Der STANDARD-Podcast über das Leben und die Welt von morgen
00:00:00: Dieser Podcast ist eine endgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit dem Museumsquartier
00:00:09: Wien.
00:00:10: Die redaktionelle Verantwortung liegt beim Standard.
00:00:13: Ihr hört Edition "Zukunft Klimafragen" den Standard-Podcast über Klima und Umwelt.
00:00:19: Ich bin Alicia Prage und ich bin Julia Bayer.
00:00:41: Bienen, Blumenwiesen und Wälder sind wohl die ersten Bilder, die den meisten bei dem
00:00:46: Wort "Biodiversität" in den Kopf schießen.
00:00:49: An Städte, dicht besiedelte Wohngebiete und ausfaltierte Straßen denkt dabei wohl kaum
00:00:54: jemand.
00:00:55: Allerdings zu Unrecht.
00:00:57: Denn obwohl Städte und eine Tier- und Pflanzenvielfalt auf den ersten Blick nicht unbedingt
00:01:02: zusammenpassen, bieten Obane Räume sehr wohl eine Vielzahl an Nutzungsmöglichkeiten.
00:01:08: Was muss in einer Stadt getan werden, damit sich Insekten, Vögel, Säugetiere, Sträucher
00:01:13: und Bäume dort wohlfühlen, wo hinten Österreichs Städte, hinterher und in welchen Bereichen
00:01:19: sind sie vielleicht Vorreiter?
00:01:20: Dazu haben wir euch heute eine besondere Folge mitgebracht.
00:01:25: Wir haben mit Biodiversitätsforscher Franz Essel und der Direktorin des Museumsquartiers
00:01:29: Wien, Bettina Leidel im Museumsquartier live auf der Sommerbühne diskutiert.
00:01:34: Da würde ich gleich gerne mit Ihnen beginnen, Frau Leidel.
00:01:40: Sie haben ja vor zwei Jahren das Projekt "M-Q-Go-Screen" ins Leben gerufen und auch einen Landschafts-Architektur-Wettbewerb
00:01:50: in Zuge dessen gestartet.
00:01:51: Und da war das Ziel, dass das Museumsquartier begrünt werden soll innerhalb von drei Jahren.
00:01:57: Jetzt würde ich gern wissen, wie sieht es denn bisher aus, was ist denn schon geschehen
00:02:01: und was ist noch in der Planung?
00:02:02: Also danke vielmals und auch von meiner Seite herzlich willkommen im Museumsquartier.
00:02:10: Die Strategie "M-Q-Go-Screen" ist ja eine große Strategie, die ausloten soll, wie ein
00:02:20: Areal wie das Museumsquartier auch in die Zukunft geht, auch zukunftsfit wird.
00:02:27: Also diese große Schlagwort-Transformation, der Gesellschaft-Transformation, auch dieses
00:02:34: Kulturquartier.
00:02:35: Es ist das größte Kulturquartier Europas mit über fünf Millionen Besucherinnen und
00:02:42: Besucher im Jahr mit einer Proto-Geschossfläche von über 150.000 Quadratmeter, aber auch die
00:02:51: größte durchgehende Grünanlage des siebten Bezirks.
00:02:56: Das ist eher erschreckend, dass es so wenig auch Grünflächen hier im siebten Bezirk gibt
00:03:02: und wie kann man das Museumsquartier oder welche Aufgaben haben, wie um das Museumsquartier
00:03:09: in die Zukunft zu führen.
00:03:11: Wir erinnern uns an die Agenda 2030, an die SDGs, an Klimaneutralität bis 2040, in
00:03:20: Wien, auf europäischer Ebene bis 2050 und wenn man daran denkt, Klimaneutralität bis
00:03:27: 2040, dann ist das nicht mehr so lange hin, also wir haben da jetzt noch 15 Jahre und
00:03:35: hier die Schritte zu setzen, wie raus aus den fossilen Brennstoffen, Umstieg auf grüne
00:03:42: Energie, also Fotovoltaik, Fernkelde und all diese Maßnahmen zu setzen, das ist auch unsere
00:03:51: Aufgabe, das sind alles auch Pilotprojekte, Machbarkeitsstudien, die wir durchgeführt
00:03:57: haben, aber die sieht man auch nicht, das sind die Dinge und die Begrünung des Museumsquartiers
00:04:04: ist ja auch etwas, wo wir unser M-Kugo-Screen, auch unsere Positionen, auch gut einer breiteren
00:04:12: Öffentlichkeit auch kommunizieren können und eine Vorreiterrolle einnehmen.
00:04:18: Darum haben wir auch diesen Landschaftsarchitektinnen-Wettbewerb gemacht, mit der Aufgabe hier dem Boden zu
00:04:25: entziegeln, also wo das natürlich möglich ist, es müssen natürlich Bereiche noch gepflastert
00:04:31: sein, weil wir haben ja die Einsatzfahrzeuge Feuerwehr, Rettung, aber auch die Anlieferungen
00:04:39: für die Kunstwerke in den Häusern, aber trotzdem, wenn Sie sich die Fotos jetzt zum Beispiel
00:04:44: vor fünf, sechs Jahren ansehen oder zu Beginn, wo das Museumsquartier eröffnet wurde, ist
00:04:51: es natürlich von Architekten gestaltet, dass natürlich die Architektur im Vordergrund
00:04:56: steht, dass die Architektur gut zur Geltung kommt, deshalb diese Plätze, damit natürlich
00:05:02: die Architektur nicht vom Grün verbaut ist oder verwachsen ist.
00:05:08: Und hier haben wir den Entwurf an D&D-Architekten, Landschaftsarchitekten gemacht, wir haben
00:05:14: begonnen mit einer temporären, also mit diesen Pflanzen-Pots, um auch auszuprobieren, wo
00:05:21: funktioniert es, wo stören wir die Sichtachsen, wo können wir eine gewisse Verdichtung auch
00:05:27: herstellen und wir beginnen nun, wir sind jetzt soweit auch um zu wissen, wie leiten
00:05:33: wir das Regenwasser ein, das Prinzip der Schwarmstadt, das sind ja alles auch Projekte, die wir berücksichtigen
00:05:41: und es wird jetzt im Oktober werden hier im Haupthof die ersten Pflanzeninseln auch fix
00:05:47: verpflanzt und natürlich mit dem Ziel auch weiterzugehen, es gibt die ersten Fassadenbegrünungen
00:05:55: im Hof vom Architekturzentrum, also wir arbeiten uns auch hier an die Veränderungen herein,
00:06:03: aber natürlich wir wissen, dass gerade Begrünungen des Entziegeln auch die Temperatur senkt und
00:06:12: wir haben ja vorher ist ein bisschen auch gesehen, wie die Sonne, Sie haben ja gesagt,
00:06:16: wie lange ist die Sonne noch hier und ich habe gesagt, ja ungefähr bis jetzt ist eine Wolke
00:06:21: da, sonst ist es bis 19 Uhr, aber zum Mittag ist der Platz eigentlich nur eingeschränkt,
00:06:28: im Sommer nutzbar, weil es einfach zu heiß ist. Herr Essel, es schaut total schön aus,
00:06:34: die grünen Inseln, die wir vor uns sehen, was bringt das für die Biodiversität in der Stadt,
00:06:39: also wie weit geht dann Nutzen der Begrünung im MQ? Ich sehe sie auf der Bühne und sehe auf
00:06:45: sie hinunter, aber ich höre auch, wer hinter mir noch auf der Bühne ist und glaube sogar schon,
00:06:50: welche zwischen ihnen herumlaufen, sehen sie sind sehr wenig Scheiß in Hausspazen und
00:06:54: sie hören es auch schildpen, wenn sie genau aufpassen, sie werden es hören und das ist
00:06:58: der Einstieg in diese Frage oder meine Antwort auf diese Frage. Hausspazen sind eigentlich ursprünglich
00:07:03: Arten, die ganz stark mit der landwirtschaftlichen Nutzungen hergehen. Bei Bauernhöfen können
00:07:08: Spazen dazu genauso wie Schwalben, weil sie die Hörner einsammeln. Hier sammeln sie wohl ihre
00:07:13: Brotreste oder andere Essensreste ein von den vielen fünf Millionen Besuchern des Museumsquartiers,
00:07:19: aber ich habe diese Art jetzt herausgegriffen, weil es tatsächlich erstens hier ist, anschaulich ist
00:07:24: und weil es auch zeigt, dass Arten darauf reagieren, dadurch dass mehr Grün hier ist, können auch
00:07:29: Vogelarten, die sonst in einer so urbanen, dicht verbauten und versiegelten Umgebung wie hier,
00:07:35: nicht schaffen würden vorkommen und zur Begrünung, ja es macht sicher was aus. Lokalt klimatisch,
00:07:42: wichtig ist es hier auch mehr Schattenbäume zu haben, würde ich sagen, weil das natürlich im
00:07:46: Hochsommer wahrscheinlich ein ganz entscheidender Faktor ist, es gibt aber zwei Arten vom Pflanzen
00:07:52: hier, das was auffällig und unübersehbar ist, das ist alles, was hier angepflanzt wurde, sie
00:07:57: sehen es, wenn sie sich umsehen, aber es gibt Anpassungskünstler und die greife ich auch ganz
00:08:02: kurz heraus, das sind bei den Pflanzen in sollen ein Lebensraum, der eben so intensiv betreten wird,
00:08:08: Pflanzen die dann in den Pflasterritzen wachsen. Schauen Sie mal am Boden, das schaut zwar leblos aus,
00:08:13: aber zwischen den Pflasterplatten wachsen Pflanzen gar nicht zu wenige Arten und zum Beispiel bei den
00:08:19: Baumscheiben auch und nur um Ihnen zu zeigen, was Sie da finden können, auch was mitgenommen,
00:08:24: ich weiß es ist weit weg, keine Sorge, Sie werden sehr schwer erkennen von unten, aber Sie können
00:08:28: auch später zu mir kommen und ich zeige es Ihnen, zum Beispiel das hier, das ist ein Sauerklee,
00:08:34: vielleicht kennt den werden, gibt es auch im Wald, die kann man essen, schmeckt ähnlich wie Sauerrampfer,
00:08:39: schmeckt sehr gut, der wächst dort drüben, 10 Meter von uns oder hier die Blätter einer Malweih,
00:08:44: eine sehr schön blühende Pflanze, die wird wahrscheinlich nächstes Jahr blühen heuer macht
00:08:48: sie die Rosetten oder auch typische Wiesenpflanzen, wie das hier, das ist das Blatt einer Schafgabe,
00:08:54: ja die kennen vielleicht viele von Ihnen, das findet sie alles hier, 10 Meter von der Bühne
00:08:59: bei dem Ahrhorn da drüben. Ja Herr Eslich, ich würde da gerne nachhaken, Sie haben den Hausspazier
00:09:05: schon erwähnt, wie hat sich denn die Biodiversität in der Stadt in den letzten 50 Jahren verändert?
00:09:10: Städte haben sich sehr stark verändert, wir Menschen haben sich sehr stark geändert und
00:09:15: wir würden da ganz wenige Punkte herausgreifen und ich möchte erstens vielleicht auch betonen,
00:09:19: Städte sollen ein Lebensraum für uns Menschen sein, aber natürlich, wenn sich viele andere
00:09:24: Arten in Städten wohlfühlen, fühlen sich auch meistens Menschen wohl, das ist glaube ich ein
00:09:29: wichtiger Punkt. In den letzten 50 Jahren war eine starke Transformation, dass es einerseits Städte
00:09:35: sind wirklich viel urbaner geworden, im Sinne von dass die Selbstversorgung, die ein essenzieller
00:09:41: Bestandteil waren, Schrebergärten waren ursprünglich Selbstversorgungsgärten, auch Gärten am
00:09:46: Stadtrand, das hat ganz viele gründe gehabt, ökonomische gründe gehabt, Hühnerhaltung,
00:09:50: Kaninchenhaltung, all das war Teil der Stadt, des Stadtlebens, das finden sie heute nicht mehr in
00:09:56: der Stadt. Gleichzeitig sind Städte viel stärker versiegelt geworden, als Falkt und Beton ist eine
00:10:03: Erfindung der Nachkriegszeit, es ist nicht keine Erfindung, aber in die Fläche gegangen ist in
00:10:07: der Nachkriegszeit und die Automobilität fordert auch ihren Tribut, vor allem in der Flächen in
00:10:11: Anspruchnahme und gekoppelt ist, dass in einer Stadt wie Wien, die ja in den letzten 20 Jahren
00:10:17: deutlich gewachsen ist, aber es ist immer noch kleiner in der Bevölkerungszahl gemessen als
00:10:22: 1913, knapp zwar nur aber immerhin, dennoch ist heute doppelt so viel verbaut. Der Stadtrand von
00:10:29: Wien ist heute eigentlich nicht mehr in der Stadtgebiet von Wien, sondern wenn sie nach Süden
00:10:33: von dieser Stadtrand von Wien, vielleicht in Baden, in Fösendorf, nach Osten in Schwächerd oder
00:10:38: im Marchfeld und das ist eine starke Veränderung, dass die Fläche in die sehr stark gewachsen ist
00:10:44: und auch wenn Wien von einem Wiesen- und Waldgürtel umgeben ist, ein ganz wichtiges planerisches
00:10:49: Instrument ist, um auch Grünflächen zu erhalten, für Biodiversität, aber auch für die Erholung,
00:10:53: muss man ehrlich sagen, jenseits oder innerhalb dieses Wiesen- und Waldgürtels gibt es einen
00:10:59: zweiten Gürtel, das ist der Speckgürtel der Stadt mittlerweile und das ist natürlich ein
00:11:03: Problem, dass diese Stadt sozusagen wie ein Teig, der über den Tellerrand drin in die Fläche,
00:11:07: in das umliegende Umland hinaus wächst, mit allen den Problemen, die das vorsagt.
00:11:11: Frau Leitler, als Direktorin von Museumsquartier, welche Rolle kann dann Kunst für die Stärkung
00:11:18: der Atemvielfalt spielen? Es gibt natürlich Künstler, die sich sehr starken mit den
00:11:23: aktuellen Fragen unserer Zeit auseinandersetzen und auch zahlreiche Künstler, die jetzt auch auf
00:11:31: die Veränderung jetzt wie den Verlust der Biodiversität ansprechen. Wir haben letzten Herbst
00:11:38: eine Ausstellung von Ursula Biemann, eine Schweizer Künstlerin gehabt, die sich sehr stark
00:11:45: mit dem Klima, mit der globalen Klimakrise auseinandergesetzt hat oder Edgar Honnetschläger,
00:11:51: der mit einem österreichischen Künstler, der viel in Italien arbeitet, eine großartige
00:11:57: Initiative hat mit GO Bucks GO, wo er es ganz stark auf die Biodiversität und auch auf diese
00:12:05: sozusagen diese Städten auch reagiert und die hervorhebt, dass eben auch kleine Flächen extrem
00:12:14: notwendig sind für die Biodiversität, für die Atemvielfalt, weil auch jedes Lebewesen,
00:12:21: ob das jetzt ein kleiner Käfer ist, ein kleiner Vogel, ist wahnsinnig wichtig, um das Gleichgewicht
00:12:29: auch aufrecht zu erhalten. Und wie wir wissen, es wurden ja vor kurzem neue Berichte veröffentlicht
00:12:37: über den Zustand der Biodiversität jetzt auch in Europa, in Österreich und wie viele Arten hier
00:12:44: gefährdet sind, hier spricht man von bis zu 80 Prozent der Arten, die hier in Österreich beheimatet
00:12:52: sind aus unterschiedlichen Gründen, ob es die Landwirtschaft ist, ob es die Mobilität, die
00:12:57: man gerade erwähnt habe, aber natürlich auch inversive Pflanzen, die die heimische Fauna und
00:13:04: Flora auch beeinträchtigen und dezimieren. Und somit Kunst kann eine sehr komplexen Inhalt
00:13:11: sehr greifbar machen, sehr verständlich machen, auch mehr Leute ansprechen. Ich würde vielleicht aus
00:13:18: meiner ein bisschen anderer Sichtweise, aber ich möchte einen Punkt da noch aufgreifen, weil ich
00:13:23: glaube, ich finde es ganz wichtig, dass gesellschaftliche Themen wie zum Beispiel was bedeutet Atemvielfalt
00:13:28: oder Grün oder Natur in der Stadt auch künstlerisch aufgegriffen illustriert oder auch hinterfragt
00:13:34: werden. Ich finde das ganz wichtig und daher finde ich es auch sehr gut, dass gerade so eine ganz
00:13:38: wesentliche Kulturinstitution, wie sie das Museumsquartier hier in der Stadt ist, sozusagen im
00:13:43: Herzen von Wien, das auch wirklich macht und zu einerseits das auch sichtbar macht. Was kann
00:13:48: ein bisschen Stadtwildnis bedeuten an der Zweierlinie mit diesem kleinen Quadrat, das draußen seit einigen
00:13:54: Jahren nur einmal im Jahr gemäht wird, also eine Wiesenfläche, vielleicht haben sie es auch schon
00:13:58: gesehen, von einer Künstlerin und das zeigt eben ja auch Wildnis kann etwas sein, das auch in
00:14:04: einer Stadtplatz oder auch in einem Kunstkontext Platz findet und das finde ich auch ganz wichtig,
00:14:10: weil es eben nicht nur ein Thema, das vielleicht Leute interessiert, die sich für Pflanzen oder
00:14:14: Tiere interessiert, sondern es betrifft jeden, der in Wien wohnt und auch jeden, der sich künstlerisch
00:14:18: oder kulturell interessiert. Es ist eine Arbeit von Anita Fuchs, eine Künstlerin, die eben wie wir
00:14:24: haben diesen Goldrasen hier sofort im Museumsquartier an der Zweierlinie und Anita Fuchs hat,
00:14:32: wir haben den Rollrasen weggenommen und dort wurde eine Wildflumenwiese, Pflanzenwiese vor drei
00:14:39: Jahren gepflanzt und wie sich die jetzt entwickelt, welche Arten sich durchsetzen, das begleitet sich,
00:14:46: das dokumentiert die an Anita Fuchs und wird auch immer wieder auch künstlerisch aufgegriffen,
00:14:53: ob jetzt in den Schauräumen sehen sie, wie so ein Heumandel dort steht, wie das was sie mit
00:14:59: der Mard auch gemacht hat, wir haben sie draußen an der Zweierlinie auch gesehen und es ist wirklich
00:15:06: unglaublich interessant auch, wir haben auch so ein Insektenmonitoring hat stattgefunden letztes
00:15:12: Jahr und an einem Rollrasen wissen wir, gibt es keine Insekten, nichts hier wurden dann 43
00:15:21: unterschiedliche Insektenarten festgestellt, bis zu sogar zwei seltenen Spinnenarten. Und welche
00:15:28: Arten haben sich dadurch gesetzt, wissen Sie das? Von den Pflanzen, das sind ganz spitzwegerig und
00:15:36: unterschiedliche Blumen, das ist schon eine Vielfalt aber sie nicht mehr alle Blumen da,
00:15:43: die gesehen wurden, also die konkurrenzieren sich schon auch und setzen sich dann bestimmte
00:15:49: Sorten durch. Also die wilde Wiese vor Museumsquartier ist ein wichtiges Renaturierungsprojekt von
00:15:55: einer Künstlerin ins Leben gerufen. Was gibt es denn von der Stadt für Renaturierungsprojekte in
00:16:00: Wien, die ebenfalls wichtig und vielleicht großräumiger noch die Biodiversität aus der Krise
00:16:05: holen können? Die Stadt Wien, die zuständig ist auch für Naturschutz, es gibt die MR22,
00:16:11: die Naturschutzabteilung, die hat in den letzten 10, 15 Jahren schon einiges ganz wichtig Initiativen
00:16:16: gesetzt, aber es gäbe auch noch einiges weiteres zu tun, das sage ich auch gleich. Wirkliche Leitbildprojekte,
00:16:22: worauf Wien glaube ich auch stolz sein kann, ist wie kaum eine andere Großstadt, sogar weltweit
00:16:28: würde ich sagen, hat Wien Anteil an einem Nationalpark mit der Lobau, den Nationalpark Donauern und an
00:16:35: einem sehr großen Biosphärenpark im Westen mit dem Wienerwald und dem Lanzertiergarten, der ja
00:16:41: sozusagen bis an die Randzonen des bebauten Gebietes reicht. Das ist schon etwas, was auch einzigartig
00:16:48: ist und auch zu sehr hohen, bekannt hohen Lebensqualität von Wien sicher beiträgt. Wo Wien auch gut war oder ist,
00:16:55: ist das es über das sogenannte Netzwerk Natur, wie der Name schon andeutet, viele kleinere Projekte
00:17:03: gibt die seltenen gefährdeten Arten in der Stadt helfen. Das sind Arten wie das Ziesel der Feldhamster,
00:17:10: der heißt zwei Feldhamster, aber als Wiener können sie auch in Wien diese Vorkommen oder diese
00:17:15: Art sehen. Das ist nämlich häufiger in Wien heutzutage als in den intensiv genutzten Feldflächen um Wien. Wenn Sie
00:17:21: mit der U6 zum Bahnhof Meidling fahren, da ist oben der Friedhof, dann sehen Sie von den Gleisen der
00:17:27: Friedhof Meidling. Dort können Sie zwischen den Gräbern sehr gut Feldhamster beobachten, wenn Sie
00:17:31: mal eine halbe Stunde Zeit haben und auf den nächsten Zug warten. Warum sind die Feldhamster die
00:17:36: Population größer in Wien als im Umland? Das hat damit zu tun, dass die Feldhamster etwas
00:17:41: gemacht haben wie auch andere Arten. Sie haben es geschafft, neue ökologische Nischen, heißt es,
00:17:47: für sich zu erobern. Sie haben sie an den Lebensraumstadt angepasst, zumindest an diese großen
00:17:52: freie Flächenparks und große Friedhofsanlagen. Dort haben sie relativ wenig Feinde. Dort gibt es
00:17:58: keine Mähdrescher, der in einem Sommer, wie auf einem Heutzutage, auf einem Feld innerhalb eines
00:18:03: Tages, die gesamte Ernte aberntet. Und es gibt viele unfreiwillige Feldhamster-Fütterer, manchmal
00:18:10: doch Leute, die das absichtlich machen, Leute, die, also alles was auf dem Boden fällt an S-Bahn,
00:18:16: ideal für das Feld Hamster ist, und gerade diese großen Friedhofsanlagen in Wien sind
00:18:20: wenig gepflegt, da gibt es auch viele Semmereien, viele Blumen, die ihre Samen ausbilden, eigentlich
00:18:25: ein idealer Lebensraum. Am Land etwa im Markfeld mit der doch sehr intensiven agrarischen Nutzung
00:18:32: ist es für Feld Hamster schwierig geworden, daher sind sie hauptsächlich in der Stadt zu finden.
00:18:36: Aber ist es dann der Stadt Wien zu verdanken, dass dieser Feld Hamster jetzt mehr zu finden,
00:18:40: ist oder werden die halt hier einfach in Ruhe gelassen im Gegensatz zu landwirtschaft genutzten
00:18:45: Gebieten? Die Stadt Wien hat sich schon bei einigen Projekten auch sehr darum gekümmert,
00:18:49: grundsätzlich waren einmal die Feld Hamster da, da sind in diesen heute auch sehr isolierten Vorkommen,
00:18:54: dazwischen ist ja viel Stadtgebiet, da kommen die Feld Hamster auch nicht mehr weg von diesen
00:18:58: Flächen. Aber die Stadt Wien hat sich bei einigen Projekten schon sehr darum gekümmert, etwa am Wiener
00:19:02: Berg wurde ein großes Krankenhausareal in den letzten zehn Jahren umgebaut und die Feld Hamster,
00:19:08: die dort auch vorgekommen sind in den grünen Lagen um das Krankenhaus, auf die haben wir ein
00:19:12: Bau tatsächlich Rücksicht genommen. Also es gibt schon Netzwerken Natur, aber sie vorhin
00:19:17: angesprochen haben, viele solche kleinere Projekte. Aber und das würde ich vielleicht ganz kurz zu
00:19:22: mindestens anbringen, vielleicht kann man es noch ein bisschen vertiefen nachher. Ich möchte auch
00:19:25: herausheben, dass gerade wenn es um Arten in der Stadt geht, nicht nur um die Arten geht,
00:19:30: sondern es geht auch um Lebensqualität. Und zwar Lebensqualität für uns Menschen und da ist
00:19:34: Stadtwildnis, Stadtökologie auch mit Klimawandel angesprochen worden, Schattenwirkung, die
00:19:41: Vegetation dämpft die Extremtemperaturen im Sommer ganz massiv, ein Thema, das die Stadt Wien noch
00:19:46: deutlich ambitionierter aufgreifen könnte, sollte. Und das ist eine starke politische Frage, dann
00:19:51: auch eine soziale Frage, da gibt es ja auch große Unterschiede zwischen den Bezirken mit ihrer
00:19:55: unterschiedlichen Bevölkerungszusammensetzung. Und das ist dann auch sehr stark eine Flächenwittmungsfrage.
00:20:00: Und auch da sollte Wien noch mehr Engagement zeigen, denn da gibt es schon noch einiges, was
00:20:06: möglich wäre. Was bedeutet das? Was muss da genau gemacht werden in Bezug auf die Flächenwitmung?
00:20:10: Ich habe es vorher angesprochen, was sich in den letzten 50 Jahren massiv verändert hat,
00:20:14: ist, dass der Individualverkehr einen sehr großen Teil über Straßen in Anspruch nimmt. Das ist
00:20:20: alles versiegelt, stehender und rollender Verkehr. Und das ist eine Aufteilung der Flächen, der
00:20:26: öffentlichen Flächen, die eigentlich nicht zukunftsfähig ist. Und das bedeutet auch, es gibt
00:20:31: ja Ziele, den Modalsplit, das heißt, den Anteil des Straßenverkehrs stärker auf öffentliche
00:20:35: Verkehrsmittel zu bringen. Faktum ist, dass Wien aber seinen eigenen Zielen massiv hinterherhängt.
00:20:40: Eigentlich sollten nach den Zielen der Stadt Wien heute immer 20% der Wege mit dem Auto zurückgelegt
00:20:46: werden in Wien, faktisch sind es aber 30. Und der Anteil stagniert seit zehn Jahren. Und das ist
00:20:52: schon ein Hinweis, da passen die steuerenden Maßnahmen nicht. Da passen wir auch nicht,
00:20:56: dass meine Stadtstraße neu wird, muss man auch klar sagen, oder vielleicht auch noch ein Autobahnring
00:21:00: vervollständigen möchte. Mit Milliardeninvestitionen, da braucht es schon bessere Verkehrskonzepte und
00:21:06: das ermöglicht auch Stadtquartiere aufzuwerten. Weil diese Flächen, die noch frei werden,
00:21:10: ja auch für andere Nutzungen zur Verfügung stehen. Frau Leidlers, Ihrer Sicht, was müsste die Stadt
00:21:16: Wien mehr tun, um die Artenvielfalt zu stärken? Wie man schon gesagt hat, die Stadt Wien macht
00:21:21: schon sehr viel. Und wir sind hier und auch extrem engagiert, was jetzt Begrünungen anbelangt,
00:21:29: was Straßen zu begrünen, zu entziegeln. Aber ich würde mich freuen jetzt fürs Museumsquartier,
00:21:38: wenn wir bei der Zweierlinie nicht stehen bleiben bei der Lärchenfelderstrasse, sondern die
00:21:46: Begrünung der Zweierlinie oder auch die Reduzierung einer Spur auch vor dem Museumsquartier auch
00:21:54: umgesetzt wird. Hier Unterstützung zu bekommen, hier Partner zu haben, wäre wichtig, obwohl ich
00:22:01: schon auch hervorheben möchte, dass es ein großes Bewusstsein dafür gibt, dass Maßnahmen
00:22:07: gesetzt werden müssen, um auch die Stadt in der Zukunft, auch in den nächsten 20 Jahren,
00:22:15: dass man hier im Sommer auch in der Stadt leben kann. Weil dass die Sommer heißer werden,
00:22:21: dieser Sommer scheint so, als wenn er sich ein bisschen Zeit nehmen würde, was ja nicht ganz,
00:22:27: ganz unangenehme ist. Aber wir wissen, wenn die Hitze kommt, wie wenig Schatten es in der Stadt
00:22:34: dann gibt. Gibt es denn international Beispiele, an denen sich Wien orientieren könnte? Ja, also
00:22:40: ein Fall tut mir natürlich Paris, die innerhalb von in kürzester Zeit wirklich die Stadt extrem
00:22:49: umgestaltet haben, den Verkehr aus der Stadt oder aus den Stadtzentren verdrängt haben,
00:22:56: große Stadtstraßen begründ haben und viel, viel Raum für Radfahrerinnen und Radfahrer
00:23:04: geschaffen haben und das ist sicher ein großes Vorbild. Herr Essel, wenn Sie über den Wiener
00:23:10: Rand hinausschauen, welche internationalen Beispiele gefallen Ihnen gut? In Österreich kann man
00:23:16: Wiener wirklich schwer mit einer anderen Stadt vergleichen, weil aufgrund der Größe andere
00:23:20: Städte doch stark abgeschlagen sind. Aber ich würde eine Stadt trotzdem in einen Punkt herausgreifen
00:23:25: und das ist Linz in Österreich, weil was Linz hat, ist eine naturkundliche Station. Man kann
00:23:31: ihm auch einen anderen Namen geben, aber es gibt auch eine eigene Zeitschrift heraus, wenn sie sich
00:23:35: für Naturthemen interessieren, kann ich dir sehr empfehlen, sehr gut aufgemacht, ÖKOL heißt die,
00:23:40: Ökologie Linz, nämlich es braucht mich auch die Vermittlung und die Sichtbarmachung von Natur
00:23:45: und Umweltthemen in der Stadt und das macht diese naturkundliche Station über ein breites
00:23:49: Bildungsangebot und über ein populärwissenschaftliches Medium wie diese Zeitschrift. Da erfährt man,
00:23:55: wenn man naturinteressiert ist, da kann man eindocken, da kann man hingehen, da gibt es ja
00:23:59: wirklich eine breite Palette. Das würde ich mir auch für Wien wünschen, denn das bietet die
00:24:03: Stadt Wien derzeit zum Beispiel nicht an. Wenn man jetzt über Österreich hinaus geht, ich kann
00:24:08: jetzt nicht das leuchtende Vorbild herausgreifen, weil das leuchtende Vorbild, wir selten im Leben,
00:24:14: Menschen sind selten in allen Punkten perfekt, auch Städte sind selten in allen Punkten perfekt,
00:24:18: aber es gibt schon andere Städte, die in gewissen Bereichen deutlich mehr machen. Paris wurde
00:24:23: genannt und das zeigt vielleicht nur kurz zu vertiefen auch, was möglich ist, wenn der politische
00:24:28: Wille da ist und auch die Erzählung dahinter glaubwürdig ist. Also es gab zum Beispiel in
00:24:34: März in Paris eine Abstimmung, eine Volksbefragung, ob 500 Straßen zu Wohnstraßen umgebaut werden
00:24:40: sollen, also autofrei werden, was ich auch vorher kurz angesprochen habe und ob 70.000 Parkplätze
00:24:45: aus der Stadt verschwinden sollen. Und die Zustimmung war zwei Drittel, 66 Prozent der Wähler und
00:24:51: Wählerinnen, die zu einer Wahl gegangen sind. Und das zeigt, dass diese Themen auch, wenn man sie
00:24:56: gut aufbereitet und vermittelt, mehrheitsfähig sind und zwar wirklich stark mehrheitsfähig. In Graz gibt's
00:25:01: seit wirklicherzehnten Press sich keinem Haarzonen außerhalb der Vorrangstraßen, das ist zwar jetzt
00:25:07: vielleicht nicht direkt ein Positätsthema, aber ein Teil, wie man Stadtregionen aufwertet und das
00:25:11: ist dort breit akzeptiert und wurde über die Jahre sogar ausgebaut. In anderen Städten, zum Beispiel
00:25:18: in Berlin, das hat nicht eine spezifische Geschichte mit der Teilung zwischen Ost und West und das ist
00:25:23: eine sehr starken Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, gab es sehr große Trümmerflächen, die teilweise
00:25:27: auch aufgrund dieser, also des eisernen Vorangst bis eigentlich in den 90er oder Nullerjahren dieses
00:25:32: Jahrtausends nicht verbaut wurden. Und da hat man auch teilweise so Stadtwildnis gemacht daraus,
00:25:37: innerhalb der Stadt kleinere Gebiete gelassen, die man jetzt doch nicht sehr stark gestaltet,
00:25:41: sondern tatsächlich der Natur weitgehend sich selbst überlässt und versteht, dass das oft
00:25:46: der einzige sehr rasche, reichbare Bereich, wo sie, sagen wir es, einigermaßen wilde Natur sehen,
00:25:52: das könnte man sich in Wien ein bisschen mehr vorstellen, ich könnte mir das ein bisschen
00:25:55: mehr vorstellen, von anderen Städten einige diese Beispiele aufzugreifen und dann auch
00:26:00: stärker umzusetzen in Wien. Wenn jemand selbst etwas tun möchte, um die Artenvielfalt zu stärken,
00:26:07: was kann man denn als einzelne Person tun? Das hängt nur von vielen Faktoren ab, welche
00:26:14: Einflussmöglichkeiten sie haben, also um es konkret zu machen, haben sie irgendetwas, was
00:26:19: jenseits ihrer vier Wände ist zwischen Minimum Balkon und Maximum einen größeren Garten,
00:26:25: dann haben sie natürlich eine Fläche, die sie stark beeinflussen können und ohne das jetzt
00:26:30: stark zu vertiefen, ist klar, dass der Unterschied riesig ist zwischen einem Steingarten, einem
00:26:36: Rollrasengarten auf der einen Seite und einen auch wirklich artenreichen und auch ästhetisch,
00:26:42: aus meiner Sicht jedenfalls ansprechenderen Garten, der nicht nur glatt geschnitten ist
00:26:47: und sonst aber nix. Wenn sie das nicht besitzen, gibt es immer noch die Möglichkeit zum Beispiel
00:26:51: statt Wien bietet, das ist jetzt eine kleine Dinge, ist man schon klar, aber gerade in der viele
00:26:56: kleine Tropfen machen ja trotzdem ein volles Gefäß, gibt es zum Beispiel die Möglichkeit,
00:27:00: Baumpatenschaften zu übernehmen. Ich kenne solche Flächen auch und zum Teil wird das genutzt um
00:27:05: Blumen oder was halt immer auf Aufkommtorten wachsen zu lassen, manche machen ein Minigemüsegarten
00:27:11: draus, vielleicht mit dem Risiko, dass man es mit anderen Besuchern manchmal teilen muss,
00:27:16: die früher ernten, aber scheinbar funktioniert es trotzdem ganz gut, wenn man es ein bisschen
00:27:19: abzäunt, das sind Möglichkeiten. Aber neben diesen individuellen Tun, das wichtig ist,
00:27:24: ist glaube ich auch wichtig, diese Werthaltungen in Gesprächen, aber auch in Willensbekundungen,
00:27:30: wie zum Beispiel Wahlen sind oder Initiativen, die auf Bezirks-Ebene stattfinden, sich dafür
00:27:35: einzusetzen, weil so gestaltet die Bevölkerung auch die Startentwicklung mit und ich glaube,
00:27:40: das ist ein zweiter Schritt, der auch ganz wichtig ist, das individuelle mit einem Anspruch auf
00:27:44: Änderungen in den Rahmenbedingungen zu verknüpfen. Gibt es eigentlich Vorzeigearten oder Leuchtturmarten,
00:27:50: die durch die Stadt hüpfen, kräuchen, fleuchen, wie auch immer über, die sich besonders freuen,
00:27:56: wenn Sie sie sehen? Ja, die Stadt ist wirklich ein spezieller Lebensrahmen für manche Arten und
00:28:02: ich greife auch ganz wenige heraus. Einen Vogel, den vielleicht einige von Ihnen kennen, ist der
00:28:08: Hausrotschwanz. Wer kennt den Hausrotschwanz? Vielleicht ganz kurz die Hand heben. Okay. Eine
00:28:13: Hand von Leuten zeigt. Eine ganz kurze Ente, die hier gesagt hat, so viel mal Daumen und der Hausrotschwanz hat
00:28:18: den Namen Haus in seinem Namen, aber er ist eigentlich ein Gebirgsvogel. Er ist eine Vogelart,
00:28:25: die in Oberder Waldgrenze oder Felswenden brütet. Das ist der Primärlebensraum. Dort kommt die Art
00:28:30: her und einige Arten haben es geschafft, die Stadt sozusagen zu einem sekundären Felslebensraum
00:28:37: zu machen und haben den Sprung geschafft, so wie der Hausrotschwanz, aus dem Gebirge in die Großstadt.
00:28:42: Die Tauben in der Stadt ist es ähnlich. Die Wilde, also die Urformen sind die Felsentauben. Hier
00:28:47: merkt man es schon am Namen, die Brüten auf Felsen. Die von Menschen gemachten Felsen sind
00:28:52: unsere Häuser. Eine zweite Gruppe von Arten, wo ich auch ein Beispiel bringen möchte, ist den
00:28:57: Klimawandel mit den Hitzesommern. Den spürt man in der Stadt besonders stark. Stadtklima ist noch,
00:29:02: wärmer ist das Umgebungsklima. Die Gebäude heizen sich auf. In der Innenstadt in Wien ist zum
00:29:06: zwei, drei Grad wärmer als am Stadtrand typischerweise. Arten des Südens, die dem Klimawandel
00:29:12: mittlerweile wirklich folgen, haben manchmal hier schon vorkommen in Wien und treten hier
00:29:17: neu auf, fehlen aber rundherum noch. Ein Beispiel. In den letzten drei, vier Jahren hat man in Wien
00:29:23: und zwar wirklich mitten in der Stadt, ihr habt es zum Beispiel mal im Gürtel gehört, die aus dem
00:29:27: Mittelmeer, wahrscheinlich allseits bekannte Zikade, das ist diese typische, ganz laut,
00:29:34: zirpende Insektenart, die im Mittelmeer die Geräuschkulisse dominiert im Sommer. Wenn sie dort
00:29:39: Urlaub machen, ist das allgegenwärtig. Und diese Zikadenarten hat es bisher in Österreich nicht
00:29:43: gegeben, seit ein paar Jahren in Wien in Einzelfunden und auch in Grad in den wärmsten Städten. Und
00:29:49: das ist durchaus möglich, wenn diese Temperaturenstiege weitergehen, dass diese Zikadenarten beim
00:29:54: Sommergespräch 2030 in fünf Jahren vielleicht in diesen Sträuchern hier sitzen und zirpen am Abend.
00:29:59: Frau Leitl, gibt es sonst Arten außer der Zikade, über die sie sich besonders freuen, wenn sie die
00:30:07: hier im Museumsquadier sehen? Nein, ich freue mich immer besonders, also das haben wir eingangs gehört,
00:30:12: die Spatzen, also alle Vögel, die sich in der Stadt ansiedeln und die man hier hört und die auch
00:30:21: den Aufenthalt im Grünen einfach eine andere Bedeutung geben oder andere Lebensqualität auch
00:30:29: aufzeigen. Da würde ich mich freuen, hier noch mehr zu haben. Es gibt Initiativen auch oder auch
00:30:37: schon Überlegungen, auch wirklich auch Brutkästen zu installieren, ob das jetzt für die Mauersegler
00:30:43: ist, für Schwalben, also um auch wirklich die hier eine größere Artenvielfalt zu bekommen. Gibt es
00:30:53: irgendetwas, das gegen solche Brutkästen spricht? Denk mal Schutz, denk mal Schutz, alles klar.
00:31:00: Ich würde gerne noch wissen, wird die Biodiversität in der Stadt eigentlich unterschätzt? Also man
00:31:05: denkt ans Land, an die Region, blühende Wiesen, fliegende Insekten, während man in Städten ja
00:31:12: nicht besiedelte Gebiete vor Augen oder zumindest vor dem inneren Auge hat. Wie sehen Sie das?
00:31:19: Ja, das Bild einer Stadt ist nicht unbedingt das Bild einer artenreichen Region, weil vieles,
00:31:25: was der Stadt ausmacht, jetzt nicht primär für eine Natur in irgendeiner Weise gemacht worden ist,
00:31:30: sondern eher der Natur abgerungen und teilweise auch gar nicht mehr Natur ist, sondern Kultur
00:31:34: vom Menschen geprägtes Bauwerke und ähnliches. Aber das verstellt ein bisschen den Blick darauf,
00:31:41: dass Städte also nicht ein Naturschutzgebiet, sondern Klasse, wo es kein menschlicher Einfluss
00:31:47: stattfindet, aber was Städte doch sind, sie sind sehr heterogen. Das heißt innerhalb sehr kleiner
00:31:53: Fläche, wenn Sie das vergleichen auch vor Ihrem inneren Auge mit landwirtschaftlich intensiver
00:31:57: genutzten Gebieten, da gibt es große Felder oder Wiesenflächen, vielleicht ein paar Heckenzüge
00:32:03: oder ein paar andere Strukturen, aber das ist doch oft über 100 Meter eigentlich auch eine Parzelle
00:32:09: und dann ist die nächste wieder große Parzelle, die dann einheitlich genutzt wird. In einer Stadt
00:32:14: ist das doch sehr anders, da gibt es sehr viele kleine Strukturen von Hinterhöfen, von kleinen
00:32:20: Wildnisflächen irgendwo, Baubarzellen, die auf eine Bebauung warten oder wo Haus abgerissen worden
00:32:25: ist und vieles andere mehr und das schafft ein Mosaik mit den Grünflächen in der Stadt und das würde
00:32:32: vielleicht auch noch kurz erwähnen, weil das gehört funktional auch zur Stadt mit den Bereichen,
00:32:35: die jetzt zum Beispiel für die Naherholung dienen, also der ganze Wienerwald, der Länzertiergarten,
00:32:41: Biesenberglobau und so weiter, die eigentlich nicht verbaut sind, auch kaum verbaut werden,
00:32:46: aber viel weniger land- und vorstwirtschaftlich genutzt werden als solche Flächen woanders,
00:32:51: weil dort die Naherholung im Vordergrund steht. Das heißt die Wiesen werden nicht gedüngt,
00:32:56: sind viel artenreicher als die meisten Wiesen, sonst heutzutage, der Wald wird wenig genutzt,
00:33:01: ist auch heute Teil des Biosphärenbergs Wienerwald und daher ist artenreicher als ein durchschnittlicher
00:33:07: Wald. Da gibt es mehr Alktholz und mehr Totholz, weil es halt nicht darauf ankommt,
00:33:11: dem maximalen Holzertrag dort zu erbringen und das alles zeichnet eine Stadt schon aus und
00:33:16: macht sie in Summe nicht für alle Arten, aber für viele Arten doch seinen guten Lebensraum und
00:33:20: auch artenreicher als viele andere Landschaften, die zwar grüner aussehen, aber halt nicht so viele
00:33:26: Lebensräume bieten wir statt. Dann wären wir schon bei unserer letzten Frage, was ist ihr Lieblingstier?
00:33:32: In der Stadt ist es ja gar nicht so einfach mit den Tieren, aber ich bin ein großer Katzenfan,
00:33:38: muss ich zugeben. Den ich aber bitte nur zu Hause habe, weil ich da, das weiß ich,
00:33:43: darauf muss man schon auch achten, auch dass natürlich die Katzen jetzt für den Vogelbestand,
00:33:49: gerade am Land auch wirklich eine Bedrohung sind. Und was ist ihre Lieblingsart, Herr Essel?
00:33:56: Mir macht es wir Katzen. Okay, ich nehme eine Art. Ich wohne fünf Minuten weg vom AKH auf der
00:34:02: Gürtel äußeren Seite. Wir haben auch, haben das Privileg, muss ich dazu sagen, auch einen Innenhof
00:34:07: zu haben an Grünen oder Begründen, mit einem kleinen Garten, der ich, und diesen kleinen Garten,
00:34:11: der ich, gibt es Erdgröten. Eine Erdgrötenpopulation. Ich habe mal die Kaltwappen mitgenommen und
00:34:18: sie angesiedelt und sie haben sich prächtig vermehrt in unserem Garten. Sie kommen auch nicht
00:34:21: raus, weil es grenzt an andere Gebäude und an eine hauere Mauer. Und sie fressen zumindest einige
00:34:26: unserer Nacktschnecken, allerdings nicht genug. Und sie leben sozusagen hier mitten in der Stadt in
00:34:31: einer kleinen Oase, haben sich ziemlich stark vermehrt. Der Garten ist vielleicht 300 Quadratmeter
00:34:35: groß. Und im Frühling, wenn die Paarungszeit ist, kann man es ganz gut zählen. Und das sind etwa 30
00:34:41: bis 40 dieser Erdgröten auf so einer kleinen Fläche. Und der Tag sehen sie sich nicht,
00:34:45: da verstecken sie sich. Aber am Abend, wenn es feucht und kühl ist, kommen sie raus. Also ich hätte
00:34:49: das jetzt sozusagen auch Anlass bezogen zu einem heutigen Liebeszieher erklärt. Vielen Dank für
00:34:55: das interessante Gespräch. Vielen Dank fürs Zuhören. Ja, auch von mir ein herzliches Dankeschön. Auch
00:35:01: an Sie beide. Vielen Dank für das Interesse an Gespräch und an das Publikum und einen schönen
00:35:07: Abend noch. Schönen Abend. Und damit auch ein herzliches Dankeschön an euch, liebe Hörerinnen und
00:35:15: Hörer, was denkt ihr? Was muss ich in Wien noch tun, damit die Artenvielfalt weiter zunimmt? Schreibt
00:35:23: uns euren Kommentar gerne auf das Standardpunkt.at/zukunft. Dort findet ihr auch viele weitere
00:35:29: Geschichten über das Leben und die Welt von morgen. Wenn euch unser Podcast gefällt, dann lasst
00:35:34: uns doch bitte eine Bewertung da, damit ihn auch andere Hörerinnen und Hörer finden. Unterstützen
00:35:40: könnt ihr uns auch mit einem Abo. Mehr dazu unter abo.standard.at. Diese Folge wurde produziert
00:35:45: von Christoph Neuwert. Ich bin Alicia Prager und ich bin Julia Bayra. Die nächste Folge erscheint
00:35:51: wie immer nächsten Freitag. Bis dahin alles Gute und bis zum nächsten Mal. Danke fürs Zuhören.
00:36:10: [Musik]