:23: Mediankompetenz ist in aller Munde der Standardmacht, Medienkompetenz seit Wochen ohne Ende und viele andere Medien auch.
00:19:29: Es gibt Curricula-Enderungen für Schulen, wo Medienkompetenz eine größere Rolle spielt.
00:19:33: Ich glaube das sind tatsächlich Mechanismen die durchaus wichtig sind.
00:19:36: Nochmals dass verlagerten stückweit die Verantwortung auf die Nutzer innen und nicht auf die Plattform was ich wiederum schwierig halte aber es ist sicherlich ein Teil dessen.
00:19:46: also einen Teil der Lösung muss auch sein bei uns allen bessere Awareness dafür zu schaffen was diese Mechanismes eigentlich tun und welche Auswirkung sie haben und vielleicht auch im Erwachsenenalter.
00:19:56: Facebook ging im Jahr four online.
00:19:59: Ich bin hier noch eine Generation weiter und bin im Jahr zerrtasend eins geboren, und kann mich an einer Gesellschaft ohne Social Media kaum erinnern.
00:20:09: Trotzdem liest man Schlagzeilen wie ist das das Ende des Social Media Zeitalters in der FHZ?
00:20:15: oder stirbt Social Media in der Zeit?
00:20:18: Aber ist eine Welt ohne Social media überhaupt noch denkbar?
00:20:21: ich Tu mir schwer mit der Frage, weil Vorausschauern ist immer schwierig.
00:20:25: Ich bin alt genug um mich an eine Welt zu erinnern ohne Smartphones und ohne Social Media – sogar noch ohne das Internet so richtig eigentlich!
00:20:33: Und kann mir trotzdem in der Zeit ne Welt ohne medial vermittelte Kommunikation über smartphoneartige Geräte zwischen Menschen nicht vorstellen?
00:20:45: Wie genau das aussieht und ob das Social-Media-Plattformen sind… Es ist eine andere Frage.
00:20:49: Wir haben ja schon eine Veränderung gesehen, also wenn wir über Social Media sprechen dann haben wir glaube ich in den letzten Jahren, wenn man sich die Bewegungen von Facebook zu TikTok anschaut das Social Stück weit verloren.
00:21:00: Also TikTok ist viel mehr getrieben vom eigenen Algorithmus und viel weniger von Menschen denen ich folge während Facebook eine Plattform war, die eigentlich nur darum ging welche Netzwerke ich habe und determiniert bestimmt haben was ich dann sehe.
00:21:13: Das heißt wir haben aus diesen Freundesnetzwerken sind algorithmisch getriebene Netzwerken geworden Und das war eine Riesenveränderung oder ist nach wie vor eine Risenveränderungen, in dem diese Plattformen funktionieren.
00:21:24: Das ist ja dann eigentlich wieder sehr ähnlich, wie Sie am Anfang gesagt haben mit dem Fernsehen... eine Einweg-Kommunikation eigentlich, weil zwischen den Konsumenten und den Influencerinnen wird jetzt einfach wahrscheinlich wenig konsumiert.
00:21:34: Genau, es ist ein Einweg viel mehr Einweg.
00:21:36: Kommunikation in der Tat das kann's auch weniger spannend machen.
00:21:39: was halt funktioniert ist dass die Inhalte super personalisiert auf mich abgestimmt sind und die Plattform genau wissen was mich reizt und was mich trigger hat dazu in der Plattform zu bleiben.
00:21:48: und das war vielleicht anders als beim Fernsehen wo man dann aus drei oder fünf oder acht Kanälen auswählen konnte.
00:21:53: aber das stimmt von der Art und Weise wie Inhalten verbreitet werden ist das durchaus Durchaus wieder.
00:21:59: eher eine Broadcasting ist es, glaube ich nicht.
00:22:01: Weil's da zu viel zu verteilt ist und viele Content-Creator und Produzentinnen unterwegs sind.
00:22:06: aber das ist mehr Einwegkommunikation in der Tat.
00:22:09: ja.
00:22:09: Ich würde daher denken dass wir kein Ende von Social Media sehen vielleicht von Social media Aber wir werden kein Ende sehen von Plattformen die auf mehr oder weniger personalisierte Art Und mehr oder wenige offen für alle möglichen Content Creators Informationen vertreiben.
00:22:26: und das sehe ich jetzt und nicht, dass das zu Ende gehen wird.
00:22:30: Aber könnte es nicht sein, dass es doch vielleicht auch eine zunehmende Gegenbewegung zur Social Media gibt?
00:22:34: Also man ist jetzt in Wien aufgefallen da gibt's immer öfter diese Plakate die RASF, die radikale Anti-Smartphone Front.
00:22:42: Das ist natürlich irgendwie so ein Kunstprojekt glaube ich.
00:22:44: aber kann es nicht so sein, sich damit identifiziert in Zukunft auch mehr keine sozialen Medien zu nutzen?
00:22:51: Ja,
00:22:52: total.
00:22:52: Und das wird sicherlich geben – ich glaube nicht dass es in Massenbewegung werden wird aber es wird sicher nischen geben wo das ausgeprägt ist.
00:22:58: und wir wissen bei allem was allgegenwärtig wird und was überall sichtbar wird und überall genutzt wird gibt's irgendwann Gegenpone die sich da rausziehen und von der finde ich total plausibel dass es auch hier gegeben wird.
00:23:10: nochmals ich glaub' nicht so wie ich es derzeit sehe keine Massen-Bewegungen werden, sondern alternative Nischen die total wertvoll sind glaube ich.
00:23:18: Die auch Wertvoll sind um die Diskussion und die Debatten am Laufen zu halten und vielleicht auf ERP-Ebene die Diskussionen zu pushen.
00:23:26: So wie früher die Haushalte die keinen Fernseher gehabt haben?
00:23:29: Genau!
00:23:30: Zum Beispiel oder aus eigener Erfahrung die Haushalta die kein Privatfernsehen hatten sondern öffentlich rechtlich ist und nicht dann zu Freunden gehen musste um RTL zu schauen.
00:23:38: Nein und klar das ist ein gewisses Auflehen.
00:23:40: vielleicht auch und natürlich haben wir mittlerweile Elterngeneration wo die Eltern sich den sozialen Medien sehr hingeben und am Abendbrotstischen, am Frühstückstis.
00:23:48: Und wann auch immer ihr Telefon nutzen und soziale Medien nutzen.
00:23:53: Das kann wie das schon immer war zu Gegenbewegungen führen eigentlich von den Kindern.
00:23:57: aber nochmals dass es Massenbewegung wären sehe ich eher nicht und dazu sind die Plattform natürlich auch zu ausdifferenziert.
00:24:04: Die alten Eltern nutzen Facebook, die jüngeren Eltern nutzen Instagram und die Kids nutzen halt Snapchat oder sind auf Twitch unterwegs oder wie auch immer, wo sie ihren Eltern nie begegnen
00:24:13: würden.
00:24:14: Wie wir schon besprochen haben laufen auf EU-Ebene Verfahren gegen mehrere große Social Media Plattformen aufgrund ihres süchtig machenden Designs.
00:24:22: Glauben Sie das soziale Medien durch den Digital Services Act in ein paar Jahren ganz anders aussehen könnten als bisher?
00:24:30: Ich weiß nicht ob es sich ganz anders aussieht aber ich glaube schon dass der Digital Services act Einfluss haben kann auf bestimmte Design Features in dem Plattform.
00:24:39: und wenn tatsächlich die EU sich ein Stück weit durchsetzt und die Belege für dieses Addictive Design aufzeigen kann, wenn wir aber auch nicht meine der Meta-Vergleich in den USA hat ähnliches hervorgebracht.
00:24:53: Das ist schade dass das Verfahren nicht zum Ende gekommen ist weil es am Ende ein Vergleich geblieben ist.
00:24:56: Aber trotzdem musste Meta einwillig bestimmte Designfeatures der Plattform zu ändern.
00:25:02: Das wird schon Auswirkungen haben denke ich kann nochmals gehen von Änderungen der Erfehlungsalgorithmen.
00:25:10: Also auf Basis welcher Algorithmen bekomme ich eigentlich den Content zugespielt?
00:25:15: über das Einsetzen von Grundeinstellung, die Forts und die gewisse Schutzmechanismen mit sich bringen.
00:25:21: Altes Verikation für bestimmte Features, über die man nachdenken kann an der UI auch arbeitet wie man das implementieren kann Und was der DSA aber auch ermöglicht und das ist für uns Forscherinnen durchaus interessant, ist Zugang zu Daten und mehr Transparenz.
00:25:35: Also wir wissen oft nicht, was machen die Plattformen eigentlich?
00:25:38: Wie sehen die Algorithmen aus und welche Risiken entstehen daraus?
00:25:41: und wie groß sind diese Risiken, welche Folgen stehen daraus?
00:25:44: Weil es furchtbar schwierig ist dieser Plattform zu erforschen.
00:25:46: tatsächlich und da ist der DSE durchaus hilfreich uns potenziell viel besseren Zugang Daten zu ermöglichen, um Belege für addictive Design Features vorlegen zu können zum Beispiel.
00:25:58: Und das wird wichtig sein.
00:25:59: derzeit gehen die Diskussion oft ein bisschen ins Blaue und wir vermuten oder wir nehmen an aber wir können nicht beweisen.
00:26:07: und mehr Transparenz mehr Zugang zu Daten macht diese Risikoprüfung tatsächlich deutlich einfacher und wirksamer wahrscheinlich auch für die politische Debatte die da folgen könnte von der ja der DSA tatsächlichen beispielhaftes regulatorisches projekte um zu versuchen die situationen zu verbessern.
00:26:27: viel wieder auch über den algoritmus geredet.
00:26:29: sie macht so ein ominöses wort.
00:26:31: wenige wissen wahrscheinlich wirklich was da gemeint ist wie das funktioniert.
00:26:35: wir würden in social media ohne algorithmus das geht ja wahrscheinlich gar nicht aber ohne diesen süchtig machenden algorithmus aussehen.
00:26:43: also man könnte dann irgendwie auch sagen wird es dann komplett langweilig bis ich dann nur mit die sachen in einer wie ganz früher in einer Timeline, wo der letzte der Geburtstag da ganz oben ist.
00:26:53: Wie kann man sich das vorstellen?
00:26:55: Total gute Frage.
00:26:56: und tatsächlich ganz unalgorithmus geht es nicht.
00:26:58: also irgendwie muss es irgendeine Vorgabe geben in welcher Reihenfolge und mit welcher Logik mir Inhalte bereitgestellt werden.
00:27:06: und dass hat auch diese australische Debatte zum Abschalten des Algorithmes.
00:27:10: kein abschaltenes Algorithmus Es ist ein veränderndes Algorithmus hin auf Einstellungen, die halt viel mehr auf mein persönliches soziales Netzwerk bauen als auf meine Entscheidung vielleicht.
00:27:22: Wie das aussehen würde?
00:27:22: ja!
00:27:23: Da gibt es unterschiedliche Möglichkeiten.
00:27:24: Eine langweilige zeitliche Abfolge dessen, was haben meine Freunde als Letztes gepostet?
00:27:30: Wäre durchaus denkbar.
00:27:32: aber auch das kann man natürlich unendlich weiterwiegen mit anderen wie viele haben das zu welchem Zeitpunkt geposted?
00:27:38: welche Reaktion hat das hervorgerufen?
00:27:39: also da gibt's durchaus auch Möglichkeiten dass wahrscheinlich spannender zu gestalten.
00:27:43: aber ich bin keine Informatiker ich erstelle keine Algorithmen.
00:27:46: Ich gehe davon aus dass die Plattformen clever genug sind Und das ist jetzt positiv oder auch negativ zu sehen, aber Plattformen clever genug sind.
00:27:53: Selbst wenn sie Vorgaben bekommen wie sie ihre Algorithmen zugestalten haben.
00:27:57: Das so zu tun dass Sie Ihre Gewinninteressen möglichst weiter maximieren
00:28:01: können.
00:28:02: Wenn man aktuell in den meist genutzten Social Media-Plattformen unterwegs ist dann sieht man da vor allem sehr schnelle Inhalte wie kurze Videos oder zeitlich begrenzten Content.
00:28:15: Wie lange kann die digitale Welt weiterhin immer schneller und schneller werden?
00:28:20: Ja, das ist auch eine schöne Frage, die Sie jemandem stellen, der mit Musikstücken groß geworden ist, die es noch fünf Minuten gedauert haben.
00:28:26: Und die mittlerweile noch anderthalb Minuten dauern.
00:28:29: Das hat natürlich alles mit der Aufmerksamkeitsökonomie zu tun.
00:28:33: Wir Menschen haben zeitlich begrenztes Kontingent was wir einsetzen können oder wollen für die Nutzung von sozialen Medien Und die Plattformen konkurrieren um diese Zeit.
00:28:43: Wir haben ehrenzeitig begrenztes Kontingent, also wir entscheiden uns erst mal Plattform zu nutzen und dann entscheiden wir uns welche Plattform nutzen wir?
00:28:51: und dann entscheiden es hier vielleicht das falsche Wort und dann bekommen wir innerhalb dieser Plattform unterschiedliche Inhalte aufgespielt.
00:28:57: Da ist die Strategie nach wie vor immer gewesen... Je kürzer, je schneller, je emotionaler, je aufwühlender.
00:29:04: Das so besser funktioniert das alles ja?
00:29:05: Dass so besser kriegen wir möglichst viele unterschiedliche Inhalte in die Menschen rein und können für möglichst viele Interaktionen mit unterschiedlichen Inhalten sorgen usw.
00:29:15: Das wird irgendwann Ende haben.
00:29:16: diese Kompressionen wird nicht immer weitergehen können.
00:29:19: Ja ich weiß nicht ob es vielleicht noch ein bisschen weiter funktionieren kann.
00:29:22: Es ist natürlich auch man gewöhnt Menschen daran Für meine Kids fünf Minuten Song echt lang auszuhalten, während das für mich noch geht.
00:29:31: Ich glaube diese Kompressionsmöglichkeiten haben natürliches Ende irgendwann.
00:29:35: Ich glaub nicht dass es unbedingt schon erreicht ist aber das wird nicht ewig so weitergehen können.
00:29:39: Gleichzeitig sehen wir auch Gegenbewegungen oder?
00:29:41: Ich meine ich sitze hier in einem Podcaststudio wo wir uns etwas länger als anderthalb Minuten unterhalten dürfen und das neben auch Menschen war und das interessiert Menschen vielleicht.
00:29:51: also es gibt durchaus auch die Idee es gibt Longform Journalism Es gibt diese ganzen Booktalk-Bewegungen, wo Jugendliche sich wieder mit Büchern auseinandersetzen und diese hoffentlich auch lesen.
00:30:03: Also es gibt durchaus auch Gegenbewegung gegen dieses ganz schnelle, ganz komprimierte was zumindest eine interessante Beobachtung ist und vielleicht auch zeigt dass wir da in die Grenzen gekommen sind oder langsam
00:30:12: kommen.
00:30:13: Wenn man sich so die Geschichte des Internets auch anschaut oder vor allem auf das World Wide Webster Man fällt so auf, dass eigentlich diese ganze Technologie immer sehr demokratisch angesehen wurde.
00:30:23: Also da war ja am Anfang auch ein bisschen aus der Wissenschaft gekommen des Projektes teilweise so anarchisch angehaucht aber zumindest auch sehr basisdemokratisch.
00:30:32: und inzwischen kommt dann so vor als wäre das Internet nur mehr Social Media was genau das Gegenteil ist von der ursprünglichen Idee des Webs nämlich dass alles zentralisiert und von wenigen Konzernen Beherrscht wird, aber selbst das war ja mal anders als wenn man sich noch erinnert an den sogenannten Arabischen Frühling und so.
00:30:49: Da wurden auch große Hoffnungen in die sozialen Medien gesetzt um sich gegen repressive Regime aufzulehnen.
00:30:55: Was ist denn daraus geworden?
00:30:56: Und wo ist da Social Media vielleicht falsch abgebogen?
00:30:59: und wie kommt man vielleicht wieder zurück zu dieser demokratischen Funktion, die Social Media eigentlich haben könnte?
00:31:05: Wo ist Social Media falsch abgewogen ist eine tolle Frage.
00:31:07: Also in der Tat, wir kommen aus einer Zeit zu den Anfängen des Internets aber auch an Fängen von Social Media.
00:31:12: Dass es als radikal demokratisierend gesehen wird oder dass wir Zugang zur Öffentlichkeit für unterschiedlichste Player wird, wird erleichtert.
00:31:20: Alle können auf einmal einen Debatten teilnehmen ohne Einschränkungen und Begrenzungen.
00:31:25: Maginalisierte Stimmen können sich Öffentlichkeits suchen und diese finden und können laut werden.
00:31:30: Wir haben keine Partizipationskosten.
00:31:32: also das ist wirklich total einfach diese Öffentlichkeiten zu generieren.
00:31:36: Und das war wirklich alles Teil dieser hoffnungsvollen Story eigentlich, die wir zur Anfänge des Internets auch in der Forschung gesehen haben.
00:31:44: Ob es jemals wirklich so war bin ich mir nicht ganz sicher ob's wirklich so niederschwellig war oder wirklich so einfach war für alle teilzunehmen aber theoretisch die Möglichkeiten waren sicherlich da.
00:31:55: Diese Freiheit heißt aber nicht gleich Sichtbarkeit und das gilt vorbei ist für das Internet aber auch für diese Zahlen Medien.
00:32:01: Dadurch, dass ich so unendliche Massen an Informationen habe, muss ich dafür sorgen, dass meine heraussticht.
00:32:08: Dass meine wahrgenommen und gesehen und gelesen wird.
00:32:12: Und das war sicherlich dann ganz schnell einschränkend auch für diese demokratischen Bewegungen.
00:32:17: Was wir sehen ist eigentlich aus den alten Gatekeepers – ich spreche am Standard mit Journalistinnen aus den alten Gatekeeper-Neue-Gatekeepervorgangen sind.
00:32:26: Also früher waren es klassischer Weidjournalistinnen, die dafür gesorgt haben wer kann wie an öffentlichen Debatten teilnehmen.
00:32:33: heutzutage sind es ein Stück weit die Plattformen, die Algorithmen designen auf eine bestimmte Art und Weise der für Sorge dass manche Stimmen sehr stark und sichtbar werden und andere Stimmen weiter marginalisiert bleiben.
00:32:46: Das heißt, wir haben da eigentlich die alten Gatekeeper mit neuen Gatekeepers ersetzt.
00:32:50: Wo das Problem ist dass die neuen Gatekeeper viel weniger demokratischer Kontroll unterlegt sind.
00:32:54: ja der Journalismus hat noch erst mal einen gewissen eigenen Qualitätsanspruch ist aber auch in demokratischen Systemen zumindest bestimmten Kontrollinstanzen unterworfen während die globalen Plattformen eigentlich machen können was sie wollen.
00:33:07: bis vor kurzem zumindest wo diese Regelungsbeschreibung etwas größer wurden und das ist demokratisch schwierig geworden.
00:33:12: Wir wissen einfach nicht was Sie tun Wie bewusst ein Ex-Algorithmus rechte Inhalte pusht oder nicht?
00:33:19: Und bei der ja
00:33:19: öffentlich ist, glaube ich.
00:33:20: Genau!
00:33:21: Der ist ein bisschen öffentlicher und leichter zu untersuchen.
00:33:23: zumindest Wir wissen bei TikTok überhaupt nichts was marginalisiert wird und auf welchen Logiken das beruht.
00:33:29: Diese Gatekeepers sind einfach schwieriger zu kontrollieren und Transparenz überwachen.
00:33:34: auch ihre Interessen sind weniger durchsichtig als es vielleicht der Fall sein sollte.
00:33:40: demokratische soziale Medien.
00:33:41: Für eine Situation, wo wir von sozialen Medien als demokratische Instanzen ausgehen könnten bräuchte es eine gesicherte pluralistische Sichtbarkeit.
00:33:50: also es müsste gesichert sein von Algorithmen und von Designlogiken dass Menschen mit unterschiedlichsten Stimmen und mit unterschiedlichen Meinungen auf zumindest regelmäßig in Berührung kommen.
00:34:02: das wäre wahrscheinlich für die Plattform gar nicht so schwierig durchzusetzen aber Das wäre sicherlich eine Grundvoraussetzung.
00:34:08: Es müsste nachvollziehbar Regeln geben, wie funktioniert das eigentlich?
00:34:10: Auf Basis welcher Entscheidung wird dieser Algorithmus designt?
00:34:14: und das widerspricht natürlich der Gewinnmaximierungsidee.
00:34:16: ja eigentlich diese Plattform treiben über Designinformationen im öffentlichen Interesse nachdenken.
00:34:24: also das ist glaube ich so grundlegend dass wie man das ganze diskutieren könnte.
00:34:28: Also welche Designfeatures würden dazu führen dass ein öffentliches Interesse gepusht wird und vertreten wird und nicht das ökonomische Interesse der Plattform.
00:34:37: Idealerweise, wie können diese beiden zusammengehen?
00:34:40: Weil dann gäbe es vielleicht eine realistischere Möglichkeit, dass sie auch umgesetzt werden.
00:34:44: Das wären total spannende Diskussionen die man führen müsste.
00:34:47: Und das würde wahrscheinlich dazu führen, dass man irgendwie darüber nachdenkt, dass Design weniger auf Engagement herausläuft als auf demokratische Partipationen, auf bessere Informiertheit usw.
00:34:58: Ich... Ich bin nicht besonders optimistisch, dass das in naher Zukunft gelingen wird.
00:35:03: Also ich glaube wir können froh sein wenn wir Regulierungsmechanismen so durchsetzen können, dass sie tatsächlich eine gewisse Schutzfunktion ausüben.
00:35:10: und dann gibt es immer wieder diese Debatten über.
00:35:13: braucht ist ein europäische soziale Medienplattform die demokratisch gebaut ist und die dieses Potenzial erfüllen kann.
00:35:20: aber die Diskussion gibt's auch schon eine Weile Und da hat sich relativ wenig getan.
00:35:25: Es gibt ganz viele tolle Projekte, ich will gar nicht sagen dass es die gibt, es gibt ganz viel tolle Projecte, die in die Richtung gehen durch euch aus österreichische Projekten, die versuchen da was zu machen.
00:35:34: aber wir sehen nicht und haben in den letzten Jahren nicht gesehen das sie sich irgendwie massiv durchsetzen würden.
00:35:41: von der bin ich dann ein bisschen pessimistisch was das angeht.
00:35:44: Aber lass mich gerne überraschen!
00:35:47: Sie haben es gerade schon kurz erwähnt Demokratische Gesellschaften sind auch informierte Gesellschaften.
00:35:53: Aber Desinformationen und Verschwörungstheorien erreichen in den sozialen Medien mehr Personen als je zuvor, ist unsere Gesellschaft durch soziale Medieninformierter geworden oder sieht man eigentlich dass das Gegenteil passiert?
00:36:07: Ja wir kommen im Prinzip wieder auf das hinaus was ich gerade sagt.
00:36:10: es gibt unendlich viele Informationen d.h.
00:36:12: das Potenzial sich zu informieren ist riesig.
00:36:16: aber Information ist nicht gleich Wissen und Informiertheit Und ich müsste bewusst auswählen, um mich informieren zu wollen.
00:36:24: Das ist nicht einfach!
00:36:27: Also wir haben Auswahlproblemen.
00:36:28: die Algorithmen geben was vor.
00:36:30: Ich kann zwar aktiv entscheiden aber tour das vielleicht weniger bewusst als ich das sollte.
00:36:34: Es gibt sowas wie eine Informationsüberlastung.
00:36:36: ich bekomme so viel dass ich gar nicht mehr verarbeiten kann und vielleicht auch gar nicht meer verarbeiten will und mich vor allen Dingen mit Sachen die vielleicht nicht mal Meinungsbild entsprechen oder die neu sind oder so auseinandersetzen will das versuche dann vielleicht eher zu vermeiden.
00:36:49: Und in der Tat, im Bezug auf Desinformationen die Qualität von Informationen ist oft schwer einschätzbar.
00:36:55: Ist das tatsächlich fackenbasiert?
00:36:57: Ist das Reine des Informationen erfunden?
00:37:00: und das spielt natürlich mit dem Schnellen zusammen.
00:37:02: also je schneller die Informationen kommen und je schneller ich dann aber auch weiter gehe und weiter scroller und so weiter und sofort desto schwieriger wird es eigentlich nochmal bewusst zu verarbeiten.
00:37:11: was habe ich da eigentlich gesehen?
00:37:13: Ich glaube dass wir schon sowas wie eine Informations Krise-Potenziell haben und da kommen wir eventuell wieder auf Medienbildung zu sprechen.
00:37:26: Also das kann dann einer der Mechanismen sein, die dazu führen dass ich zumindest bewusster mit der Art von Informationen umgehe, die ich bekomme.
00:37:34: aber es wird natürlich auch alles nicht einfacher.
00:37:35: Wir haben das gleiche Problem bei den KI Chat Bots wo ... mit meiner Unterhaltung mit ChatGPT einschätzen können muss, ist das jetzt kompletter Blödsinn oder nicht?
00:37:44: Wie muss ich das bewerten?
00:37:45: Gibt es eine Quellenlage dazu?
00:37:46: Kann ich das mit anderen Sachen vergleichen?
00:37:47: und so weiter und sofort.
00:37:49: Und es bedeutet immer Arbeit!
00:37:50: Die Frage ist sind wir als BürgerInnen... ...und in welchen Situationen sind wir bereit diese Arbeit zu investieren?
00:37:57: Mit welcher Motivation nutze sich diese Plattform?
00:37:59: Wenn's ein reines Berieseln isst- Ich weiß Menschen machen das stundenlang aber wenns'n reines berieselndes dann habe ich gar keine Motivations mich zu informieren und Wissen zu generieren.
00:38:09: Und das ist sicherlich schwierig!
00:38:12: Das war sehr interessante Einschätzung, vielen Dank im Baumgarten für dieses Gespräch.
00:38:16: Herzlichen Dank, sehr spannend.
00:38:17: Danke
00:38:17: für die Fragen.
00:38:18: Und danke euch liebe Zuhörerinnen und Zuhöhrer fürs dabei sammelt Edition Zukunft diese Woche.
00:38:23: Wenn euch der Podcast gefällt dann abonniert uns doch auf Apple-Podcasts Spotify oder wo auch immer ihr uns hört.
00:38:29: Wir freuen uns über Feedback an podcast atderstandard.at und ganz besonders freuen wir uns Wenn ihr uns abonniert, zum Beispiel mit einem Standard Smart Abo.
00:38:37: Mehr dazu auf abo.desstandard.at.
00:38:40: Die nächste Folge Edition Zukunft erscheint in zwei Wochen.
00:38:44: Ciao bis zum nächsten Mal!