Edition Zukunft

Edition Zukunft

Der STANDARD-Podcast über das Leben und die Welt von morgen

Transkript

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00:00:03: Hallo, ich hoffe, genießt die Feiertage.

00:00:06: Edition Zukunft ist bis Mitte jenen der Weihnachtspause und wir wiederholen deshalb einige der meistgehörten Folgen des Jahres.

00:00:13: In der Folge, die wir euch heute noch mal ans Herz legen wollen, haben wir mit der Verkehrsexpertin Barbara La über autofreie Städte gesprochen.

00:00:21: Die müssen nämlich nicht unbedingt eine Utopie bleiben.

00:00:24: Es ist alles eine Frage guter Planung.

00:00:26: Und Wien ist dabei gar nicht so schlecht aufgestellt, wie viele glauben.

00:00:30: Viel Spaß beim Hören!

00:00:32: Ihr hört Edition Zukunft, den Standard-Podcast über das Leben und die Welt von morgen.

00:00:37: Ich bin Julia Beirat.

00:00:57: An jedem Wochentag rollen rund fourhundert vierundsechzig tausend Personen mit dem Auto nach Wien.

00:01:04: Das ist eine gewaltige Summe, zumal laut Verkehrsklub Österreich durchschnittlich auch nur eine einzige Person in jedem Auto sitzt.

00:01:12: Damit nimmt der Pendlerverkehr viel Platz ein und verursacht neben ungesunden Abgasen auch ziemlich lästige Staus.

00:01:19: Wie könnte das also besser geregelt sein und wie muss Wien generell gestaltet sein, damit weniger Menschen mit dem Auto durch die Stadt düsen?

00:01:28: Darüber und ob Wien jemals eine autofreie Stadt werden könnte, sprechen wir in dieser Folge mit der Verkehrsexpertin Barbara La.

00:01:36: Herzlich willkommen Frau La.

00:01:38: Hallo, danke für die Einladung.

00:01:39: Frau La, Sie forschen sehr viel zu den Themen Mobilitätswende und nachhaltige Stadtentwicklung.

00:01:47: Wie muss denn eine Stadt ganz allgemein konzipiert sein, damit der Individualverkehr, also das Einsteigen von Privatpersonen in das Auto zunächst einmal abnimmt und in ferner, ferner Zukunft eventuell... gar nicht mehr nötig ist.

00:02:05: Das ist natürlich eine große Frage, aber ich fange mal an.

00:02:09: So weit weg von wie Wien, vor allem im Innenstadtbereich, aussieht, ist das gar nicht.

00:02:14: Also wir haben eine gute Grundlage bei allen Städten, die ja so organisch gewachsen sind, in einer Zeit entstanden sind, als es das Auto noch gar nicht gegeben hat.

00:02:24: Das heißt, wie schaut das aus?

00:02:25: Es ist relativ dicht besiedelt.

00:02:27: Das heißt, wir haben eine große Anzahl an Personen auf relativ geringer Fläche.

00:02:31: Und dann haben wir die sogenannte Mischnutzung.

00:02:34: Das heißt, dass Wohnen, Arbeiten und andere Nutzungen vermischt sind.

00:02:38: Und das sorgt für kurze Wege.

00:02:40: Das ist mal die Grundlage dafür, dass ich im Alltag auch zu Fuß unterwegs sein kann oder mit dem Fahrrad, weil ich eben nicht so weite Strecken zurücklegen muss.

00:02:49: Und dann hängt es natürlich noch davon ab, wie die Infrastruktur ausgeschaltet ist.

00:02:54: Also gibt es vor allem große, viele breite Fahrbahnen, die es angenehm machen mit dem Auto zu fahren.

00:03:01: Das bringt dann die Leute natürlich mehr zum Auto fahren im Gegensatz zu, wenn es ein gut ausgebautes Radwegenetz gibt.

00:03:07: Das ist dann eher ein Faktor, wo die Menschen mehr auf das Fahrrad umsteigen.

00:03:12: Auch wie schaut es aus für den Fußgängerverkehr.

00:03:14: Das heißt, habe ich breite Gehsteige, habe ich vielleicht Fußgängerzonen, habe ich gute Übergänge, wo ich dann auch die Fahrbahn queren kann und so weiter.

00:03:22: Also müssen wir es auch historisch betrachten.

00:03:24: Die Städte wurden als das Automobil und die Massenmotorisierung aufgekommen ist.

00:03:29: umgebaut teilweise.

00:03:31: Wann war das?

00:03:32: Wissen Sie das ungefähr?

00:03:33: Wie lange ist das her?

00:03:34: Also ein sehr langer Prozess, aber so richtig angezogen hat das dann nach dem Zweiten Weltkrieg, wo wir dann wieder die Wirtschaft ankurbeln wollten auch, wo die sehr, sehr rasch, sehr, sehr große Veränderungen stattgefunden haben.

00:03:47: Aber die Ursprünger liegen natürlich schon früher zurück und Tatsächlich wurden auch die ersten Straßen eigentlich für das Fahrrad gebaut.

00:03:55: Also es ist einfach eine lange Geschichte der Mobilität, aber vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg hat man gesagt, wir möchten jetzt die autogerechte Stadt.

00:04:03: Das war ein Symbol auch, das Auto für Moderne, für Freiheit und das war sehr, sehr positiv besetzt für einen Kurbeln der Wirtschaft und so weiter.

00:04:13: Historisch betrachtet natürlich verständlich.

00:04:16: und heute kommen wir drauf, was uns das eigentlich für Probleme eingebracht hat und dass es nicht mehr zeitgemäß ist, unsere Städte so rauszulegen.

00:04:24: Und jetzt versuchen wir teilweise diese Entwicklungen wieder rückgängig zu machen bzw.

00:04:29: mit dem Wissen von heute besser zu gestalten.

00:04:34: Ich habe gesagt, also im Innenstadtbereich von Wien haben wir gute Voraussetzungen, wo wir Straßen, die früher schon gemeinschaftlich genutzt waren, dann monofunktional eher für den Autoverkehr.

00:04:44: Das können wir wieder rückgängig machen.

00:04:46: Größere Probleme gibt es in den Außenbezirken.

00:04:49: wo auch die Stadtstruktur eigentlich genau in dem Zeitraum gewachsen ist, wo diese autogerechtsstadt auch verfolgt wurde.

00:04:57: Weil dort tun wir uns schwerer.

00:04:58: Dort sind teilweise monofunktionale Gegenden mit weiten Distanzen, mit Infrastrukturen, die klar aufs Auto ausgelegt sind.

00:05:05: Was sind monofunktionale Strukturen?

00:05:08: Das ist eben genau, wenn es nicht gemischt ist von den Nutzungen her, sondern dass ich nur reine Wohnblöcke habe, die weit entfernt sind von Arbeitsplätzen.

00:05:18: Das heißt, ich kann gar nicht auch zu Fuß einkaufen gehen oder in die Arbeit gehen oder in die Schule gehen, weil es einfach sehr weit weg ist und weil dazwischen vielleicht auch keine sichere Infrastruktur ist, auf der ich mich ohne Auto gut bewegen kann.

00:05:32: Das heißt, in der Wiener Innenstadt wird es teilweise schon gemacht, rückgebaut und ist eher einfacher zu machen.

00:05:39: In den Außenbezirken sind wir von einer Idealforstellung weiter entfernt.

00:05:44: Genau, also es ist sehr schwierig, diese gebauten Strukturen zu verändern, weil das ja auch also Häuser wären auf fünfzig bis hundert Jahre gebaut und die reißt man nicht ab und macht jetzt neue Strukturen, wenn man dazulehrt.

00:05:57: Das heißt, es ist sehr schwierig, in einem langen Prozess dort wieder wegzukommen.

00:06:01: Versuchen wir trotzdem einmal ein Gedankenexperiment, stellen wir uns ein autofreies Wien vor.

00:06:10: Wie könnte diese Version der Stadt dann aussehen?

00:06:12: Was ist da zum Beispiel auf den Straßen los?

00:06:15: In meiner Vorstellung könnte es sehr schön aussehen.

00:06:17: Ich glaube, das Erste, was man bemerken wird, wäre, dass es viel ruhiger wäre, dass der Autolärm weg ist und man wieder andere Geräusche wahrnehmen kann.

00:06:26: Vögel, die zwitschern, die in den Bäumen sitzen, die Bäume, die jetzt mehr Platz haben, weil wir auch weniger Parkplätze im öffentlichen Raum haben, die dort Flächen besetzen, die wir jetzt anders nutzen können.

00:06:39: Es ist auf jeden Fall, es sind mehr Menschen zu Fuß unterwegs und nutzen den öffentlichen Raum auch als Aufenthaltsraum und nicht rein als Verkehrsraum, wo ich schnell durch möchte, sondern wo ich mich mal auf eine Parkbank hinsetze zum Beispiel oder mich einfach auch mit Freunden treffe.

00:06:55: Und es muss auf jeden Fall auch viel grüner werden.

00:06:58: Also wir müssen uns auch an das wärmere Klima anpassen.

00:07:02: Das ist ganz wichtig, dass wir auch hier ein angenehmeres Mikroklima schaffen.

00:07:06: Ja, und in meiner Vorstellung ist es natürlich auch viel angenehmer mit dem Fahrrad zu fahren.

00:07:11: Das ist an den großen Hauptstraßen, wo weiterhin Fahrzeugverkehr sein wird.

00:07:15: Also autofrei ist für mich quasi frei vom Zwang mit dem Auto zu fahren, mit sehr, sehr reduzierter Anzahl von Fahrzeugen.

00:07:22: Ein paar wird es immer geben.

00:07:23: Und an diesen Hauptachsen wird es auch getrennte Infrastrukturen geben für den Radverkehr, aber im niederrangigen Straßennetz, also Nebenstraßen, wo die Menschen eher wohnen.

00:07:33: Dort wird die Fläche im Straßenraum eigentlich eher geteilt wie bei einer Begehungszone oder Wohnstraße, weil wir dort doch einfach engere Gassen haben.

00:07:43: Also das wären mal meine ersten Vorstellungen.

00:07:46: Also in diesem autofreien Wien und ich möchte jetzt noch einmal betonen, dieses autofreie Wien bezieht sich ja in diesem Gespräch nur auf den Individualverkehr und Straßen dann eben auch teilweise anders genutzt werden.

00:07:59: Also wie Sie jetzt gesagt haben, eventuell gibt es mehr Platz für Radfahrerinnen oder auch Fußgängerinnen.

00:08:06: Trotzdem müssen natürlich weiterhin gewisse Dinge gegeben sein, wie zum Beispiel das LKWs zu Geschäften fahren können und so weiter, wenn Straßen jetzt teilweise so in gewisser Weise umfunktioniert werden.

00:08:19: Wie würde das zum Beispiel funktionieren mit Rettungsfahrzeugen, Feuerwehr, Polizei, wäre das dann das genauer selbe Konzept oder müssten wir da irgendwas dazulernen, dass das dann wieder funktioniert?

00:08:34: Das ist eigentlich kein Problem.

00:08:35: Also es wird ganz oft als Argument verwendet.

00:08:38: Wir brauchen ja diese Fahrbahnen, weil die Rettung muss auch kommen und im Allgemeinen ist es bei Umgestaltungen eigentlich sogar leichter, dass die Einsatzfahrzeuge ihr Zielrasch erreichen, weil der Straßenraum natürlich trotzdem noch da ist.

00:08:52: Und wir haben auch Planungsvorgaben, die eine gewisse Fahrbahnbreite frei halten müssen, wo man auch im Falle das Falle durchfahren kann, wenn auch nur in Ausnahmefällen, wie zum Beispiel für Einsatzfahrzeuge.

00:09:04: Und man sieht das auch heutzutage schon, wenn es halt staut, dann kommt die Rettung ja nicht durch und Autos können nur sehr, sehr schlecht ausweichen.

00:09:13: Und teilweise können diese Einsatzfahrzeuge dann vielleicht auch andere Infrastrukturen nutzen.

00:09:17: Also in Paris teilweise, wo sehr breite Radwege geschaffen werden, nutzen diese Fahrzeuge schon die Radwege, weil man dort dann besser durchkommt, als auf den eigentlichen Fahrbahnen, wo sich es dann vielleicht staut.

00:09:28: Und Radfahrerinnen und Zufußgierende, die können auch schneller ausweichen, wenn mal ein Blaulichtfahrzeug kommt.

00:09:35: Und es gibt auch schon Untersuchungen, dass es nicht beeinträchtigt wird bzw.

00:09:39: dass sich die Dauer bis die Einsatzfahrzeuge am Ort des Einsatzes sind, sogar verkürzen kann mit Verkehrsberührungsmaßnahmen.

00:09:46: Und wie würden Menschen dann transportiert werden, wenn sie nicht mehr ins Auto steigen?

00:09:51: Wie wäre denn unser Öffinetz zum Beispiel ausgebaut?

00:09:55: Ist dann alle zehn Meter irgendeine Haltestelle?

00:09:58: oder wie würde das aussehen?

00:10:00: Alle zehn Meter sind ein bisschen übertrieben, aber natürlich mit allen anderen Mobilitätsformen kann man transportiert werden.

00:10:07: In erster Linie sind das die eigenen Füsse, also zu Fuß gehen.

00:10:10: Da gibt es eine gewisse maximale Distanz, die Menschen gehen und das ist auch der Abschnitt, in dem sich die Haltestellen des öffentlichen Verkehrs orientieren sollten.

00:10:19: Das heißt, ein bisschen unterschiedlich von Person zu Person, aber so zwischen nur hundertfünfzig bis dreihundert Meter.

00:10:26: kann man sagen, sollten Haltestellen des öffentlichen Verkehrs liegen, damit Menschen dort zu Fuß noch hingehen.

00:10:32: Mit dem Fahrrad als Zubringer könnte es dann wieder länger sein, da muss man aber auch dafür sorgen, dass gute Abstellanlagen an der U-Bahn-Haltestelle zum Beispiel verfügbar sind oder an der S-Bahn-Haltestelle, wenn wir weiter draußen sind, die auch sicher sind, von Diebstahl geschützt und so weiter.

00:10:47: Und das wären jetzt schon diese multimodalen Wege, das heißt, wo ich mehrere Verkehrsmittel mische, zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem öffentlichen Verkehr.

00:10:56: Die drei fasst man auch zusammen unter dem Begriff Umweltverbund, also quasi die nachhaltigen Verkehrsmittelformen.

00:11:03: Aber Menschen können weiterhin auch noch natürlich mit Fahrzeugen unterwegs sein, die ähnlich wie Autos sind oder Autos sind, aber hoffentlich kleiner, leichter und geteilt, also Car-Sharing.

00:11:15: Das wird es in der Zukunft auf jeden Fall noch geben, aber es muss eine große Verschiebung zu diesem Umweltverbund hingeben.

00:11:22: Jetzt sind aktuell die letzten Zahlen, die ich vom Verkehrsklub Österreich bekommen habe, fünfhundert, sechsohn, siebzig, tausend private PKW in Wien gemeldet.

00:11:35: Ich weiß nicht, ist das viel im Ländervergleich oder wenig?

00:11:39: Also man muss erst einmal unterscheiden, was sind private und was sind nicht private?

00:11:44: Und wir haben eine Tendenz einer steigenden Anzahl an Firmenautos.

00:11:47: Ja genau, also die Firmenautos sind daraus gerechnet.

00:11:50: Genau.

00:11:51: Also ich glaube, wenn man die mit einberechnet, da liegen wir deutlich höher, aber immer noch sehr viel geringer als in anderen Bundesländern.

00:11:57: Genau, das war jetzt vielleicht irreführend.

00:12:00: Ich meinte, mit Länder vergleich auch andere Hauptstädte.

00:12:04: Da habe ich die Zahlen jetzt nicht direkt im Kopf, aber generell ist Wien da schon vorne mit dabei, bei den Hauptstädten und größeren Städten in Europa mit geringerem Autoverkehr, wahrscheinlich auch mit geringerem Motorisierungsgrad, wie wir das in der Fachsprache nennen.

00:12:20: Also da liegen wir schon relativ weit unten.

00:12:23: Meine Sorge ist nur, dass wir ein bisschen den Anschluss verlieren, weil sich das nicht weiter reduziert.

00:12:29: Und wir sehen auch wieder diese Unterschiede bei der Anzahl der Fahrzeuge zwischen Innenbezirken und Außenbezirken.

00:12:36: Also wir haben in vielen inneren Bezirken seit Jahren sinkende Motorisierungsraten.

00:12:41: Das sind teilweise in absoluten Zahlen.

00:12:43: Tausende von Autos weniger eigentlich im Bezirk gemeldet.

00:12:47: Während das in Außenbezirken teilweise weiterhin ansteigt.

00:12:50: Also ich glaube, Leasing ist da der Vorreiter, die einen sehr hohen Motorisierungsgrad haben.

00:12:57: Also, ein bisschen differenzierter ansehen, aber von der Ausgangslage sind wir in Wien eigentlich gut dabei, würde ich sagen.

00:13:04: Das ist ja schon mal eine gute Nachricht.

00:13:07: Trotzdem sind wir in Österreich.

00:13:09: ein kleines Land und das Argument, dass wir im Klimawandel nichts bewirken können, weil es da große Player gibt wie China und die USA.

00:13:19: Hört man ja immer wieder, wird dann teilweise auch wiederlegt.

00:13:22: Aber ich frage mich, hätte ein autofreies Wien überhaupt eine Auswirkung auf den Klimawandel, was die Emissionen betrifft?

00:13:30: Die direkten Auswirkungen sind wahrscheinlich vernachlässigbar, aber ich glaube, das ist auch ... wichtige Indirekte gibt und dass wir auch Anpassungsmaßnahmen machen müssen, die wichtig sind, die mit der ideen autofreien Stadt einhergehen.

00:13:44: Also vielleicht nochmal zurückkommend.

00:13:46: Natürlich, der Verkehr ist auf Wien bezogen derzeit der größte Emittent von CO²-Emissionen.

00:13:53: Das heißt, wir müssen hier was verändern und haben einen großen Hebel, wenn wir sagen, wir steigen um auf andere Verkehrsmittel als den fossilen Pkw.

00:14:02: Das würde was bringen für die CO²-Missionen von Wien.

00:14:07: Natürlich ist das jetzt nur ein kleiner Teil von Österreich, von Europa, von der Welt und so weiter.

00:14:12: Es bleibt aber nicht dabei.

00:14:13: Also diese Umgestaltung hat natürlich auch eine Vorbildwirkung und kann eben auf andere Städte in Österreich, aber auch in Europa wirken.

00:14:22: Also es wird der ZDE viele schauen nach Paris, wo... sehr rasch, sehr viel verändert wird.

00:14:28: Und ich denke, das kann auch ausstrahlen auf andere Länder, dass es nachgeahmt wird und so mehr ins Rollen kommt.

00:14:33: Also diese indirekte Wirkung, würde ich sagen, ist auch vorhanden.

00:14:37: Und dann gibt es noch viele andere gute Gründe, warum man Nachhaltigkeitsmaßnahmen im Verkehrsbereich umsetzen sollte, die eine Verbesserung der Lebensqualität bringen und nicht zuletzt eben, um das Mikro-Klima in der Stadt zu verändern.

00:14:52: kühler zu machen, weil die Erhitzung wird kommen, egal wie wir jetzt weiter mit den Emissionen tun.

00:14:58: Sie haben es schon angesprochen.

00:14:59: In Paris schauen wir noch etwas über die Landesgrenzen hinaus.

00:15:04: In welchen Städten, anderen Ländern wird denn Individualverkehr teilweise schon großflächig ausgesperrt?

00:15:12: oder wo kann man sich als Stadt Wien eventuell was abschauen?

00:15:18: Es gibt viele Städte, die interessante Dinge machen und ich sage immer, Keine macht alles richtig, aber es gibt viele Bereiche, die man sich anschauen kann.

00:15:26: Und vielleicht

00:15:27: ein

00:15:28: Wort noch zum Begriff Individualverkehr.

00:15:30: Also, was wir oft sagen, ist der motorisierte Individualverkehr.

00:15:34: Das ist auch in den Verkehrsstatistiken und so weiter.

00:15:37: Das besagt alles, wo eine Person im Eigenständigen unterwegs ist, motorisiert.

00:15:42: Dazu zählt dann aber zum Beispiel auch das Motorrad.

00:15:45: Und Individualverkehr streng genommen ist mit dem Fahrrad fahren und zu Fuß gehen auch Individualverkehr.

00:15:51: Ich sage gerne, dass wir vor allem dem privaten PKW-Verkehr einschränken müssen und da vor allem den fossilen Betriebenen.

00:15:59: Was es auch nicht unbedingt einfacher macht, aber nur um nachher auf diesen Begriff einzugehen.

00:16:03: Und jetzt zu den internationalen Beispielen.

00:16:06: Also ich habe Paris schon genannt.

00:16:07: Dort ist das Beeindruckende, wie rasch und konsequent Verbesserungen für den Radverkehr durchgesetzt werden.

00:16:14: Also wie dort wirklich auch auf dem breiten Boulevard Radwege gebaut werden und Fahrspuren und Parkspuren dafür verwendet werden.

00:16:22: Das hat doch während der Covid-Krise nochmal eine Beschleunigung bekommen, weil dort temporäre Radwege geschaffen wurden, die jetzt in Permanente umgebaut werden.

00:16:32: Also man hat diese Chance genutzt.

00:16:34: Und Paris finde ich auch spannend, weil sie vor allen Schulen Verkehrsberührung gemacht haben.

00:16:39: Also auch sehr rasch gesagt im Okay vor allen unseren Schulen möchten wir quasi autofreie Schulvorplätze schaffen.

00:16:46: Und mit so Gittern hat man das recht schnell geschaffen und die werden jetzt auch nach und nach umgebaut, begrühen mit Sitzgelegenheiten, dass sich da die Kinder dann auch aufhalten können.

00:16:55: Genau, dann gibt es noch andere Konzepte.

00:16:58: In Barcelona gibt es zum Beispiel dieses Superblock-Konzept und sie haben jetzt gesagt, wo die Autos ausgesperrt werden.

00:17:05: Was dort das Spannende ist, ist, dass man sich dieses Raster von Häuser blöcken, das ist sehr regelmäßig.

00:17:12: in Barcelona und dort nimmt man sich dreimal drei Häuserblocken und sagt, das ist ein Superblock und versucht eine Rehärisierung vom Straßennetz.

00:17:19: Das heißt, außerhalb sind weiterhin wichtige Straßen, die nicht verändert werden oder teilweise verändert werden, wo auch der öffentliche Verkehr abgewickelt wird.

00:17:27: Und innerhalb wird Verkehrs beruhigt, aber nicht mit Verboten oder mit Aussperren, sondern mit kluger Verkehrsorganisation, dass man Einbahnführungen schafft, dass man Polar aufstellt und dadurch sogenannte modale Filter und das bedeutet dann, dass ich z.B.

00:17:45: mit dem Fahrrad oder zu Fuß weiterhin durchfahren kann, mit dem Auto aber abbiegen muss.

00:17:49: Und so unterpinnt man den Durchzugsverkehr.

00:17:52: Das heißt, es gibt keine Schleichwege mehr durch das Wohngebiet, aber die Zufahrt zu allen Häusern ist immer noch möglich.

00:17:59: Das ist, finde ich, schlau, weil man sagt, das ist kein Verbot, sondern einfach nur eine kluge Verkehrsplanung, um mich trotzdem Verkehrsberührung zu schaffen, das sich auch ausrollen lässt auf die gesamte Stadt.

00:18:10: Dann gibt es ein ähnliches Konzept, zum Beispiel in Ghent, den sogenannten Traffic Circulation Plan, der funktioniert ähnlich wie die Superblocks, nur schon auf Gesamtstadt eben, also da wird die Stadt unterteilt in gewisse Zonen und von einer Zone in die andere kommt man nur, indem man über eine äußere Ringstraße fährt.

00:18:28: Das heißt man hat in der gesamten Stadt eigentlich diesen Durchzugsverkehr unterbunden und man kann aber trotzdem noch überall zufahren, also auch die Einsatzfahrzeuge, von denen wir vorher gesprochen haben.

00:18:37: Also es gibt kluge Konzepte, die dann natürlich auch verbunden werden müssen mit Verbesserungen für den Radverkehr.

00:18:44: dass es auch funktioniert, wo auch die Raumplanung, also die Verteilung von den Nutzungen mitgedacht werden muss.

00:18:51: Es gibt noch einige Beispiele, aber ich glaube, das findet auch soweit, wenn ich die alle noch aufziehe.

00:18:55: Was mich noch interessieren würde, wenn Verkehrskonzepte neu gedacht werden oder wenn auch diskutiert wird, den Autos weniger Platz zu geben, die Autos herumfahren zu lassen, bis er jetzt in manchen Konzepten ist, die sie beschrieben haben,

00:19:11: da

00:19:11: Frage ich mich in der Nachwirkung, wie sind denn diese Maßnahmen jetzt bei den Menschen angekommen?

00:19:17: Mögen die das jetzt?

00:19:18: Geht es denen wahnsinnig auf die Nerven?

00:19:20: Gibt es da ein Feedback?

00:19:22: Ja, auf jeden Fall.

00:19:23: Und das Spannende ist, dass meistens, bevor man diese Maßnahmen einführt, ist es sehr kontrovers.

00:19:29: Also, da gibt es sehr viele, die dagegen sind.

00:19:31: Oft auch welche, die dafür sind.

00:19:33: Natürlich sind es jetzt nicht umgesetzt.

00:19:35: Und dann sieht man aber, dass nach der Umsetzung steigt die Zustimmung.

00:19:39: Das heißt, die Menschen können sich vielleicht gar nicht vorstellen, wie es nachher wird und dass es besser sein könnte.

00:19:45: Und man gewöhnt sich dann aber eben auch daran.

00:19:48: Man hat das auch in Wien gesehen oder umgestaltung von der Marilverstraße.

00:19:51: Da gab es ja auch eine Befragung, die ganz knapp dafür ausgegangen ist.

00:19:54: Und dann hat man ein paar Monate später nochmal gefragt, sondern waren schon, ich glaube, über siebzig Prozent dafür.

00:19:59: Und wenn man heute fragen würde, ich glaube, niemand würde diese Straße wieder rückbauen wollen in den ursprünglichen Zustand.

00:20:05: Das heißt, das ist ein bisschen problematisch.

00:20:07: Wie schafft man Die Zustimmung, die Unterstützung von der Bevölkerung, da braucht es meiner Meinung nach schon auch mutige Politikerinnen.

00:20:16: Und es ist aber auch wichtig, dass man die Menschen mitnimmt und mit Beteiligungsmaßnahmen zieht.

00:20:20: nicht nur informiert, sondern auch mitreden lässt.

00:20:23: Also oft sind da ja Ängste steckender hinter oder Sorgen oder berechtigte Interessen, wo die Menschen Angst haben, dass das dann nicht mehr funktionieren wird.

00:20:32: Und wenn man das dann in der Planung berücksichtigen kann, dass zum Beispiel gewisse Lieferzonen für Geschäfte berücksichtigt werden, oder muss man sich anschauen, was dann da aufkommt, aber dann funktioniert das eigentlich.

00:20:45: Das heißt, wichtig wäre, dass es auch ein badezipativer Prozess ist, wo die Menschen mit eingebunden sind?

00:20:51: Ja, das finde ich auch wichtig.

00:20:53: Noch einmal zurück zu den Konzepten, die Sie jetzt aus Paris, Barcelona und Ghent beschrieben haben, können diese Konzepte auf Wien umgelegt werden, weil ich denke mir, jede Stadt ist so unterschiedlich aufgebaut.

00:21:08: Was bringt das eigentlich, dass man sich das anschaut?

00:21:11: Natürlich kann man die meisten Konzepte nicht eins zu eins in jeder Stadt auch genauso durchführen.

00:21:17: Man kann sich natürlich Inspiration holen, man kann sich ansehen, was ist jetzt die genaue Funktion von diesen Maßnahmen.

00:21:23: Und gerade bei Superblocks wird in Wien ja auch unter dem Namen Supergretzel schon das erste Wohnviertel auf die Art beruhigt, was auch gut funktioniert und wo hoffentlich viele weitere Folgen werden.

00:21:36: Natürlich dieses Konzept von Gent, dafür ist Wien wahrscheinlich.

00:21:40: zu groß, aber man kann sich dann überlegen, ob das eben im kleineren Durchführer ist.

00:21:44: Und da sind wir dann wieder bei so Konzepten wie beim Supergrätzchen.

00:21:47: Also es hilft auf jeden Fall, es hilft auch zu sehen beim Thema Zustimmung, wie die Menschen darauf reagieren zum Beispiel, was es auch für eine Wirkung hat, verkehrlich, führt das dann zu Staubproblemen oder reduziert sich die Nutzung vom Autoverkehr.

00:22:01: Und da gibt es schon sehr viele Beispiele auf der ganzen Welt und gerade aktuell vielleicht auch das Thema City-Maut, also dass man bezahlen muss, um in die Stadt hineinzufahren, was es schon in London und Stockholm und jetzt neuerdings eben in New York gibt, wo man sofort drastische Veränderungen sieht, wo man sich dann natürlich anschauen muss, okay, wer fährt da wohin?

00:22:20: Und das ist auch eine sozialgerechte Maßnahme.

00:22:22: Also das ist dann wieder von der Stadtstruktur abhängig.

00:22:26: Bringt auf jeden Fall was da über den Tellerrand zu blicken und zu schauen, welche Elemente davon in der eigenen Stadt auch umsetzbar wären.

00:22:33: Natürlich wäre es auch schön, wenn wir sagen, Wien findet seinen eigenen Weg und das Modell der Wiener Verkehrsberührung und für mich ist auch die Parkraumbewirtschaftung, die wir in Wien haben, ist schon so ein Wiener Weg und auch der öffentliche Verkehr, der auch schon sehr gut ausgebaut ist.

00:22:51: Wo man noch ein bisschen nachbessern kann, ist eben diese Verkehrsbegehung in Wohngebieten und der Radverkehr ganz klar.

00:22:57: Können Sie das noch erklären?

00:22:59: Die Parkraumbewirtschaftung in Wien ist ein Wiener Weg.

00:23:01: Wie sieht der aus?

00:23:03: Also wir haben jetzt seit ein paar Jahren flächendeckende Parkraumbewirtschaftung und das hat er auch gestartet, der Wiener Weg mit einem Bezirk, wo am Anfang auch ganz viele dagegen waren.

00:23:15: Und dann hat man gesagt, man probiert das jetzt in der Innenstadt aus.

00:23:18: Man macht Kurzparkzonen.

00:23:20: Das heißt, Es ist nicht erlaubt länger stehen zu bleiben und man muss für das Parken bezahlen.

00:23:24: Und wenn ich aber in dem Bezirk wohnhaft bin, kann ich mein Auto anmelden, dass ich dort stehen darf und muss dann auch bezahlen dafür.

00:23:32: Und das hat sich bewährt und ist dann auch übergeschlagen auf benachbarte Bezirke, bis wir jetzt eben Flächendecken in ganz Wien dieses Modell haben, was auch noch verbessert werden könnte.

00:23:45: Wenn man das klug... Ausbau zum Beispiel braucht man nicht unbedingt eine City-Maut.

00:23:50: Also es gilt immer abzuschätzen, was hat man schon in dieser Stadt oder was braucht man noch, was macht Sinn auch mit den Stadtumlandbeziehungen und so weiter.

00:23:59: Da muss jede Stadt ihren eigenen Weg finden.

00:24:02: Die Stadtumlandbeziehungen meinen Sie damit auch die Pendlerinnen, die jeden Tag reinkommen, wenn ja, Ich glaube, viele Pendlerinnen haben schon eine gute Möglichkeit, in den Zug zu steigen, das Auto entweder beim Park & Ride stehen zu lassen oder vielleicht schon von zu Hause aus.

00:24:18: Wie könnte man da noch mehr machen?

00:24:21: Genau, Stadt Umland ist vor allem auch die Menschen nach Wien kommen, um zu arbeiten.

00:24:26: Und da gibt es auch einen sehr hohen Anteil vom Autoverkehr, nämlich hier hat die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung schon Effekte erzielt.

00:24:36: Ich glaube, einige haben schon die Möglichkeit, auf den Zug umzusteigen, noch nicht alle wahrscheinlich.

00:24:41: Man könnte hier bestimmt noch Verbesserungen erzielen, also auch bei den Anbindungen, also wie die Menschen in ihren Heimatgemeinden dann auch zu dem öffentlichen Verkehr kommen zum Beispiel.

00:24:53: Wichtig bei meiner Meinung nach auch den öffentlichen Verkehr über den Startraum hinaus.

00:24:58: auszubauen.

00:24:59: Das war ja mal im Planung mit einer Verlängerung der Straßenbahnen nach Niederösterreich zum Beispiel.

00:25:03: Also wir haben zwar von den ÖBB die Schnellbahnen, aber es wäre durchaus denkbar, dass zum Beispiel Busse oder Straßenbahnen auch über die Stadtgrenze hinausfahren.

00:25:12: Zusätzlich sollte man sich auch überlegen, wie kann man um Wien herum oder vor allem im ländlichen Raum eigentlich auch stärken, dass die Menschen überhaupt nicht mehr pendeln müssen, dass vielleicht wieder mehr Arbeitsplätze dort gibt, wo sie leben, dass wir hier auch die Wege wieder verkürzen, wo wir wieder am Anfang sind, wo wir schauen, okay, wie müssten die Strukturen überhaupt sein, dass ein autofreies Leben möglich ist.

00:25:32: Dann kommen wir wieder zum Anfang zurück und zu meiner Ausgangsfrage, die kommt jetzt ganz zum Schluss.

00:25:41: Das kann man natürlich nicht so genau sagen.

00:25:43: Also ich bin auch der Meinung, man kann die Zukunft nicht prognostizieren, sondern man kann sie gestalten.

00:25:49: Das heißt, es hängt davon ab, welche Rahmenbedingungen wir in der nächsten Zeit schaffen, ob Wien jemals autofrei wird und wie das aussehen wird und wie schnell das gehen wird.

00:25:58: Aber ich glaube, Mit den richtigen Maßnahmen können wir in den nächsten zwanzig, dreißig Jahren viel erreichen und den Autoverkehr zumindest so reduzieren, dass wir zum Beispiel klimaneutral sind und eine sehr hohe Lebensqualität in Wien schaffen.

00:26:13: Frau Lauf, vielen Dank für das

00:26:14: Gespräch.

00:26:15: Gerne.

00:26:16: Und damit auch ein herzliches Dankeschön an euch, liebe Hörerinnen.

00:26:20: Was denkt ihr?

00:26:21: Wird Wien jemals autofrei sein?

00:26:23: Schreibt uns euren Kommentar gerne auf der Standard.at-slash-zukunft.

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00:26:45: Alles Gute und bis zum nächsten Mal!