Der STANDARD-Podcast über das Leben und die Welt von morgen
00:00:06: Ihr hört Edition Zukunft in Standard-Podcast über das Leben und die Welt von morgen.
00:00:11: Ich bin Lisa Breit.
00:00:32: Wir sprechen heute über das Thema Kindheit im Zeiten des Klimawandels, darüber wie Eltern ihre Kinder gut begleiten können und wie sie mit ihnen über die Klimakrise sprechen können.
00:00:44: Zu Gast ist bei mir Veronica Rivera.
00:00:46: Sie ist Naturschutzökologin und selbst Mama von drei Kindern.
00:00:50: Von ihr ist vor kurzem das Buch Kindheit am Kipppunkt im Klausverlag erschienen.
00:00:55: Herzlich willkommen!
00:00:56: Ich freue mich, dass Sie heute da sind.
00:00:58: Vielen Dank für die Einladung, ich freu mich auch.
00:01:00: Sie haben ein Buch über Kindheit im Klimawandel geschrieben.
00:01:03: also es geht darin unter anderem darum wie Familien zu Zeiten des Klimawandels gut leben können und was Eltern ihren Kindern mitgeben können für die Zukunft.
00:01:13: und jetzt hätte ich gerne als erstes gewusst in meiner Kindheit in den neunzehnneunziger Jahren war der Klimawandal noch nicht so omnipräsent wie heute.
00:01:23: Wie ist das denn?
00:01:24: Bekommen Kinder all das mit, also ist Kindheit vielleicht auch nicht mehr so unbeschwert wie früher.
00:01:29: Ja, das ist eine gute Frage!
00:01:31: Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht.
00:01:33: Also ich war zum Beispiel in der Grundschule dann in der Umwelt AG.
00:01:36: Wir haben viel über Recycling gelernt und so Und in den Greenpeace-Heften gab es mal Themen über schmelzenden Lebensraum der Eisbären Aber mir war ganz lange nicht klar dass wie in einer starken Erderwärmung leben und fossile Brennstoffe so das Hauptproblem sind.
00:01:53: Man möchte meinen, dass es heute anders ist aber ich hatte für mein Buch auch eine Studie gelesen aus dem Jahr zwanzig vierundzwanzig.
00:02:02: da wurde gesehen, dass von zehn bis elfjährigen nur siebenundfünfzig Prozent schon einmal was von der Klimakrise gehört haben und von den achtzehn bis neunzehnjährigen zwar eighty vier Prozent das Wort kennen aber kaum etwas über die Folgen und Ursachen wissen.
00:02:17: Ich glaube, also ich kann das vielleicht aus meiner Bubble heraus gar nicht so genau beurteilen wie sehr Kinder das klar ist.
00:02:25: Aber ich sehe dass das Thema ja auch bei vielen Erwachsenen überhaupt nicht so präsent ist wie es eigentlich Präsenz sein sollte.
00:02:33: Also wir hatten jetzt die krasse Hitzewelle im Juni und die ARD hat zum Beispiel täglich über die Hitze berichtet aber hat erst am siebten Tag Die Hitze als Folge der Klimakrise eingeordnet in der Tagesschau.
00:02:47: Das finde ich sehr erschreckend und das zeigt auch, dass das Buch was ich geschrieben habe, was jetzt im Frühjahr erschien.
00:02:54: Das heißt Kindheit am Kipppunkt!
00:02:56: Dass das doch noch seine Daseinsberechtigung hat sage ich mal.
00:03:01: Ich hab es so geschrieben wie ich es selbst als Mutter gerne lesen wollte und darauf geachtet, dass er nicht lähmen soll sondern zum Denken fühlen und handeln ermutigt sich selbst auch stark fühlt, mit den Kindern eben darüber zu sprechen und sie an die Hand zu nehmen.
00:03:18: Genau zu dir möchte ich später noch zurückkommen.
00:03:21: Zunächst – also Sie haben vorher schon von der Hitzewelle gesprochen, die hinter uns liegt – die Temperaturen im Juni waren ja in Westeuropa unvergleichlich, also die Höchsten, die jemals gemessen wurden.
00:03:33: Jetzt habe ich sehr stark beobachtet auch bei meinen eigenen Kindern.
00:03:37: Der Große hat öfter geklagt, mir ist so heiß Mama und der Kleine, der noch ein Baby ist, hat nichts schlecht geschlafen.
00:03:44: Und jetzt hatte ich das Gefühl, mich macht es selbst unglaublich ohnmächtig oder ich fand es sehr schwer auszuhalten als Mama meine Kinder vor den Folgen dieser Klimakrise nicht schützen zu können.
00:04:00: Kennen Sie das Gefühl?
00:04:02: Ja, das kenne ich sehr gut.
00:04:04: Ich finde als Mutter steht man dem so hilflos gegenüber weil wir uns ja doch sehr bemühen dass die Kinder sicher und geborgen aufwachsen.
00:04:13: Wir machen uns Gedanken über den Zucker im Quetschie und können aber das Ausmaß der Emissionen nicht senken Und haben irgendwie keine Grenzen für die Wirtschaftssysteme.
00:04:24: Das ist so wichtig, dass wir es auch so benennen Wir viel zu wenig darüber sprechen, dass die Klimakrise eine wirklich akute Gesundheitskrise ist und sehr gefährlich für die Kinder.
00:04:37: Also diese Gefahren wie hitzebedingte Krankheiten, Todesfälle das vielen sauberer Luft oder auch so.
00:04:45: Dinge wie Allergien treten häufiger auf.
00:04:48: es gibt mehr Übertragungen durch Zecken oder gefährliche Mücken das Dengelfieber usw.
00:04:54: Das sind ja alles Gefahren die durch die Klimakrise vermehrt werden und darüber müssen wir sprechen.
00:05:01: Wir haben eine ökologische Gewalt, könnte man sagen, eine Kindeswohlgefährdung für die wir überhaupt kein Schutzsystem haben.
00:05:11: Und es kam jetzt erst vor ein paar Wochen der UNICEF-Report raus dass die Hälfte aller Kinder weltweit extrem gefährdet sind durch die klimakatastrophe.
00:05:20: das darf einen durchaus unmächtig machen finde ich als Mutter und Vater.
00:05:25: Das ist schon eine enorme Zahl, ja.
00:05:27: Sie selbst sind ja auch Mama von drei Kindern und ich fahre in ihrem Buch sehr eindringlich dieser Stelle wo sie selber von ihren persönlichen Kipppunkts beschreiben also wann es begonnen hat dass sie zum ersten mal so richtig Angst verspürt haben was die Klimakrise angeht.
00:05:43: vielleicht wollen sie das nochmal kurz für den Podcast erzählen?
00:05:47: Ja gerne!
00:05:48: Das war im Jahr Nur ein Kind zu dem Zeitpunkt, meine Tochter.
00:05:53: Die war da glaube ich so zwei vielleicht und ich hatte irgendwie natürlich vorher schon gewusst dass es die Klimakrise gibt.
00:06:02: Ich habe ja selbst Naturschutz studiert und Landschaftsplanung und wusste um gewisse Probleme.
00:06:07: Aber das war so einen Moment.
00:06:09: Da hab' ich ein Buch gelesen von Maya Lunde.
00:06:12: Das ist die Geschichte des Wassers heißt das Und sie beschreibt so ein dystopisches Szenario im Jahr.
00:06:40: Das war die Region, in der wir wohnten.
00:06:42: Und das war plötzlich so als würde sie über unsere unmittelbare Zukunftsaussichten schreiben.
00:06:50: und diese Überlagerung von Dystopie mit meinem eigenen Leben und diesen Aussichten, das hat mich emotional so richtig ergriffen.
00:07:02: Und ich glaube dadurch war mir das Ausmaß dann plötzlich ganz anders bewusst als wenn es immer nur theoretische Zahlen oder Modelle sind sondern es war so plötzlich so Gott!
00:07:13: Das hat was mit meinem Leben zu tun, mit dem Leben meines Kindes Und das war erst mal ziemlich belastend.
00:07:22: Meinen Sie denn, dass Eltern die Bedrohung durch den Klimawandel stärker spüren?
00:07:27: Man fängt ja dann doch irgendwie an über das eigene Leben hinaus zu denken.
00:07:32: Ja, Studien zeigen es auch, dass Eltern oft größere Ängste haben als Menschen ohne Kinder, weil sie nicht mehr so drauf hoffen, dass sich irgendwann was ändert.
00:07:42: Sondern eben diese Dringlichkeit vielleicht unmittelbarer spüren und sich ja doch fragen, okay?
00:07:48: Was macht mein Kind wenn es irgendwie zehn ist und was wenn es zwanzig ist?
00:07:51: und so also die Zukunft hat?
00:07:54: mehr Gesicht vielleicht.
00:07:56: ich weiß aber auch durch Gespräche, die ich für meinen Buch geführt habe das oft so ist, dass ein Elternteil diese Bedrohung viel deutlicher spürt als der andere Und dass da so eine unterschiedliche Schärfe in der Dimension wahrgenommen wird, die wahnsinnig belastend sein kann für die Partnerschaft.
00:08:15: Weil wenn die Konsequenzen der Klimakatastrophe ins eigene Leben so unterschiedlich eingeordnet werden dann kommt man da kaum auf einen Kompromiss.
00:08:24: also das ist ja kein Streit darüber wer den Müll rausbringt sondern es ist ein existenzielles Thema und das finde ich sehr spannend Und natürlich auch schwierig, dann da auf eine Ebene wiederzufinden.
00:08:41: Was tut man denn als Paar?
00:08:42: Weil gerade als Eltern sollte man ja so weit es geht in einem Team spielen und ähnliche Werte teilen – was macht man dann?
00:08:52: Ja ich glaube wichtig ist ganz viel darüber zu sprechen aber nicht durch Vorwürfe oder Schuldzuweisungen Veränderungen erzwingen zu wollen sondern eher die eigenen Sorgen und Ängste teilen.
00:09:05: Was macht das mit mir?
00:09:06: Welche Gedanken mache ich, welche Ängste habe
00:09:09: ich?".
00:09:09: Und da muss ich natürlich auch erst mal näher hinschauen und diese Emotion zulassen damit ich sie dann mit meinem Partner, meiner Partnerin teilen kann.
00:09:18: Ich glaube alle Menschen brauchen das Gefühl mit ihren Sorgen gehört zu werden vor allem eben in der eigenen Familie und deswegen ist Kommunikation ganz wichtig.
00:09:29: Sie haben jetzt vorher schon eigene Sorgen und Ängsten beschrieben.
00:09:33: Wie kommt man denn damit im Alter klar?
00:09:35: Also wie schaffe ich es dann über Spitz gesagt, jeden Tag Brotdosen zu schmieren während global die Temperaturen steigen und Arten aussterben
00:09:44: usw.?
00:09:45: Ja.
00:09:46: Ich glaube also manchmal bin ich ganz froh drum dass ich diese Aufgabe habe als Mutter weil sie diese Aufgaben behalten einen ja auch irgendwie beschäftigt und man hat gar nicht so viel Zeit irgendwie sich darüber Gedanken zu machen.
00:10:00: aber Angst ist etwas, was wichtig ist.
00:10:04: Weil Angst auch zu handeln führt.
00:10:06: aber zu viel Angst hemmt das Handeln an wieder.
00:10:09: also wir müssen so ein bisschen die Balance halten der Angst ruhig auch ins Auge blicken und durchdenken vor was wir wirklich konkret Angst haben weil dadurch wird die angst auch schon ein bisschen beherrschbarer und beherrscht nicht mehr uns selbst.
00:10:24: Und dann ist glaube ich das Wichtigste zu handelen weil durchhandeln kommt die Hoffnung Wer aktiv wird, und damit meine ich jetzt nicht dass man noch ein to do mehr sich aufhalst sondern das man eher in den Bereichen in denen man sowieso schon aktiv ist.
00:10:42: Zum Beispiel im Elternbeirat oder irgendwelchen Gruppen im Sportverein oder so was da überlegt.
00:10:48: ok wo könnte man klimafreundlichere Feste organisieren oder Materialien benutzen In der Gemeinde?
00:10:57: irgendwie gibt es einen Hitzeschutzplan.
00:10:59: Wie ist die Gemeinde vorbereitet?
00:11:00: Und wenn man dann etwas initiiert oder sich einbringt in dem Bereich, in dem man eh schon aktiv ist, hat man direkt sehr viel Selbstwirksamkeit, die dann geangst auch ein guter Gegenspieler ist.
00:11:14: Also das heißt da geht's eher um größere Aktionen und nicht um das konsequente Licht ausschalten oder das Müllsammeln im Park mit den Kindern.
00:11:22: Ich glaube so was wie Licht ausschalten, Müllsammeln das sind gute Anfänge.
00:11:27: Aber wenn man dann an dem Punkt ist dass man wirklich so existenzielle Ängste hat braucht es mehr Handlungen um sich selbst wirksam zu fühlen.
00:11:36: und da kann man dann einfach überlegen okay wo habe ich noch irgendwie Ressourcen?
00:11:41: Das ist ja als Eltern leider immer schwierig.
00:11:43: Was würde mir gut tun damit ich aus diesem Tief vielleicht selbst wieder raus finde?
00:11:50: Ich glaube, handeln ist gut.
00:11:52: Doomscrolling nachts ist schlecht.
00:11:55: Also nicht am Handy hängen und sich immer weiter schlechte Nachrichten durchlesen?
00:11:59: Ja
00:12:00: das bringt halt leider auch gar nichts.
00:12:03: Vielleicht können Sie da noch ein Beispiel, dass sie genannt haben zum Aktivverden noch ein bisschen weiter ausführen.
00:12:10: also was kann ich zb in der Schule oder im Kindergarten umsetzen?
00:12:15: Ernährung macht ja einen ganz großen Punkt aus bei den Emissionen und wenn der Kindergarten oder die Schule noch kein vegetarisches Mittagessen hat, könnte man da zum Beispiel ansetzen.
00:12:27: Dass man aufklärt, Alternativen aufzeigt erst mal mit den anderen Eltern und dann auch mit dem Verantwortlichen spricht es ist halt immer eine Gratwanderung weil niemand will sich sagen lassen irgendwie was man zu tun hat.
00:12:42: so Ich kann mir vorstellen, dass es nicht so einfach ist das dann umzusetzen.
00:12:49: Aber ich glaube, das wäre so ein Punkt wo man sich gut mit anderen Eltern zusammenschließen kann und dann wirklich auch etwas verändert.
00:12:57: Und ab wann sollte man denn beginnen mit Kindern über den Klimawandel zu sprechen?
00:13:02: Wenn Sie beginnen Fragen zu stellen...
00:13:05: Ich glaube, man kann schon sehr viel früher damit beginnen aber nicht unbedingt durch Kommunikation, sondern eher so eine Frage der Haltung.
00:13:14: Also wie ernähre ich mich?
00:13:16: Wie treffe ich Kaufentscheidungen?
00:13:19: Warum drehen wir den Wasserhahn ab während für die Zähne putzen?
00:13:22: und wie Sie vorhin schon gesagt haben warum schalten mir das Licht aus?
00:13:26: Das kann alles mit Erklärungen anhergehen.
00:13:28: also wenn man dem Kita-Kind erklärt warum man den Kita Weg mit dem Fahrrad nimmt oder zu Fuß statt mit dem Auto dann fügen sich all diese Infos irgendwann zu einem größeren Bild zusammen und so kann man mehr und mehr Erklärungen liefern.
00:13:43: Und so kommen dann natürlich auch mehr und Mehrfragen der Kinder über die Zusammenhänge und über das Größere Ganze.
00:13:53: Und wenn an diese Fragen kommen, wie ehrlich kann man denn sein?
00:13:56: oder anders gefragt was kann man Kindern zumuten?
00:14:00: Ja das kann man nicht so pauschal sagen.
00:14:02: ich glaube dass muss jede Mutter jeder Vater selbst erfüllen.
00:14:06: Also ich habe drei Kinder, die sind charakterlich und in ihrer Sensibilität so unterschiedlich dass ich mit denen nicht die gleichen Gespräche führe auch wenn ich sie jetzt altersmäßig quasi vergleichen würde.
00:14:18: Mein Ansatz ist immer das Kind das Gespräch führen zu lassen.
00:14:22: also wenn eine Frage kommt zum Beispiel wenn das Kind fragt warum lassen die Erwachsenen das einfach passieren?
00:14:29: Warum machen Sie die Welt kaputt?
00:14:31: dann wäre ja so eine spontane Reaktion, die Frage direkt zu beantworten und zum Beispiel zu sagen Ja das ist wirklich schlimm aber viele Menschen kümmern sich darum es besser zu machen.
00:14:42: Und die Frage G ist vielleicht erstmal beruhigend Aber sie geht auch am eigentlichen Kern vorbei.
00:14:48: Also oft steckt ja hinter so einer Frage weniger die Sachebene als eher Emotionen.
00:14:56: Wir müssen erst mal rausfinden Was will das Kind eigentlich mit dieser Frage bezwecken?
00:15:01: Will es Informationen oder braucht es Trost?
00:15:03: und deswegen plädiere ich immer dafür, dass man mit einer Gegenfrage erstmal antwortet.
00:15:08: Also zum Beispiel sagt Das macht dich richtig wütend oder das macht dich traurig richtig.
00:15:14: Und dann kann das Kind antworten ja oder nein.
00:15:18: und so tasten wir uns langsam vor und das hat zur Folge, dass wir nicht Informationen vorgreifen, für die das Kind noch gar nicht bereit ist.
00:15:28: Und das finde ich ganz wichtig, weil wir als Eltern oftmals vorschnell mit Antworten sind, die aber das Kind einfach nur überfordern.
00:15:38: Also wirklich auch so hinzuspüren was kommt vom Kind?
00:15:41: Wo steht das Kind gerade?
00:15:43: und geht es da vielleicht mehr um ein Gefühl also um die Sehnsucht nach einer Information?
00:15:48: Genau ja!
00:15:50: Was mir jetzt aufgefallen ist, auch bei dem Beispiel das Sie genannt haben.
00:15:53: Also ganz oft landet man ja wenn man versucht eine Antwort zu geben bei den Versagen von Erwachsenen.
00:15:59: Das schon irgendwie bitter oder?
00:16:02: Ja aber es ist halt auch die Wahrheit.
00:16:04: also ich glaube wichtig ist dass auch ehrlich zu benennen dass auch Erwachsene Fehler machen und dass vieles in dem System in dem wir leben einfach falsch isst.
00:16:17: Und was aber gut ist, wenn man dann überlegt, okay.
00:16:20: Was für Visionen habe ich denn?
00:16:23: Wie könnte es aussehen?
00:16:24: Was ist ein lösungsorientierte Ansatz?
00:16:26: Weil ich finde, man kann diese Gefühle immer benennen von Hoffnungslosigkeit, Trauerwut.
00:16:33: das darf da sein und das muss auch ausgehalten werden.
00:16:37: also Ich meine jetzt die Eltern müssen es aushalten Wenn das Kind auch mal traurig ist und nicht direkt irgendwie so einen Pflaster draufkleben.
00:16:44: Aber Man darf das Kind nicht in diesem Gefühl zurücklassen und deswegen ist so eine Kommunikation, die lösungsorientiert über die Zukunft nachdenkt.
00:16:54: Und wirklich auch überlegt wie soll die Welt denn aussehen?
00:16:58: Was könnten wir dann besser machen?
00:17:00: Super wichtig!
00:17:02: Also zurück nochmal kurz zur Kommunikion bevor wir noch mal in die Lösung hingehen.
00:17:07: Mein älterer Sohn ist sechs und ich würde sagen, er hat so vor zwei Jahren das erste Mal begonnen irgendwie Beobachtungen über seine Umwelt zu machen.
00:17:16: Und Fragen zu stellen.
00:17:17: und eine seiner ersten Fragen war Mama warum gibt es eigentlich so viele Autos auf unserer Erdkugel?
00:17:25: Also wir leben in der Stadt und sind einfach immer von Autos umgeben.
00:17:29: Sein Kindergartenweg geht über mehrere Straßen also sind da halt einfach in Wien viele Autas unterwegs.
00:17:35: Was antwortet man denn auf so eine Frage?
00:17:38: Ja, am besten mit so einer Türöffnerfrage.
00:17:41: Also mit dieser aktiven Rückfrage in dem man zum Beispiel sagt oh das scheint dich wirklich zu beschäftigen.
00:17:48: ich habe das Gefühl dass macht dich traurig oder nachdenklich oder wütend oder so erzähl mal ich höre dir zu und dann kann man ein bisschen rauskriegen okay was daran beschäftigt es kind?
00:18:01: und dann können auch überlegen welche Ideen hat es denn, dass vielleicht weniger Autos fahren?
00:18:08: oder also da gibt's ja super viele Aspekte über die man dann sprechen kann.
00:18:13: Alles klar.
00:18:14: und was mich jetzt auch noch interessiert hätte wie erreicht man denn Jugendliche?
00:18:19: Also ich kam hier meiner eigene Jugendzeit erinnern.
00:18:22: Man hatte ja ohnehin schon sehr viele Krisen persönliche Krisen.
00:18:26: Und Wie erreicht man den diese jungen Leute in ihrem Weltschmerz als Eltern?
00:18:33: Ja, Jugendliche sind durch das Thema Pubertät sowieso in so einer Zeit des Umbruchs und die Emotionen fahren achterbar.
00:18:41: Die Abnahebelung von den Eltern und so was ist eine wirklich herausfordernde Zeit.
00:18:47: Ich hoffe dass viele Jugendlichen nicht erst dann mit diesem Ausmaß der Klimakrise in Berührung kommen weil es natürlich in der Pubertäte nochmal anders rein greift als jetzt, wenn man mit einem jüngeren Kind darüber spricht.
00:19:05: Ich hatte für mein Buch auch ein Gespräch mit Paula Steingesser – das ist eine ganz junge Autorin – die hat ein Buch geschrieben über ihre Überforderung als dreizehnjährige und die hatte wirklich sehr große psychische Probleme durch ihre Klimaangst und das war so... also ich habe bei diesem Buch musste ich wirklich mehrmals auch weinen, weil ich mich einerseits so nah dran gefühlt habe an diesen dreizehnjährigen Mädchen Paula.
00:19:33: Dass diesen krassen Weltschmerz in sich trägt und gar keine Freude mehr fühlen kann beziehungsweise sich jede Art der Freude verbietet, weil es dem Planeten so schlecht geht.
00:19:43: Und gleichzeitig bin ich ja mittlerweile selber Mama und hab eine fast zehnjährige Tochter und trage jetzt diese Verantwortung dass ich nicht will das mein Kind sich auch so fühlt.
00:19:54: Und das war so wirklich, dass ich so dachte okay.
00:19:57: Ich muss dann auch mal irgendwie in die Recherche gehen was Jugendlichen hilft und letztendlich bin ich zu der Info gekommen, dass es Pull-und Pushfaktoren gibt, die Stabilität bringen.
00:20:11: also es gibt Pull Faktoren.
00:20:14: Also da geht's jetzt darum wie stark Jugendliche von Radikalisierung gefährdet sind ist immer dann der Fall, wenn sie sich zum Beispiel nach einfachen Lösungen suchen keine stabilen Bezugspersonen haben nicht ernst genommen werden in Sorgen und so weiter.
00:20:31: Und die Pulfaktoren also das was hält die Jugendlichen stabil sind eben Erwachsene die Verantwortung übernehmen, stabile Beziehungen, Zugehörigkeit zu unterstützen in Gruppen, Erfahrung von Selbstwirksamkeit.
00:20:45: Also es gibt schon einige Bausteine, sage ich mal für die man als Eltern auch ganz gut sorgen kann oder sie zumindest anbieten kann um den Jugendlichen ein bisschen Unterstützung zu geben.
00:20:58: und gleichzeitig was wir auf gar keinen Fall irgendwie vergessen dürfen ist das ist erwachsene Brauch die die Verantwortung Übernehmen.
00:21:07: also Ein Jugendlicher in einem Weltschmerz braucht Vorbilder und braucht Menschen, um sich herum wo er sieht die tun was sie sind aktiv.
00:21:16: Das ist die Verantwortung der Erwachsenen und nicht meine Verantwortung die Welt zu retten.
00:21:22: Und ich glaube als Eltern unterschätzen wir so ein bisschen wie groß unser positiver Einfluss sein kann wenn wir selbst aktiv sind.
00:21:32: das nimmt den Kindern Ängste und es stärkt die Jugendlichen auch in ihrem Vertrauen so ein bisschen.
00:21:39: Und dann muss man aber natürlich auch wirklich was tun.
00:21:42: Das wäre meine nächste Frage, weil viele Eltern wissen ja um den Klimawandel und um die Folgen des Klimawandels egal jetzt ob mit kleinen Kindern oder mit älteren Kindern.
00:21:52: Aber oft fehlt ihnen vielleicht die Kraft Dinge zu verändern.
00:21:57: landet man dabei, dass man auch wieder Wegwerfwindeln verwendet oder ins Auto steigt statt Innenzug.
00:22:02: Weil das einfacher ist und Kraft spart sozusagen was würden sie diesen Eltern mitgeben?
00:22:09: Also erst mal vollkommenes Verständnis dafür, dass es einfach Zeiten gibt im Leben in denen man alles gibt und trotzdem das Gefühl hat Es reicht irgendwie nie.
00:22:19: Elternschaft ist eine krasse Aufgabe Und Elternchaft an sich kommt ja schon mit ganz vielen Themen einher, bei denen man einen Unterschied machen kann.
00:22:28: Die jetzt weniger mit dem Planeten vielleicht zu tun hat oder mit Klimaschutz aber trotzdem ganz viel Unterschied machen können.
00:22:37: also ich ziele damit darauf ab wie man seine Kinder ins Leben begleitet Mit welcher Haltung man ihnen gegenüber tritt ob man eine gute Beziehung eine gute Bindung fördert.
00:22:50: Also wir kämpfen da an so vielen Fronten an Patriarchat.
00:22:54: Wir wollen Allyship sein für marginalisierte Gruppen.
00:22:57: Also es gibt so viel Themen und die alle spielen mit in die Klimakrise rein, verstärken sie oder treiben Sie an.
00:23:05: Und das ist unser großer, großer Input den wir als Eltern leisten wenn wir zu Hause demokratisch beziehungsorientiert mit unseren Kindern leben.
00:23:18: Ich finde da machen wir schon eine riesengroße Sache dürfen auch es uns schön machen.
00:23:26: Also, es ist genauso wichtig den Kindern eine geborgen schöne Kindheit zu machen gerade wenn es im Außen irgendwie gefügt an so vielen Fronten brennt.
00:23:36: also ich fand das.
00:23:38: heute habe ich die Story von Nora Imlau gelesen die schreibt unsere Familie kann eine Keimzelle des Widerstand sein ein Ort der Wärme gegen die soziale Kälte Und ich finde, sie hat so Recht.
00:23:51: Bei allem Einsatz bei aller politischen Aktivität ist auch dieses geborgene die Haltung in der Familie ein wahnsinnig wichtiger Bestandteil.
00:24:02: Noch kurz für die Zuhörerinnen und Zuhöre dies nicht wissen.
00:24:05: Nora Imlau ist in Deutschland eine sehr bekannte Beziehungsexpertin und postet auch sehr vielen sozialen Medien über Elternschaft und gibt da immer einige Impulse.
00:24:16: Jetzt hätte ich noch gern von Ihnen gewusst.
00:24:17: Was tun Sie denn, wenn Ihnen das Thema gerade so groß vorkommt?
00:24:22: Die Klimakrise, wenn sie einen Bericht lesen, der überwältigt sie und da sind aber alle drei Kinder und sie versuchen sich einen schönen Nachmittag mit ihnen zu machen.
00:24:31: was hilft Ihnen persönlich?
00:24:33: Ja, so Momente gibt es immer wieder.
00:24:36: also in dem Moment spreche ich nicht mit meinen Kindern über die Klimakriese weil ich glaube so große Emotionen müssen die nicht tragen.
00:24:46: Das ist die Verantwortung von mir als
00:24:48: Erwachsene.".
00:24:49: Ich sage dann, okay, mir geht es grad nicht so gut aber ich kümmere mich drum.
00:24:53: Mir würde jetzt helfen zum Beispiel einen Spaziergang zu machen oder eine kalte Dusche zu nehmen oder sowas.
00:24:58: das mache ich jetzt und dann ist wieder besser.
00:25:01: Und allgemein hilft es mir aber total zu wissen... ...ich hab Menschen in meinem Umfeld denen geht's genauso!
00:25:08: Die sind auch so betroffen wollen ganz viel verändern, wie ich.
00:25:15: Und ich kann nur jedem raten sich da banden zu bilden und wirklich zu gucken dass man in einer Gemeinschaft fühlt.
00:25:23: das muss keine klassische Klimakruppe sein.
00:25:25: es kann auch die Nachbarin sein die irgendwie ähnlich denkt und dann redet man drüber und trinkt einen Kaffee zusammen und dann geht's wieder.
00:25:32: also ich finde so ein bisschen dieses Teil der Belastung ist wahnsinnig wichtig.
00:25:37: aber in dem Moment sollten es nicht die Kinder sind mit denen man das teilt.
00:25:41: Also auch soziale Kontakte können da weiterhelfen, vielleicht ein bisschen das Leben im Hier und Jetzt.
00:25:49: Vielen Dank für das spannende Gespräch!
00:25:53: Das war Edition Zukunft für heute.
00:25:55: Wenn euch der Podcast gefällt dann abonniert uns
00:25:59: doch
00:25:59: gerne auf der Podcast-Plattform eurer Wahl Und wir freuen uns natürlich wie immer über eine positive Bewertung.
00:26:07: Wenn ihr Anregungen für unsere
00:26:08: Arbeit
00:26:09: habt, könnt ihr uns auch gerne ein E-Mail schreiben an www.podcastedderstandard.at.
00:26:15: Ganz besonders freuen wir uns natürlich auch wenn ihr unsere Arbeit unterstützen wollt zum Beispiel mit einem Smart-Abo.
00:26:22: Mehr dazu auf www.abo.derstandards.at.
00:26:26: Die nächste Folge von Edition Zukunft kommt dann über nächste Woche.
00:26:30: Ihr könnt natürlich wieder einschalten.
00:26:33: Ich bin Lisa Breit und produziert wurde diese Folge von Christoph Neuwirt.
00:26:37: Bis bald!