Der STANDARD-Podcast über das Leben und die Welt von morgen
00:00:06: Ihr hört Edition Zukunft, den Standard-Podcast über das Leben und die Welt von morgen.
00:00:10: Ich bin Philipp Bramer...
00:00:11: ...und ich bin Alicia Prager!
00:00:31: Wir beschäftigen uns beide schon relativ lang mit internationaler Klima-Diplomation.
00:00:36: Das ist einerseits sehr spannend aber auch immer wieder frustrierend.
00:00:40: Auf Klimakonferenzen passiert zwar deutlich mehr als man aus der Ferne vielleicht so mitbekommt gleichzeitig kommen die Verhandlungen bei einem sehr entscheidenden Punkt einfach nicht vom Fleck nämlich beim Ausstieg aus fossilen Brennstoffen.
00:00:52: Und wie soll das auch gelingen, könnte man fragen?
00:00:56: Wenn selbst die großen Ölstaaten wie Saudi-Arabien mitentscheiden und sich jedes Jahr wieder querlegen.
00:01:01: Aber genau an diesem Punkt tut sich jetzt etwas.
00:01:03: kommende Woche treffen sich über fünfzig Staaten in Kolumbien für die erste Regierungskonferenz zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen.
00:01:11: Das gerade Kolumbiens oder hinter ist eigentlich schon bemerkenswert weil das Land selbst ist ja ein großer fossiler Exporteur als einer der wichtigsten Exporteure für Europa, auch Erdöl hat Kolumbien und insgesamt machen fossile Brennstoffe rund die Hälfte der kolumbianischen Exporte aus.
00:01:30: Und ironischerweise findet die Konferenz sogar in Santa Marta statt.
00:01:33: Das ist einerseits eine touristische Karibik-Stadt, die wunderschön ist aber gleichzeitig auch ein großer Kohlehafen.
00:01:39: Diesen Austragungsort hat Kolumbien nicht ohne Grund ausgesucht.
00:01:42: das Land macht die eigene fossile Abhängigkeit damit ganz klar sichtbar und für Kolumbin ist ja klar dass dem Land die fossile Industrie irgendwann mal wegbrechen wird und das passiert teilweise schon.
00:01:53: vor einigen Jahren hat sich bereits ein großes Kohlunternehmen zurückgezogen ohne alternative Einnahmequellen zurückgelassen?
00:02:01: Man
00:02:01: muss dazusagen, Kolumbien liefert Kohle vor allem nach Europa.
00:02:05: Hier sinkt der Verbrauch stark und das Erdöl – das Kolumbian hat es recht schwer und muss aufwendig weiterverarbeitet werden.
00:02:11: international verliert es deshalb an Wettbewerbsfähigkeit Und es fehlt so ein bisschen die Strategie wie es ohne fossile Brennstoffe weitergehen soll
00:02:21: Und die soll jetzt bei dem Treffen in Kolumbien entwickelt werden oder zumindest damit angefangen werden.
00:02:26: Ganz konkrete Ergebnisse werden da nicht erwartet, aber es soll eben ein neuer Dialog gestartet werden um international am Ausstieg an fossilen Brennstoffen zu arbeiten.
00:02:35: Wir haben dazu vorher gerade mit der Politikwissenschaftlerin Alice Wadrot telefoniert.
00:02:39: Sie ist Professorin für internationale Beziehungen und Umwelt an der Universität Wien.
00:02:44: Und sie erwartet eine etwas andere Dynamik als sonst auf Klimakonferenzen üblich.
00:02:50: Staaten werden nicht ein Verhandlungstext oder einen Vertrag, Wort für Wort den diplomatischen Regeln voll mit aushandeln und dann tatsächlich neue rechtlich bindende Ziele vereinbaren.
00:03:04: Sondern der Fokus liegt eher darauf das aktuelle Rahmenwerk heranzuziehen und über die Implementierung zu reden.
00:03:11: also wie können wir das was man ob dass man sich bereits einigen konnte auf nationaler Ebene tatsächlich umsetzen.
00:03:17: Welche Best Practice-Beispiele gibt es?
00:03:19: Wie können wir neue Allianzen formen?
00:03:21: Es sind jetzt dreinfünfzig Staaten, die sich hier zusammensetzen werden und ich glaube über zweitausend fünfhundert zivilgesellschaftliche Organisationen, die Interesse angemeldet haben.
00:03:33: das ist denke ich bemerkenswert.
00:03:36: Und das Ganze hat jetzt plötzlich auch noch mehr Gewicht bekommen, weil wir mit dem Krieg der USA und Israel gegen den Iran in eine neue Fossilenergie-Krise schlittern.
00:03:45: Philipp, kannst du uns noch einmal daran erinnern?
00:03:47: in welchem Kontext findet diese Konferenz jetzt statt?
00:03:50: Ja die Welt befindet sich mitten an einer Energiekrise, die durch den Iran Krieg und die Sperre der Straße von Hormuz ausgelöst wurde.
00:03:57: Durch die vorher rund zwanzig Prozent der globalen Öllieferungen gingen.
00:04:00: ja was das konkret heißt dass haben wir im vorletzten Podcast mit Christoph Dollner-Kruber von der österreichischen Energieagentur besprochen.
00:04:07: kurz Zusammenfassung langfristig könnte diese Krise natürlich viele Nationen zum Umdenken bewegen weil sich ja jetzt gerade wieder zeigt, wie abhängig man eigentlich von ausländischen Energielieferungen ist.
00:04:19: Aber nicht nur Nationen sondern auch Privatpersonen.
00:04:21: also wenn der Preis für Diesel explodiert könnten sich das nächste Mal vielleicht mehr Menschen für ein E-Auto entscheiden.
00:04:27: Kurzfristig bremste Krieg aber die Wände eher weil Regierungen zuerst Preise dämpfen und die Versorgung sichern wollen durch Subventionen.
00:04:36: Das kostet dann viel Geld dass vielleicht bei der Energiewende fehlt Und viele Länder verbrennen statt dem teuren Gas erst mal wieder Kohle, die natürlich noch viel klimaschädlicher ist.
00:04:46: Der Ausstieg geht viel zu langsam mit Blick auf die Erderhitzung.
00:04:50: Gleichzeitig wird auch immer klarer wie instabil und krisenanfällig dieses System einfach ist.
00:04:55: Die Staaten, die sich nächste Woche in Santa Marta treffen wollen umsetzen was schon lange gefordert wird.
00:05:01: Genau, geforderd wird das ja schon lange.
00:05:03: trotzdem geht so einen fossilen Ausstieg nicht über Nacht wie.
00:05:07: was wird da jetzt konkret verhandelt?
00:05:09: Wie kann man sich das vorstellen?
00:05:10: Genau es geht sicher nicht über nacht.
00:05:12: in Kolumen soll einfach ein erster Schritt gemacht werden.
00:05:14: Es wird auch gar nichts konkret verhandelt.
00:05:17: es soll eine Plattform geschaffen werden die wirklich was erreichen will und Gespräche geführt werden, die nicht ständig blockiert werden.
00:05:24: Und quasi eine neue Ebene in der Klimapolitik eingezogen wird, die ein bisschen Tempo macht bei dem Ganzen.
00:05:42: Solche kleineren Konferenzen mit weniger teilnehmenden Staaten hatten ja schon öfters erfolgt – da gibt es durchaus einige Beispiele?
00:05:50: Ja genau zum Beispiel das Montrealer Protokoll von neunzehnundsebzig hat eine kleinere Gruppe von Ländern beschlossen.
00:05:56: FCKW sind Stoffe, die das Ozonloch verursacht haben zu verbieten.
00:06:00: Heute ist der Einsatz von FCKW weltweit um siebenundneinzig Prozent gesunken und die Ozone Schicht erholt sich.
00:06:06: Auch da waren am Anfang nicht alle Staaten dabei, aber irgendwann war einfach der Druck groß genug das auch der Rest mitgezogen ist.
00:06:13: Wobei
00:06:14: man natürlich sagen muss dass FCK W einen Nischen Thema sind.
00:06:17: also da geht es ja um Haarspray und Kühlschränke und Treibgase und nicht nur meinen großen Teil des Energiesystems sowie bei den fossilen Brennstoffen.
00:06:24: Also da sind wir in einer ganz anderen Größenordnung.
00:06:26: Ja, das ist natürlich ein großer Unterschied.
00:06:28: beim fossilen Ausstieg hängen Millionen Jobs dran, ganze Staatshaushalte.
00:06:33: Deshalb ist die Frage auch so entscheidend wie läuft ein gerechter Übergang ab?
00:06:37: und auch das soll ein Schwerpunkt der Gespräche in Kolumbien sein?
00:06:41: Ja also dieser Aspekt der Gerechtigkeit hat natürlich viele Facetten.
00:06:45: einerseits die Frage der Verantwortung von Staaten des globalen Nordens gegen Überstaaten des Globalen Südens spielt glaube ich eine sehr wichtige Rolle in Bezug auf die Rolle von kleinen Inselstaaten, die besonders getroffen sind vom Klimawandel.
00:07:02: Die sich auch hier stärker eindringen wollen aber natürlich auch von indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften, die ja nicht durch ihre Regierungen repräsentiert werden.
00:07:14: Und dieser Prozess scheint einen inklusiven Ansatz zu haben indem auch diese Stimmen gehört werden.
00:07:23: Das ist etwas, das auch in der Belämmdekaration sehr stark propagiert wurde.
00:07:28: Da steckt natürlich eine Chance drin.
00:07:30: Wenn wir die Rodungen im Amazonas ansehen, dann sind lokale Indigene Bevölkerungsgruppen besonders betroffen und gleichzeitig trägt die Abholzung zum globalen Klimawandel bei.
00:07:47: Gerade für lokale und indigene Gruppen oder Aktivistinnen und Aktivisten bieten solche globalen Konferenzen auch die Möglichkeit ihre Stimmen einzudringen.
00:07:57: Andere,
00:07:57: die betroffen sind, sind natürlich auch die Menschen, die in diesen Industriebetrieben vor Ort arbeiten.
00:08:03: Alicia du hast ja mit einer kolumbianischen Ökonomien dazu gesprochen oder?
00:08:07: Ja genau also.
00:08:08: in der Berichterstattung über den fossilen Ausstieg in Kolumbien geht es oft darum dass die lokale Bevölkerung einfach ohne Einkommen darstellen würde wenn die Industrie geht Und eine kolumbianische Ökonomin hat mir dazu verkürzen, aber dann erklärt das eben es der Worst Case Fall ist wenn die fossile Industrie einfach unvorbereitet abwandert oder eingestellt wird.
00:08:31: Also wenn man einfach so tut als könnte es immer so weitergehen genau dass passiert.
00:08:36: Aber derzeit in Kolumbien wir auch viel in vielen anderen Ländern weltweit fossile Brennstoffe produzieren.
00:08:42: Es wird einfach kaum darauf vorbereitet was die Menschen in der Zeit nach Kohle und nach Öl tun sollen, von was sie leben sollen.
00:08:50: Und ein klares Beispiel von einem Staat der das Erkannte des China setzt seit Jahrzehnten auf die Energiewende und macht andere Staaten von eigenen erneuerbaren Industrien abhängig.
00:09:00: Trotzdem ist China bei der Konferenz nicht dabei und auch große fossile Produzenten wie Saudi Arabien Russland, die USA usw.
00:09:09: nehmen nicht
00:09:10: teil.
00:09:11: Braucht man die nicht am Tisch?
00:09:16: Hilft es aber auch, wenn nicht ständig nur blockiert wird.
00:09:19: Die Staaten wollen die Kopie auch nicht ersetzen sondern einfach ergänzen?
00:09:22: Ja also meine Erwartungshaltung wäre das dadurch dass es eine Koalition der Willigen ist, die ähnliche Ziele zumindest teilen und diese Lohadehaltung auch hinter sich bringen wollen, dass man einen konstruktiven Dialog haben kann.
00:09:35: Dass man vielleicht tatsächlich über Umsetzung stärker auch spricht was das dann konkret bedeutet das werden wir sehen müssen.
00:09:43: Aber die Bereitschaft nach außen zu signalisieren, dass die Staaten dieses Projekts noch nicht aufgegeben haben ist ein positiver Schritt aus meiner Sicht.
00:09:51: und ob sich im Zuge dieser Konferenz neue Allianzen bilden vielleicht auch neue Projekte der Klimaanpassung.
00:10:00: Es ist ja auch im Gespräch auf der rechtlichen Ebene Fortschritte zu machen.
00:10:05: Dann gibt es hier die fossil fuel treaty initiative also tatsächlich wo man mit Rechtsinstrumenten Klimaanpassungen, aber auch einen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen vorantreiben möchte.
00:10:19: Das ist ja etwas das auch möglich sein könnte.
00:10:22: also es könnte durchaus sein dass die Dynamik dazu führt was man sich auf neue Rechtsinstrumente ein.
00:10:27: Aber das hängt natürlich von der Dynamik vor Ort statt und das kann ich nicht gut abschätzen.
00:10:34: Es wird eine zweite Konferenz geben, es ist klar zu machen die kleinen Inselstaaten Das sieht schon eher so aus, als hätte man eine langfristige Perspektive im Blick.
00:10:46: Diesen Herbst findet in der Türkei die nächste Weltklimakonferenz statt und Brasilien, welches ja die letzte Konferenz ausgerichtet hat, hat angekündigt bis zu dieser Konferent einen Fahrplan zum Ausstieg aus fossilen Energien vorzulegen.
00:11:00: Dieser
00:11:01: Fahrplan könnte in Kolumbien auch weiter Gestalt annehmen wie er dann genau aussehen wird das... muss ich erst zeigen, aber viele meinen es ist schon mal ein großer Schritt das sich in diesem Bereich überhaupt etwas tut.
00:11:15: In der aktuellen geopolitischen Situation Ich bin
00:11:18: immer wieder erstaunt dass trotz der geopolitischen Situation Trotz der Kriege die wir jetzt sehen Die multilaterale Umwelt-Diplomativ funktioniert.
00:11:29: Also Staaten kommen trotzdem zusammen und das ist nicht nur im Bereich der Klimaverhandlungen auch in kleineren Verhandlungen öffentlichen Diskurs weniger diskutiert werden und auch in den Medien weniger diskutieren werden.
00:11:41: Also ein Beispiel sind die Tiefseebergbauverhandlungen, die im Juli stattfinden oder die Verhandlungen um ein neues Hochsehschutz abkommen wo in Jena nächsten Jahres die erste Vertragsdatenkonferenz stattfindet.
00:11:53: also diese Klimaverhandlungen sind halt ein Raum der überproportional representierte es in dem medialen Öffentlichkeit.
00:12:02: aber Umweltdiplomatie umfasst Hunderte von Abkommen, das wirkt alles zusammen.
00:12:09: Also diese Blockade die wir ganz stark in den Klimaverhandlungen sehen, das deckt sich nicht mit dem was ich im Bereich der Hochseelschutzverhandlungen oder im Tiefseebergbob wahrnehme wo ein Wille zur Kooperation Immer noch sehr hoch.
00:12:24: Also man kann sagen, es gibt durchaus noch Zusammenarbeit in der Klima- und Umweltpolitik wenn auch in anderen Formaten als man bisher gewohnt ist.
00:12:33: Wir werden zu der Konferenz im Kolumbien nächste Woche natürlich berichten.
00:12:37: Die Texte findet ihr auf der Standort.at.
00:12:40: Das war Edition Zukunft für heute.
00:12:42: Wenn euch der Podcast gefällt dann abonniert uns doch auf Apple Podcasts Spotify oder wo immer ihr uns hört.
00:12:53: Bewerten glaube ich bewerten.
00:12:55: Ich hab jetzt nur abnimmt, genau.
00:12:58: Aber ja... Das war Edition Zukunft für heute!
00:13:01: Wenn euch der Podcast gefällt dann bewertet uns doch auf Apple Podcasts Spotify oder wo immer ihr uns hört.
00:13:06: Wenn ihr Kritik Anregungen oder Feedback für uns habt dann schreibt uns gerne an podcastatestandard.at.
00:13:13: Die nächste Folge-Edition Zukunft erscheinen in zwei Wochen.
00:13:16: Wir sind Philipp Bramer
00:13:17: und Alicia Prager Für Heute.
00:13:19: bedanken wir uns fürs zuhören.
00:13:20: bis bald!
00:13:20: Ciao!