Edition Zukunft

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Der STANDARD-Podcast über das Leben und die Welt von morgen

Transkript

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00:00:06: Ihr hört Edition Zukunft, den Standard-Podcast über das Leben und die Welt von morgen.

00:00:32: Mein Name ist Benedikt Naruto Slavski – heute geht es um ein Thema, das als Zwilling der Klimakrise gilt.

00:00:39: Es geht ums Artensterben!

00:00:42: Wie geht es der Natur in Österreich?

00:00:44: Und kann man ihr helfen wenn man den eigenen Garten naturnah gestaltet?

00:00:49: Das wird mir heute mein Gast Johannes Rüdis beantworten.

00:00:53: Er ist Biodiversitätsfascher und Landschaftsökologe an der Uni Innsbruck.

00:00:57: Und sitzt im Leitungsteam des österreichischen Biodiverzitätsrates.

00:01:01: Guten Tag Herr Rüdiser!

00:01:03: Guten Tag!

00:01:04: Starten wir gleich einmal mit einer sehr großen Frage, nämlich Herr Rydiser wie geht es eigentlich Österreichs Natur?

00:01:12: Ja das ist in der Tat eine große Frage die könnte sozusagen ein ganzes eigenes Interview mehr füllen.

00:01:19: kurz Österreichs Natur steht unter Druck, so wie in ganz Europa.

00:01:23: Vielfalt-Natur geht zurück – wir nehmen immer mehr Raume weg und nützen immer mehr raume intensiv, haben einen rohen Flächenverbrauch in Österreich und drängen damit Natur und damit auch die Vielfaltung der Natur massiv zurück.

00:01:39: Und das führt natürlich dazu dass Ökosysteme kleiner werden aber durch die zurückgehende Vielfald Teilweise auch instabiler, weil die Vielfalt bietet eine Möglichkeit auf sich verändernde Umweltbedienungen zu reagieren.

00:01:55: Das bedeutet das im Zeiten von Klimawandel und in Zeiten von Veränderung.

00:02:00: Die Ökosysteme eigentlich weniger Möglichkeiten haben auf diese Veränderungen einzugehen was sich schlussendlich natürlich wieder auf unsere Lebensqualität und unsere Möglichkeiten auswirkt.

00:02:12: Und wenn Sie so historisch einmal drauf schauen ist es schlimmer geworden?

00:02:17: oder Ist das eine Konstante, dass es einfach?

00:02:20: die Natur kommt immer weiter unter Druck oder hat sie das beschleunigt?

00:02:24: Also da müssen wir jetzt unterscheiden.

00:02:26: Wenn wir sozusagen im langen historischen Zeitraum uns das anschauen dann sprechen viele Biologen sogar vom sechsten großen Massenaussterben also das fünfte große Massenaussterbe des Letztes bekannt ist.

00:02:40: Das war die zeit die gut bekannt ist durch Saustärbender Dinosaurier wo mit größter Wahrscheinlichkeit in Folge einer globalen Naturkatastrophe eines Meteoriten-Einschlages ganz viele Arten in einer relativ kurzen Periode ausgerottet worden sind, ausgestorben sind.

00:02:57: Im aktuellen im sechsten Massenausstaben.

00:03:00: das geht auf unser menschliches Handeln zurück.

00:03:02: also wir brauchen so viel Raum Wir brauchen soviel Platz, wir drängen soviele Arten so stark zurück dass wir sozusagen tatsächlich global von einem Massenaustaben sprechen können.

00:03:15: Und der große Unterschied zu früheren solchen Ausstärkereignissen sind, dass wir Menschen dafür verantwortlich sind und indem sie nicht eine Naturkatastrophe.

00:03:25: Wenn man jetzt einen kürzeren Zeitraum anschaut, dann ist natürlich so, dass während den letzten vierzig-fünfzig Jahren eine deutliche Intensivierung in der Landnutzung, in der Lernwirtschaft haben.

00:03:37: die zunehmend einfach vermehrten Druckhause übt auf Natur.

00:03:40: Also wir haben natürlich auch sehr lange Tradition eigentlich... schon über mehrere Tausende von Jahren, dass wir Naturen als Menschen nützen.

00:03:48: Aber in diesem Ausmaß mit diesem massiven Einfluss ist das eigentlich neu.

00:03:55: Jetzt reden wir über das große Artensterben.

00:03:58: Kommen wir jetzt ein bisschen etwas so ins Konstruktive?

00:04:01: Nämlich was kann der Gärtner und die Gärtnerin gegen das Artensterben machen?

00:04:08: Und da können wir gleich einmal grundsätzlich fragen – Ist eine naturnahe Garten Ist das reine Liebe zur Natur?

00:04:15: Oder spielt es auch für die Biodiversität eine Rolle.

00:04:19: Ja, das ist ja sehr gute Frage.

00:04:20: auch und vorweg ich würde da gar keinen Widerspruch sehen in aus der Linie denn Liebe zur natur bedeutet ja dass ich Möglichkeiten habe zu Naturkontakt die man naturnahen Garten gibt's Erlebnisse mit der Natur Und wir wissen eigentlich in Zwischenzeit aus verschiedensten Studien, dass Kontakt zur Natur Möglichkeiten zu Aufenthalt in und mit Natur unsere psychische und physische Gesundheit fördert.

00:04:48: Das heißt es nützt dem Einzelnen aber auch der Gesellschaft weil die Menschen gesünder sind glücklicher sind.

00:04:57: Darüber hinaus ist natürlich dass wenn man Natur nahe Gärtner hat, wenn man jetzt sozusagen die Produktion von Gemüse zum Beispiel in den Vordergrund stellt.

00:05:06: Dass auch hier sozusagen das naturnahe Wirtschaften gewisse Vorteile bringt.

00:05:12: also wenn sie Natur fördern, fördern Sie damit auch natürliche sogenannte Schellingsbekämpfer, die mir sozusagen in meiner Arbeit als Gärtnär, wenn meine Arbeit als gärtner so versteht, dass mein Lebensmittel zum Beispiel anbaut mich natürlich unterstützen.

00:05:29: Und welche Rolle spielt es jetzt wirklich für die Biodiversität?

00:05:32: Hat das eine Funktion, die man mit dem eigenen Garten irgendwie erfüllt?

00:05:38: Ja, das ist ja sehr berechtigte Frage.

00:05:40: Also vorweg!

00:05:41: Die zuvor angesprochene Biodiverisitätskrise werden wir mit Naturnahen Gärten allein ganz sicher nicht lösen.

00:05:49: Dafür braucht es viel mehr, dafür braucht es ein gesellschaftliches Umdenken und dafür braucht Es eine Kraftanstrengung über ganz viele Sektoren hinweg.

00:05:58: Aber ja, Gärten können hier einen wichtigen Beitrag leisten.

00:06:02: Es gibt in Österreich laut Statistik Austria-Nalzen Quadratkilometer Gartenfläche und wenn man das vergleicht, damit wir so ein bisschen in einer Größenordnung einordnet der kleinste Nationalpark in Österreich, der Daya-Dahl-Nationalpark die hat nur dreizehn Quadrat Kilometer.

00:06:20: also alle Gärte zusammen in Österreich bilden eigentlich schon eine Nationalpark wenn man so will was ja zum Beispiel von der Initiative vom Global-II.

00:06:30: Nationalpark Gärten aufgegriffen wurde.

00:06:34: Zusätzlich gibt es nach über einer Million Balkone, die sozusagen auch noch kleine Mosaicsteine in diesem Netzwerk von kleinen überschaubaren Naturräumen bietet?

00:06:46: Woran erkennt man denn einen Garten mit hoher Artenvielfalt oder wo das einem Beitrag leistet?

00:06:53: Weil ich meine, es gibt ja nicht nur naturnahe Gärte!

00:06:57: Ich würde sagen, dazu muss man gar kein Spezialist sein.

00:07:00: Also dafür muss man nicht Biodiversitätsforscher sein wenn sie in einem Garten verschiedene Schmetterlinge fliegen sehen und andere Insekten oder zum Beispiel verschiedene Vögel jetzt abseits von ein Futterhäuschen antreffen beim Spazieren durch den Garten vielleicht Eidechsen aufschrecken oder sogar Frösche oder Kröten vorkommen dann können sie annehmen, dass in dem Garten aus Sicht des naturnahen Gärten vieles richtig gemacht wird.

00:07:27: Also sozusagen reinschauen und wenn auf diesem Garten nix fliegt oder fast nichts fliege oder nur wenige Fliegen und Mückenfliegen dann besteht hier vielleicht noch Aufholbedarf für den Lebensraum für Gartenbewohner.

00:07:41: Wenn Sie jetzt als Experte spazieren gehen und Sie gehen so an verschiedenen Gärtern vorbei kann man von außen sehen das ist ein Garten der trinkt was Und das ist ein Garten, der bringt gar nichts.

00:07:52: Sieht man das von außen?

00:07:53: Ja, das kann man schon oft sehen.

00:07:55: also... Der klassische englische Garten verziert mit Ziersteinen bietet natürlich kaum einen Lebensraum für irgendwelche Wetterpflanzen.

00:08:06: noch Tiere.

00:08:07: da kommen vielleicht ein zwei Grasarten vor aber kaum Tiere.

00:08:10: auch Gärten wo der Meerroboter flächendeckend eingesetzt wird oder der Laubbläser ja nicht nur sehr viel Staub aufwirbelt, sondern tatsächlich auch viele Insekten unmittelbar zerstört und deren sozusagen kleine Rückzugsräume zerstören und wegbläst.

00:08:31: Gärten wo es Bestizideinsatz gibt oder auch Gärte wo einfach ganz viele exotische Pflanzen wachsen die wenig oder kein Nektarangebot, kein Frasangebot für irgendwelche Pflanzen bieten.

00:08:44: Die bieten natürlich keinen Lebensraum für heimische Pflanzen und Tiere.

00:08:48: Also so diese englischen Rasen, von denen raten sie eher ab wenn man für die Natur was machen will?

00:08:54: Ja wobei ich auch das nicht dogmatisch sehen würde.

00:08:57: also wenn ihr eine Spielfläche braucht macht es natürlich Sinn ein gewisser Teil auch als Rasen zu halten.

00:09:04: aber auch hier gibt's Ansätze diese Rasen artenreicher zu gestalten und ihr muss eben nicht die gesamte Fläche sozusagen als englische Rasen haben.

00:09:13: Gibt es einen Trick, wie man die Artenvielfalt sehr schnell erhöhen kann?

00:09:18: Also dazu gibt's ganz ausführliche und gute Informationen.

00:09:23: Hier sei Erwähnt Natura im Garten als Initiative oder die schon erwähnte Nationalparkgarteninitiative von Global Two Thousand, die ganz viele Broschüren haben was man tun kann.

00:09:35: aber wenn man die Dinge kurz zusammen fasst Wenn wir der Natur ein bisschen mehr Raum geben in unserem Garten Dann kommt sie auch zurück.

00:09:43: Das bedeutet, wir können zum Beispiel eine Wildnis-Ecke zulassen also einfach ein Eck wo wir weniger tun.

00:09:50: Wir haben schlussendlich weniger Arbeit.

00:09:51: wenn wir wieder mehr Natur im Garten wollen weil wir das Thema Rasen hatten und nur unsere Wege schneiden Und an anderen Stellen das Gras größer werden lassen länger wachsen lassen dann blühen dort vielleicht auch Blühpflanzen und es entsteht mehr Lebensraum.

00:10:09: Das heißt sie raten zur Faulheit.

00:10:11: Ich rate absolut zur Faulheut im Naturgarten und mit der Natur, nicht gegen die Natur zu arbeiten.

00:10:17: Und dann gibt es natürlich ganz viele weitere Tipps also von wenn ihr ein aneckterhaltiges Blühangebotschaff über einen möglichst breiten Zeitraum.

00:10:26: dann wird das mit Insekten, die sozusagen dort ihre Nahrung holen einfach bedankt.

00:10:30: Dann kommen die Schmetterlinge.

00:10:32: Das fängt bei den Frühblühern an wo es noch ganz wenig gibt zum Beispiel zahlweiden oder mit Krokussen und geht dann über den Sommer zum Beispiel mit all den Heil- und Gewürzkräutern, die wir ja auch selber nutzen können aber ein wunderbares Blühangebot in den Sommermonaten haben hinweg.

00:10:49: Sie sind ja ein Experte für Schmetterlinge, sie haben mir das Vielfalt der Monitoring mitgegründet und da sind ja sozusagen der Experte in Österreich.

00:11:00: Wie schafft man es dass man relativ schnell die Schmettermlinge zum Flottern bringt im eigenen Garten?

00:11:08: Und gibt's auch vielleicht irgendwelche Schmetteringe wo sie sagen wenn sie den drinnen haben dann ist er sehr toller Garten.

00:11:15: Ja, also die Schmetterlinge sind die absoluten Stars unter den Insekten würde ich sagen.

00:11:20: Ich glaube es gibt kaum eine Tiergruppe die so ungeschränkt gemocht wird wie die Schmetterlinge.

00:11:27: Also sie werden fast niemand antreten der sagt ich mag keine Schmettermlinge.

00:11:32: das war auch tatsächlich der Grund wieso ich zu den Schmetternlingen gekommen bin als Biodiversitätsforscher weil sich eben ausgezeichnet als Indikatoren zum Messen von Biodiversität eignen.

00:11:44: und deshalb machen wir auch dieses Vielfalt der Monitoring, zu dem man vielleicht später noch ein bisschen mehr sagen können.

00:11:51: Aber was Sie machen müssen wenn sie wollen dass Schmetterlinge in ihren Garten kommen?

00:11:55: Der erste und einfachste Schritt ist eben das Schaffen vom Blühangebot Die Frühblüher habe ich bereits erwähnt mit Kokos oder auch mit Lungenkraut, Saalweide, Cornellkirsche.

00:12:06: Als Strauch ist hier auch ausgezeichnet geeignet dann im Sommer verschiedene Kräuter, Dymian, Oregano, Salvaila-Wendl.

00:12:14: Oregano auswildern lassen.

00:12:16: da werden sich ganz viele Schmetterlinge einfinden die da auch neckt aus Augen.

00:12:21: allerdings nur und jetzt kommen wir zum zweiten Punkt wenn diese Schmetterlinge in der Umgebung ein Lebensraum für ihre Raupen finden.

00:12:30: Denn Schmetternlinge gibt es nur, wenn wir Raupenebensraum haben und das wäre der zweite Schritt.

00:12:35: Das ist dann der bisschen schwierigere Schritt im Garten dass sie sozusagen auch Lebensraum Schafe.

00:12:47: Und was kann ich da tun?

00:12:48: Der Klassiker sage jetzt, in den Gärten sind all die Schmetterlinge, die auf Brennnesseln fressen also die klassische Brennesläcke nicht nur im Schatten bitte auch an sonnigen Stellen einrichten dort fressend Tag-Vornauge kleiner Fuchs teilweise Distelfalter und können so sozusagen auch ihre Entwicklung im Garten machen.

00:13:10: wer Fenchel wilde Möhre Auch in Schmetterlinge zur Verfügung gestellt, also stehen lässt nicht alles erntet.

00:13:18: Hat vielleicht Glück und es siedelt sich der Schwalbenschwanz als Raubiann, die ja dann natürlich auch im Garten fliegen kann.

00:13:24: Das ist sehr besonderer weil Sie gemeint haben das ist jetzt fürs Monitoring ganz wichtig.

00:13:30: Ist tatsächlich die Zahl der Schmetternlinge dann entscheidend dass man sagt Ja das ist ein toller Garten für die Natur oder ist da nur für die Schmettermlinge wichtig?

00:13:38: Also was sagt darüber hinaus eigentlich aus?

00:13:42: Das ist auch eine ausgezeichnete Frage, weil es tatsächlich so ist wenn wir viele verschiedene Schmetterlinge beobachten.

00:13:50: Dann können wir davon ausgehen, dass es auch viele Lebensräume für andere Insekten gibt.

00:13:55: Also die Vielfalt der Schmetterlinge, die korreliert sehr gut, ist in einem guten Zusammenhang mit der Vielfaltung vieler anderer Lebewesen und insbesondere Insekte.

00:14:06: Und die Schmetternlänge stehen in dem Fall für uns auch für die große Gruppe der Bestalber.

00:14:11: Die meisten wissen das Bienen bestalten.

00:14:14: Viele wissen schon nicht, dass wir in Österreich siebenhundert verschiedene Arten von Bienen haben Und dass aber auch Schmetterlinge oder zum Beispiel Schwäbfliegen ganz wichtige Besteuber sind, das ist viel unbekannt.

00:14:27: Das bedeutet all diese verschiedenen Organismen, diese verschiedenen Tiere und diese verschiedenen Arten die sind wichtig für die Besteubung.

00:14:35: Die Schmetternlinge sind hier eben ein sehr guter Vertreter davon und geben uns Hinweise, dass es in diesem Garten Im Monitoring sozusagen Schmetterlinge beobachten auf den Wiesen, auf den Landwirtschaftsflächen gute Bedienungen auch für andere Insekten gibt.

00:14:51: Aber das bedeutet wenn ich sie vorher richtig verstanden habe dass die Schmetternlinge deswegen also ausgezeichnet sind weil jeder sie mag und weil man sie wahrscheinlich gut auseinanderhalten kann oder?

00:15:02: Also aufgrund ihrer Farben bracht.

00:15:05: ist es so.

00:15:05: der Hintergrund ihres Monitorings Vielfalt.

00:15:08: Ja

00:15:08: das ist richtig!

00:15:10: Für die Schmetterlinge gibt es ganz viele Argumente.

00:15:13: Einerseits sind sie ein Vertreter der Insekten und die Insekte sind die überhaupt artenreichste Tiergruppe, die wir haben.

00:15:19: von den ungefähr siebzig tausend Arten, die in Österreich haben, sind vierzigtausend Insekts.

00:15:25: Also das ist einfach die artenreichste Tier Gruppe und deshalb ganz relevant.

00:15:30: Und davon sind die Schmetterlinge die best untersuchte Gruppe.

00:15:33: Wir verstehen ihre Genetik.

00:15:35: Wir wissen über bei vielen Gutbescheid über ihre Ökologie, über ihre Lebensansprüche.

00:15:42: Und wenn wir dann bei den Schmetterlingen noch in eine kleinere Gruppe gehen nämlich die Tagfalter, die wir sozusagen im Monitoring oft beobachten, dann sind sie überhaupt sehr gut erforscht und lassen sich gut unterscheiden.

00:15:55: Und was wir im Monitorings machen, wir beobachten einerseits mit Expertinnen auch an vorgegebenen Standorten, bieten aber immer auch Freiwillige.

00:16:04: Also wir haben Leyen in diesem Monitoring auch eingebunden die zusätzlich Aufnahmen machen weil wir so einfach an mehr Standort zu mehr Zeitpunkten besser beobachten können.

00:16:15: und hier sind die Schmetterlinge eben ausgezeichnet geeignet Weil man sie relativ gut erkennt, weil man sie zum Beobachten nicht töten muss und weil es eine Methodik gibt mit der man auch die Menge gut zählen kann.

00:16:28: Das bedeutet, wenn sich Freiwillige bei uns melden bekommen sie eine einfache Online-Schulung und können dann nach kurzer Zeit bereits beginnen für uns gemeinsam mit uns an vorgegebenen Standardschmetterlinge beobachten.

00:16:43: Und können so sozusagen die Entwicklung der Populationen mit uns gemeinsam beobachen.

00:16:50: Und sieht man bei den Schmetterlingen irgendwie einen Rückgang, kann man das feststellen wenn die Gruppe so gut untersucht ist.

00:16:57: Wie schaut es da in Österreich aus?

00:16:58: Ja leider also in Österreich müssen wir sagen dass wir leider keine lange Zeit rein haben weil wir haben so Hinweise über die Verbreitung der Arten und wissen einiges über die besonders seltenen Arten.

00:17:12: Also wir haben in den letzten Jahren die roten Listen für Vorarlberg und Tirol erstellt.

00:17:19: Und die Schmetterlings, rote Liste von Vorarlbach zum Beispiel, da wurden fünfzig Prozent aller Schmetternlinge als in einer Gefährdungskategorie eingestuft.

00:17:30: Das heißt, die Hälfte der Schmetterslingsarten sind gefährdet in Österreich?

00:17:36: Ja, das gilt auch für Österreich.

00:17:38: Ungefähr die Hälfte sind mehr oder weniger gefährdet von leicht gefährdet bis hin unmittelbar vom Aussterben bedroht.

00:17:46: und diese Information gesagt uns aber nur etwas aus über die seltenen Arten.

00:17:53: Es ist es aber auch so dass bei den sozusagen fünfzig Prozent nicht Gefährdeten bei vielen die Bestände zurückgehen.

00:18:01: um das aber tatsächlich zu messen brauchen wir lange Zeit rein mit gut erhobenen Daten, wo gezählt wurde und die fehlen in den meisten Ländern.

00:18:10: Es gibt allerdings schon europaweite Beobachtungen seit ungefähr dreißig Jahren in verschiedenen Ländern.

00:18:17: Und dort sehen wir das sozusagen die Graslandschmetterlinge also die Schmetterlingen, die speziell auf Wiesen vorkommen in den letzten dreizig Jahre um vierzig Prozent in ihren Beständen zurückgegangen sind.

00:18:29: Also wir haben hier einen deutlichen Rückgang tatsächlich von den Schmetterlingsbeständen in ihren Mengen, auch der häufig nachten Teilweise.

00:18:37: Das sind jetzt Studien die aber nicht in Österreich gemacht worden sind sondern die sind in europäischen... Ländern gemacht worden, wenn ich sie richtig verstanden habe?

00:18:46: Ja.

00:18:46: Richtig!

00:18:46: Es gibt in Deutschland, in Holland und in Großbritannien seit vielen Jahren Schmetterlingsmonitorings und diese Daten stammen von dort.

00:18:55: in Österreich haben wir vor zehn Jahren in Tirol begonnen und haben seit vier Jahren nun auch ein österreichweites Monitoring wo wir eben genau diese Daten erfassen.

00:19:07: Hier aber österreichweite Trends abzuleiten ist noch etwas früh, weil Schmetterlingspopulationen generell viele Insektenpopulationens sehr stark schwanken von Jahr zu Jahr.

00:19:18: Und um dann geringe Unterschiede festzustellen braucht es einfach einerseits eine lange Zeitreihe und andererseits ausreichend eine ausreichende Menge an beobachteten Strandorten.

00:19:29: Das ist dann doch sehr dramatischer befunden wenn das eigentlich ein europa weiter Trend ist und minus vierzig Prozent eigentlich ein ziemlicher Wahnsinn.

00:19:39: Jetzt sind die Insekten insgesamt ja in der Bevölkerung, würde ich jetzt sagen nicht so beliebt wie Hundewelpen.

00:19:48: das hat ja auch den Grund weil man sie als Schädlinge wahrnimmt aber gleichzeitig fressen sich einem vielleicht auch im Garten die Pflanzen.

00:19:56: weg steigt wenn ich einen naturnahmen Garten habe da das Risiko dass dieser negativen Effekt eintritt, dass mir die Schmetterlingsraupen dann alles zusammenfressen.

00:20:07: Ja also das ist richtig.

00:20:09: auf das Stoßen wäre auch immer wieder das Insekten nicht immer beliebt sind sozusagen in der Wahrnehmung.

00:20:15: Ich möchte aber bevor ich auf die Frage eingehe so zu sagen wie es im Garten ausschaut ihre ökologische Bedeutung noch einmal betonen weil Insekte spielen nicht nur wegen ihrer großen Artenvielfalt, sondern auch wegen ihrer ökologischen Rolle eine immense Rolle in Ökosystemen.

00:20:33: Man kann sich vorstellen oder man muss bedenken dass eigentlich alle Brutvögel in Österreich bis auf ganz wenige Ausnahmen ihre Jungen mit Insekten füttern.

00:20:44: und da hilft uns dann dieses Einordnen wenn wir sprechen von vierzig Prozent Rückgang bei den Schmetterlängen.

00:20:50: in Deutschland gab es diese berühmte Kräfeldstudie die in Schutzgebieten einen Rückgang von seventy-fünf Prozent der Biomasse der Insekten in dreißig Jahren festgestellt hat.

00:21:00: Wenn man sich das bedenkt, okay es steht einfach plötzlich nur noch ein Viertel der Nahrung zur Verfügung oder ein Drittel für zum Beispiel Brutvögel oder für Amphibienreptilien.

00:21:14: dann kann man sich schon vorstellen welche massive Auswirkungen das auf die Ökosysteme hat.

00:21:19: Und zurück zur Frage, wenn ich im Naturnahen Garten sozusagen eine Natur reinbringe und damit die Insekten fördere.

00:21:25: Ja natürlich kann es sein dass ein Kohlweißling auf meinem Broccoli die Eier ablegt und dann die Raupen meinen Broccoli wegfressen wollen.

00:21:35: das kommt vor.

00:21:36: Gleichzeitig ist es aber so, dass ja unter den Insekten auch ganz viele Nützlinge für uns Gärtner vorhanden sind.

00:21:43: Das bedeutet das immer Naturnahngarten.

00:21:45: die Wahrscheinlichkeit, dass ihr eine richtige Massenvermehrung von einem sogenannten Schädling habt viel geringer ist als in einer Monokulturgarten wenn man so will weil dort eben gerade diese Nützinge fehlen und die Schädlingen meistens sich sehr leicht anpassen und es dann eben zu Massenvermehrungen kommt.

00:22:07: Das heißt, ja man muss mit Schäden rechnen aber insgesamt fallen die jetzt nicht so sehr ins Gewicht.

00:22:14: um jetzt wieder den Leuten die Angst zu nehmen die vielleicht überlegen einen naturnahen Garten zu machen gibt's eigentlich auch Pflanzen die für die Artenvielfalt gar nix bringen.

00:22:26: Ja also um die Frage nochmal abschließen zu beantworten, ich würde sagen die Schäden werden sogar den Zell geringer und das Risiko wird gering.

00:22:34: Denn durch mehr Vielfalt im Garten reduziere ich ja auch das Risico dass es sozusagen ein gesamter Ausfall habe.

00:22:41: Das ist eigentlich ähnlich wie in Ökosystemen.

00:22:43: wenn wir vielfältigere Ökosesysteme haben dann können die auf wechselnde Klimabedienungen, auf wechselnde Witterungen gut reagieren.

00:22:51: Und im Garten ist es ähnlich wenn ich im Gartner Vielfalt habe, dann wächst die Meinung ja das eine besser und dem anderen ja das andere besser und ich kann sozusagen aber bessere Rückversicherung.

00:23:02: Ja es gibt Pflanzen die überhaupt keinen Nutzen oder wenig Nutzen haben.

00:23:08: ein typisches Beispiel sind Defosizien Die wunderschönen gelbblühenden Fosizien, die jetzt inzwischen seit überall fast verblüht sind.

00:23:16: Aber man im Frühjahr überall sieht ist ein Strauch der weil er nicht heimisch ist für keinen Schmetterling, für kein Insektfutterpflanze ist als Strauch.

00:23:26: Aber noch schlimmer, auch die Blüten bieten keine Nektar.

00:23:29: Die sind für den Garten gezüchtet und bieten daher kein Nahrung.

00:23:33: Für Insekten an sind nur hübsch schön anzusehen.

00:23:38: Locken vermutlich teilweise auch Insekte an, die dann aber feststellen hier gibt es nichts.

00:23:43: Und da gibt's natürlich tatsächlich gute Alternativen im Frühling zum Beispiel die Cornellkirsche die ähnlich schön blüht oder felsen Birne, oder als ganz früh Blühe, die eben schon zuvor erwähnte Saalweide.

00:23:56: Die ganz wichtige Nektarkwellen sind in einer Zeit wo zum Beispiel über Winter den Schmetterlinge auftauchen wie der Zitronenfalter oder der kleine Fuchs, die natürlich nach der langen Winterperiode sehr hungrig sind.

00:24:08: Das bedeutet die Phosizien sind eher mau bis eigentlich bringen überhaupt nichts.

00:24:14: wenn man jetzt aber an die Superpflanze denkt dann Wenn ich Sie richtig verstanden habe, ist das die Brennnessel.

00:24:19: Also das ist sozusagen für zumindest die Schmetterlinge der absolute Star oder?

00:24:24: Ich würde sagen, die Brennessel ist eine Low Hanging Fruit, eine einfache Pflanze, die man zusätzlich selber noch nützen kann für Spinat, für Salat und für Düngemittel im Garten und auf der einige relativ einfach handzusiedelnde Schmetternlingsharten vorkommen.

00:24:44: Der kleine Fuchs in Österreich eigentlich der weitverbreitete Falter und der siedelt sich sehr gerne auf Brennesseln an.

00:24:53: Es gibt natürlich aber, wie soll ich sagen, wertvollere Pflanzen sozusagen um mehr Vielfalt zu schaffen.

00:24:59: Tolles zum Beispiel die wilde Karte, die ganz vielen Organismen Lebensraum bieten oder generell wenn man genug Platz hat eine Hecke aus Naturstreichern bietet ganz vielen verschiedenen Organismen und darunter auch viele Schmetterlingsraupen Lebensraum.

00:25:17: Ich habe auch einmal gehört, dass man mit Strukturen relativ gut arbeiten kann, irgendwo ein Dotholz hinlegen oder die Hecken, die sie gesagt haben.

00:25:25: Gibt es da so Grundregeln, die relativ schnell beachten können um irgendwie die Biodiversität hochzubringen?

00:25:33: Sie haben schon gesagt in der Frage das ist völlig richtig.

00:25:37: wenn ich Strukturenschaft Ein Steinmauer, Trockensteinmauer.

00:25:43: Totrollshaufen, Totrollsäcken, generell Hecken an Komposthaufen.

00:25:49: Vielleicht ein kleiner Naturteich der kann von der Kübelgröße bis zu einem größeren Folienteich alles umfassen in verschiedene Formen.

00:25:57: Teiche mit verschiedener Tiefe dann schaffe ich damit Lebensraum.

00:26:01: Ich habe es davor schon einmal erwähnt wenn ich im Garten gegen die Natur arbeite geht das ganz oft schief.

00:26:07: Wenn ich aber sozusagen Angebote schaff Dann werden sich dort

00:26:11: die

00:26:11: Tiere, die Pflanzen einsiedeln.

00:26:13: Die sich dort wohlfühlen.

00:26:16: und wenn ich Vielfalt will dann muss er vielfältiges Angebot

00:26:19: schaffen.".

00:26:20: Sie haben gesagt nicht gegen die Natur arbeiten.

00:26:23: was bedeutet gegen die natur zu arbeiten?

00:26:27: Ja glaube man als Gärtner versucht alles hundertprozent kontrollieren zu wollen dann wird das in der natur nicht funktionieren.

00:26:35: Ich kann natürlich strategisch planen, okay ich möchte die und die Pflanze ansiedeln oder anpflanzen.

00:26:41: Aber wenn dann die Bedienungen nicht so ideal sind für diese Pflanzen, dann wird sie sich dort nicht wohlfühlen.

00:26:47: Wenn ihr aber sozusagen verschiedene Räume schafft, verschiedene Möglichkeiten schafft mehrere Pflanzen verschiedene auch Nutzpflanzen verschiedener Anpflanzen Dann ist die Wahrscheinlichkeit größer dass sich eine dieser Pflanzen sehr wohl fühlt.

00:27:00: Also ich habe leider selber keinen Garten, aber ich hab Balkonkisten und die lasse dort sehr vieles einfach selber wieder raussehen.

00:27:07: Und im nächsten Jahr wachsen dann diese Pflanzen wieder, die sich wohlgefühlt haben und denen sind in diesem Jahr einfach gut passt und das funktioniert sehr gut und ist tatsächlich ein sehr fauler Zugang!

00:27:18: Wenn man sie so anhört, dann könnte man auch ein bisschen die Angst kriegen.

00:27:23: Sie haben vorhin gesagt irgendwie Teiche anlegen da denke ich gleich einmal an Gelsen oder einfach einmal machen lassen, da denke ich sofort an Unkraut.

00:27:33: Ist das nicht irgendwie... hat es da keine große Schattenseiten wenn man diese Strategien anwendet?

00:27:40: Die Gelsen sind ein gutes Beispiel!

00:27:43: Wenn wir einen klassischen Steingarten haben und dort vielleicht irgendeine Zierpflanze mit einem Untersetzer haben dann sammelt sich dort vielleicht Wasser und diese kleine Pütze reicht den Gels aus um sich zu entwickeln.

00:27:57: Und da wird in diesem Steingarten kaum ein Feind dieser Gelsen sein, der sie sozusagen dezimiert.

00:28:05: Das bedeutet dort habe ich tatsächlich dann eine Gelseninvasion.

00:28:09: Wenn ihr aber einen Teich habt, ist dieser Teich voll mit auch räuberischen Insekten larven und es werden dort kaum oder viel weniger Gelsend überleben weil sie eben von den anderen Tieren gefressen werden.

00:28:26: Also die Wahrscheinlichkeit, dass ich dort der Massenformierung an Gelsen habe ist viel größer in irgendeinem sozusagen sterilen Untersetzer als in einem Naturteich.

00:28:36: Unkraut würde ich sagen gibt es sowieso nicht weil eben all diese Wildpflanzen einen nutzen haben.

00:28:42: viele davon sind essbar und wir können sie selber nutzen und viele werden eben von zum Beispiel Schmetterlingsraupen gefressen.

00:28:50: Aber natürlich gibt es auch im Naturtagarten Tipps, wie ich meine Ziele erreiche.

00:28:55: Wenn ich zum Beispiel Gemüse anbauen will, dann will ich nicht, dass das überwuchert wird von Gras.

00:29:01: Der schnelle Tip ist dort in den meisten Fällen, ist Mulchen eine sehr gute Möglichkeit.

00:29:05: Also das Abdecken mit Pflanzenmaterial, das verhindert nicht nur sozusagen das Wachsen von sogenanntem Unkraut sondern fördert zusätzlich auch die Bodenqualität.

00:29:15: weil dieses Mulchmaterial abgebaut wird ganz viele Bodenorganismen darunter leben kann der Boden lebendig wird und um hier auch noch einmal ein beeindruckende Zahl zu nennen in einer Handvoll gesunden Boden oder in einer Handvoll Kompost der Erde leben mehr Organismen als Menschen auf der ganzen Erde.

00:29:37: Das klingt nach vielen Organismens.

00:29:40: Wie schaut es eigentlich aus mit dem Thema Mehen?

00:29:44: Den Rasenroboter haben Sie schon angesprochen, hab rausgehört.

00:29:48: sie sind nicht so ein großer Fan davon.

00:29:51: Warum eigentlich soll man überhaupt mehen?

00:29:53: wie oft soll man mehnen?

00:29:55: wo spielt das sozusagen?

00:29:57: Was für eine Rolle spielt Mähen für die Biodiversität insgesamt?

00:30:01: Sie haben mich ja davor gefragt, wie man Schmetterlinge fördern kann.

00:30:05: Viele SchmetTERlinge entwickeln sich als Rauten und Eier als Puppe im Gras oder in der Wiese die Fressengräser oder verschiedene groutige Pflanzen.

00:30:17: Und wenn diese Wiese zu oft gemäht wird – das gilt für den Garten genauso wie in der Landwirtschaft – dann ist die Zeit sich zu entwickeln einfach zu kurz.

00:30:27: Jetzt kann man natürlich mal Gartenwege schneiden, wenn man das aber sozusagen mosaicoartig macht dass man es nur die Wege schneidet und andere Bereiche stehen lässt.

00:30:37: Manchmal vielleicht sogar über den Winter stehen lässt und dann aus dem nächsten Jahr schneidet, dann schaffe ich damit Lebensraum für sich entwickelnde Insekten.

00:30:46: Ein anderer Tipp ist, wenn ich mir vielleicht die Schnitthöhe zu Erhöhlen sozusagen nicht ganz so tief am Boden zu schneiden, weil zum Beispiel Wiesenvögelchen als häufiger Schmetterling auf Wiesen sich ein bisschen ans Mähen angepasst hat indem das ihre Puppen und Raupen relativ weit unten.

00:31:07: im Gras sind und die dann eine Chance haben, eventuell noch zu überleben.

00:31:11: Also alles was sozusagen später gestaffelt Mosaikartig schneiden kann ja auch einmal ein Herzchenstelle ausschneiden und dort längers Gras und die Margretten stehen lassen.

00:31:22: das schafft Vielfalt und schafft Möglichkeiten für Tiere in meinen Garten.

00:31:27: Der Wiener Tierschutzverein Tierschutzaustrea hat gerade sehr interessante Initiative gestartet nämlich die Gartenvinäte wie die Vignette für die Autobahn und hat auch so ein Bild in Hintergrund, nämlich damit sollen Gärten sichtbar gemacht werden.

00:31:44: Die durchlässig sind!

00:31:46: Und das Ziel ist mit den Durchlässen in Zäunen oder so will man die längste Igelstraße von Österreich entstehen lassen.

00:31:55: Sind diese durchläßigen Zäune nutzt es tatsächlich was für die Biodiversität?

00:32:00: Oder ist es dann eher im Reich der Liebhaber Projekte anzusiedeln?

00:32:07: Nein, das nützt tatsächlich was.

00:32:10: Wie ihr bereits bei den Schmetterlingen angesprochen habt je nach Größe unserer Gärten oder des betrachteten Garten sind viele Tiere nur Besucher.

00:32:19: also die leben ja nicht dauerhaft in dem Garten die fliegen an saugen ektar und fliegen weiter oder ein Igel wandert durch und hat vielleicht sein schlafquartier im Nachbastgarten.

00:32:29: deshalb macht es natürlich Sinn so zeigen dass zu vernetzen und diese Räume zusammenzufassen.

00:32:36: Und mir gefällt dieses Bild sozusagen der Igelstraße sehr gut, weil es ein Bild ist das wir Landschaftsekologen auch immer wieder verwenden.

00:32:47: Wir sprechen von der ökologischen Infrastruktur.

00:32:50: Die ökologie Infrastruktur ist ein Konzept Naturräume so zu sehen, so zu planen wie wir das sonst mit Infrastruktur machen.

00:33:00: Also in dem Sinn dass wir wie ein Straßennetzwerk auch unsere Naturräume planen.

00:33:06: da gibt es natürlich sozusagen die wichtigsten Bereiche die Schutzgebiete unserer Nationalparks und Schutzgebieten.

00:33:13: die wären wenn man so will die Autobahnen.

00:33:15: aber wenn wir das Bild der Straße bei Elbe halten wenn wir die Autobahn haben und keine Bundesstraßen, keine Landesstraßen oder Gemeindestraßen und keine Straßen, die in die Siedlungen führen.

00:33:26: Dann kommen wir mit den Autobahnen auch nirgendwo hin.

00:33:30: Das heißt, wir brauchen bei der ökologischen Infrastruktur tatsächlich ein Netzwerk aus einerseits gut erhaltenen Naturräumen aber dann breiten Verbindungswegen, breiten Räumen in der Landwirtschaft, in der Forstwirtschaft und schlussendlich auch in unseren Siedlungsräumen.

00:33:48: Und diese Idee sozusagen den Igel in den Garten zu holen, hat ja aus meiner Sicht auch einen zweiten Aspekt.

00:33:55: Da gibt es einerseits im Biodiversitätsaspekt und andererseits den Aspekt des Naturkontaktes.

00:34:00: Weltweit leben über fünfzig Prozent der Bevölkerung in Städten.

00:34:04: Das bedeutet wir müssen diese Städte so gestalten dass wir uns dort wohlfühlen.

00:34:09: Wie eingangs schon erwähnt, wir fühlen uns einfach wohler wenn wir Möglichkeiten zum Naturkonto haben.

00:34:16: Sehr naiv gefragt.

00:34:17: Warum ist diese Vernetzung überhaupt wichtig?

00:34:20: Warum braucht es Autobahnen und Landstraßen für die Natur, also diese Verkehrswege wo sie die Natur ihrem Weg bahnen kann?

00:34:29: Wozu ist das notwendig?

00:34:31: Ja, das ist eine sehr gute Frage und ist tatsächlich auch ein gewisses Umdenken im Naturschutz der in den letzten Jahren vonstatten ging und nach wie vor von statten geht.

00:34:41: Wenn wir bedenken, wenn wir die österreichische und europäische Biodiversitätsstrategie einhalten dann ist dort vorgesehen dass wir in Österreich dreißig Prozent der Landesfläche unter Schutz stellen.

00:34:53: Da sind wir in Österreich gar nicht so schlecht.

00:34:55: Schlechter schaut es dort aus das von diesen dreizig Prozent ein Drittel also zehn Prozent insgesamt unter strengem Schutz stehen sollte.

00:35:03: Also wo Wildnis möglich ist hier sind wir ja in Österreich erst bei drei Prozent.

00:35:09: aber auch wenn wir diese preisig und zehn Prozent erreicht haben, wird das nicht ausreichen um Natur in so einem Ausmaß zu schützen und zu erhalten.

00:35:19: Das zum Beispiel so essenzielle Ökosystemleistungen wie die Bestäubung in der Landwirtschaft ausreichend zur Verfügung stehen.

00:35:28: weil was nützen mich die verschiedensten Wildbienenarten im Nationalpark wenn ich in meinem Obstgarten die bestäuber brauche?

00:35:36: Das bedeutet wir müssen Und das passiert in letzter Zeit auch stärker im Naturschutz, dass ich sozusagen nicht nur auf die besonders seltenen, auf die besonder ausgewählten Artenschau sondern eben auf Populationen generell damit eben Bestäubung möglich ist.

00:35:51: Um das zu ermöglichen brauche ich auch sozusagen in den landwirtschaftlich genutzten Gebieten in der Kulturlandschaft Lebensräume wo auch Natur möglich ist und wo diese Arten vorkommen können in ausreichenden Population.

00:36:05: Wenn jetzt die Autobahn, die Igel-Autobahn in meinen Garten führt dann denke ich aber gleich automatisch okay da werden vielleicht auch die Haseln durchschlupfen.

00:36:15: Die süß ausschauen aber mir vielleicht die Karotten wegfressen.

00:36:19: will man die größeren Tiere überhaupt in seinem Garten haben?

00:36:23: Ja das ist natürlich eine individuelle Entscheidung.

00:36:26: also ich freue mich wenn Garten einen Igelsee, Vögelsee.

00:36:31: Amphibien beobachten kann.

00:36:33: Dortragilien beabachten kann.

00:36:35: also prinzipiell.

00:36:36: ja da sind wir wieder beim selben Thema das es natürlich auch sozusagen Fresskonkurrenten gibt.

00:36:43: gleichzeitig würde ich sagen die meisten Gartenbesitzer sind nicht davon abhängig dass ihr Brokkoli gut wächst weil's ja dann doch noch einen Supermarkt gibt für die meisten gärtnerinnen.

00:36:56: genau.

00:36:57: Die große Frage, die uns ja beschäftigt ist dieses Artensterben.

00:37:03: Und Sie haben das vorher schon angesprochen.

00:37:06: Man spricht jetzt mittlerweile vom sechsten Massensterben und der Mensch ist wie ein Komet, also so schädlich für die Natur wenn man es jetzt brutal vergleicht.

00:37:18: Bleiben wir in Österreich weil wir die Welt allein können nicht retten.

00:37:23: was müsste jetzt abseits der ganzen Gärtnerei passieren, damit die Natur, der auch hierzulande Unterdruck geraten ist, dass es der wieder besser geht.

00:37:35: Danke für diese Frage und im Prinzip wir haben jetzt sehr lange über die Gärten geredet und in den Gärtern der Natur wieder etwas mehr Raum geben.

00:37:44: man kann eigentlich die Antwort im größeren Maßstab in einer ähnlichen Form geben Wir müssen oder sollten In unserer eigenen Interesse der Natur wieder etwas mehr Raum geben.

00:37:57: Und dann kommt sie dort auch zurück, also wir haben den großen Vorteil dass naturelle sehr große Regenerationsfähigkeit besitzt und wenn wir ihr mehr Raum gebt in der Landwirtschaft, in der Forstwirtschaft ,in der Art wie wir unsere Gewässer behandeln aber auch im Siedlungsraum Wenn wir dort mehr Platz schaffen, dann kommt sich da auch zurück.

00:38:19: Wir haben ja seit einem Jahr Das europäische Renaturierungsgesetz.

00:38:25: Und dieses Renaturierungsgesetz zielt genau darauf ab, Natur wieder etwas mehr Raum zu geben um ihr zur ermöglichen für uns wichtige Ökosystemleistungen wie wir Ökologen das nennen zur Verfügung zu stellen.

00:38:40: und dieses Gesetz ist tatsächlich eigentlich eine wunderbare Chance und auch eine Anleitung hier erfolgreich gegenzusteuern.

00:38:48: Denn wenn wir sozusagen dieses Gesetz ambitioniert umsetzen, dann schaffen wir es tatsächlich.

00:38:55: Dann haben wir wahrscheinlich noch die Möglichkeit hier den Biodiversitätsrückgang Einhalt zu gebieten und sogar einen Gegentrend zu erreichen.

00:39:03: Aber was vielleicht wichtig ist – Wir müssen es tatsächlich ambitioniert Umsetzen!

00:39:07: Und das betrifft alle Akteure.

00:39:09: also da ist tatsächlich die gesamte Gesellschaft gefordert und wir sollten uns von dem Gedanken lösen hier nur ein Minimum erfüllen zu wollen.

00:39:21: Ich vergleiche das gerne mit Sicherheitsbestimmungen, also wenn Sie an eine Autofirma denken Österreich ist ja angeblich ein Autoland Wenn eine Autophirma damit Werbung machen würde dass Sie die Sicherheitsbestimmungen gerade noch einhalten, so damit sie innerhalb des Gesetzes sind.

00:39:39: Aber ja nicht mehr, damit die Kosten möglichst niedrig bleiben.

00:39:44: Ja würden Sie dieses Auto kaufen?

00:39:45: Würden Sie in dieses Auto einsteigen oder würden Sie sich für ein anderes entscheiden?

00:39:50: und ähnlich sorgsam sollten wir mit unserer Natur umgehen.

00:39:55: das bedeutet Wir sollten im Sinne des Gesetzes agieren und nicht nur versuchen einen Minimum umzusetzen.

00:40:01: Aber die Menschen, wenn man jetzt gesellschaftlich drauf sieht, die sind ja nicht alle Naturliebhaber.

00:40:07: Was hätten sie dann für ein Eigeninteresse?

00:40:09: Die Natur zu retten!

00:40:11: Es gibt auch Menschen, denen ist das ziemlich egal und die haben lieber einen großen Parkplatz vom Haus als einen Garten.

00:40:19: Das möchte ich schon in Frage stellen weil wenn man fragt wo gehst du dich erholen?

00:40:23: In der Mittagspause werden die meisten sagen in den Garten oder im Park und nicht auf dem Parkplatz.

00:40:29: Also dieses Gefühl herrscht sehr wohl vor.

00:40:31: Es gibt auch in Österreich eine ganz große Mehrheit, wenn man die Menschen fragt ist Naturschutz wichtig?

00:40:37: Ist die Umsetzung des Renaturierungsgesetzes wichtig?

00:40:40: Dann gibt es da eine ganz grosse Mehrheit dafür und wir müssen einfach sagen unabhängig von diesen Gesetzen.

00:40:46: unser österreichische Wohlstand Die Lebensqualität, die wir in Österreich haben das zu ganz großen Teilen begründet auf Schätzen, die wir von der Natur bekommen.

00:40:58: Unser Tourismus lebt davon, dass wir eine schöne Natur haben.

00:41:01: Ganz viele unserer Sportaktivitäten und eben unsere eigene Lebensqualität basiert in ganz großen Teilen von einer funktionierenden, von einer intakten Natur, von Ökosystemen, die uns sozusagen gratis ganz viel zur Verfügung stellen und auch einen Lebensraum bieten indem wir uns wohlfühlen.

00:41:21: Das heißt, die Natur geht uns alle an?

00:41:24: Die Natur geht uns absolut alle an und wir merken es dann, wenn es sozusagen zu Problemen kommt.

00:41:30: Wenn Ökosysteme kollabieren, dann merken wir plötzlich was wir verlieren.

00:41:35: Ist das eigentlich schon passiert?

00:41:37: Kann man das in Österreich irgendwo beobachten dass etwas schon so schlimm ist, dass irgendwas gekippt wäre?

00:41:44: oder ist es eher eine Drohung die im Raum steht?

00:41:48: Ja, das ist auch eine herausfordernde Frage.

00:41:53: Also, ich kann zwei Beispiele dazu geben.

00:41:56: Das eine Beispiel ist tatsächlich – wir nennen das Verschieben sozusagen der Baseline – dass Kinder wenn sie heute aufwachsen und an ihrem Heimweg nach Hause gehen einfach viel weniger Möglichkeiten haben und Wahrscheinlichkeit haben, dass sie dort Schmetterlinge sehen als wir das vor dreißig Jahren hatten.

00:42:19: Das wird aber nicht bemerkt, weil man natürlich nur bemerknt was man verliert.

00:42:23: Aus meiner Sicht ist es ein Immensaverlust an Inspirationsquelle und Anschönheit in der Natur.

00:42:30: Man kann sich aber auch ein anderes Beispiel anschauen.

00:42:34: Wir hatten in den letzten Jahren in Kärnten in Ostirol Massenformierungen von Borkenkäfer Und da sind ganze Waldgebiete sozusagen abgestorben.

00:42:46: Die Ursache darin liegt in einer Kombination aus teilweise den falschen Bäumen, wir haben dort oft Fichten Monokulturen wo eher Mischwälder notwendig wären.

00:42:58: aus einem Klimawandel der diese Ökosysteme unter Druck bringt und dann eben dieser Massenvermehrung eine Schädlings-Symmemischwalt kann der Borkenkäfer nie so viele Schäden anrichten.

00:43:09: Und das führt aber umgekehrt dazu, dass die Wälder absterben.

00:43:13: massiv und sehr oft sind diese Wälden Schutz- und Panwäldern, die uns vor Naturgefahren schützen.

00:43:20: Und wenn es hier eben zu tatsächlich Kollaps eines ganzen Waldgebietes kommen, dann führt das zu einem erhöhten Aufkommen von Naturgefahren und müssen vielleicht technische Lösungen herhalten um sozusagen dort Einhalt zu gebieten.

00:43:35: Das dritte Beispiel wäre die Überschwemmungen, die wir hatten in den letzten Jahren.

00:43:41: auch diese sind eine Folge von nicht ausreichendem Lebensraum für Flussgebiete, Rettenzionsflächen.

00:43:50: Also Flächen wo sich der Fluss ausbreiten kann wenn es zu Hochwasser kommt beziehungsweise Böden die mehr Wasser aufnehmen können.

00:43:58: Ein gesunder Boden ein Waldboden kann vielmehr wasser aufnehmen als ein nicht gut behandelter Boden.

00:44:07: Damit man das vielleicht mit einem positiven Beispiel beenden, ist es möglich diese verlorenen Naturflächen wieder zurückzugewinnen.

00:44:17: Hat's da auch auf der anderen Seite positive Beispiele gegeben wo man sieht, da gelingt etwas, das war kaputt aber man konnte es mit dem Einsatz wieder in die Gänge bringen sozusagen an das Faltgarten wieder grün machen und dass da wieder was geblüht ist im großen Maßstab.

00:44:37: Also das gelingt tatsächlich, wenn wir eines der größten Projekte dass derzeit läuft.

00:44:44: In diesem Zusammenhang in Österreich nennt sich Amore also da sozusagen Wiedervernässung von Moren die eine doppelte Nutzen hat es bietet einerseits ganz spezialisierten Arten einen Lebensraum bietet aber auch im Schutz gegen Klimawandel einen Lebensraum weil in diesen Wohnen mehr CO² abgespeichert wird und ist gleichzeitig auch ein Hochwasserschutz, weil dort eben Flächen entstehen die sozusagen zu einem Wasserrückhalt führen.

00:45:15: Und generell ist es zu sagen das ist vermutlich wenn wir nicht zu spät dran sind der große Vorteil den wir im Bereich Biodiversitätsschutz haben im Vergleich zum Klimaschutz.

00:45:27: Wenn wir eben Räume zurückgeben, wenn wir renaturieren dann kommt die Natur auch zurück, sehr vieles kann sich tatsächlich erholen und das können dadurch tatsächlich neue Räume und neue Lebensräume wieder geschaffen werden.

00:45:41: Also diese Möglichkeit besteht.

00:45:43: Ein anderes Beispiel aus der Vergangenheit vor dreißigvierzig Jahren waren unsere Flüsse im ökologisch ganz schlechten Zustand weil sie stark überdünkt war, weil sie verschmutzt worden von dem ganzen Abwasser.

00:45:58: Und es wurden vor dreißigvierzig Jahren in ganz vielen Gebieten in Europa als Klärantagen gebaut, strenge Bestimmungen welches Abwasser in Flüsse dürfen und gerade in Österreich haben heute die meisten flüssige Trinkwasserkwalität.

00:46:12: Also hier haben wir immens geschafft in einer positiven Entwicklung das natürlich auch wieder diversitätschaft.

00:46:19: Wo wir noch nicht so weit sind, ist sozusagen diesen Flüssen tatsächlich auch einen Raum zu bieten.

00:46:24: Denen Fluss besteht nicht nur aus seinem Flussbett das manchmal sogar kanalisiert ist sondern auch aus dem Umland.

00:46:31: ein Fluss braucht seine Umgebung braucht im Umland auch Aowälder und eben entsprechende Umlandräume.

00:46:39: Das heißt es gibt Hoffnung und dass ist doch eine gute Nachricht.

00:46:43: zum Schluss Vielen Dank Herr Rüdeser.

00:46:46: Ja, es gibt Hoffnung.

00:46:47: Und vielen Dank für das Interesse!

00:46:58: dann könnt ihr das am besten mit einem Abo tun.

00:47:19: Mehr dazu auf abo.standard.at.

00:47:23: Die nächste Folge-Edition in Zukunft erscheint in zwei Wochen.

00:47:27: Mein Name ist Benedikt Narotoslawski.

00:47:29: Kommen Sie gut durch den Tag und Auf Wiederhören!