Der STANDARD-Podcast über das Leben und die Welt von morgen
00:00:00: Herzlich willkommen bei "Edition Zukunft", der Standard-Podcast über das Leben und die Welt von
00:00:12: morgen. Ich bin Jakob Hallinger. Sieben Stockwerke, eine Fassade aus Holz, dutzende Balkone, darunter
00:00:36: ein Café in dem Lebensmittel und Eis verkauft werden. Das Wohnhaus im Nordbahnviertel in Wien
00:00:42: sieht von außen durchaus einladend aus. Speziell ist daran aber vor allem, dass es die Bewohnerinnen
00:00:47: und Bewohner selbst geplant und umgesetzt hat. Barbara Nottecker war eine von ihnen. Sie ist
00:00:54: österreichische Autorin und Wirtschaftsjournalistin und hat selbst mehr als zehn Jahre in dem Wohnhaus
00:00:59: gelebt. Die Erfahrung war für sie so speziell, dass sie schon vor einigen Jahren ein Buch über
00:01:04: das Projekt geschrieben hat. Sieben Stockdorf heißt es und kürzlich ist eine Neuauflage dazu
00:01:10: erschienen. Heute ist Nottecker zu Gast bei unserem Studio. Sie spricht darüber, was dieses
00:01:15: Wohnhaus in Wien so besonders und nachhaltig macht, wie aufreibend und zeitintensiv es war,
00:01:20: als gemeinsam mit 70 anderen Menschen zu planen und zu verwirklichen und warum sie sich am Ende
00:01:25: doch entschied, wieder aus dem Wohnhaus auszuziehen. Frau Nottecker, vielen Dank, dass Sie heute hier
00:01:30: mit uns sprechen. Sehr gerne, danke für die Einladung. Vor kurzem ist ja die Neuauflage
00:01:35: ihres Buches erschienen. Sieben Stockdorf, Wohn-Experimente für eine bessere Zukunft. Und
00:01:41: darin starten Sie, wie ich finde, mit einem recht interessanten Zitat, nämlich das US-amerikanischen
00:01:45: Ökonomus Richard Florida, der sagt, welche Uni besuchen, welche Karriere verfolgen, wen heiraten.
00:01:53: Alles wichtige Fragen, aber keine so bedeutend wie die wichtigste Entscheidung, die du jemals zu
00:01:58: treffen hast, wo du leben sollst. Warum ist denn die Frage des Wohnens, also wie und wo man
00:02:04: wohnen soll, so wichtig? Ich glaube, das liegt daran, dass wohnen sehr viele Bereiche unseres
00:02:10: Lebens mit abdeckt, mit einschließt, berührt sozusagen. Es bestimmt, welche Menschen rund um
00:02:17: uns sind, wie viele Kontakte wir haben mit anderen Menschen im Alltag, wie die Nachbarschaft ist.
00:02:23: Das liegt alles am Wohnort. Auch welche Art von Mobilität wir haben im Alltag. Brauchen wir das Auto,
00:02:30: gibt es dort öffentliche Verkehrsmittel, gibt es gute Radwege, wie ist die Infrastruktur vielleicht
00:02:36: für eine Familie oder auch einfach für uns Menschen sozusagen, gibt es einen Supermarkt,
00:02:40: den man zu Fuß erreichen kann. Also es hat sehr viele ökologische Faktoren, die das beeinflussen.
00:02:47: Und das dritte, natürlich auch die ökonomische Frage, wohnen kann sehr teuer sein, kann günstig
00:02:54: sein und das alles bestimmt, wie unser Leben eigentlich ist. Wie viel müssen wir arbeiten,
00:02:57: dass wir uns die Wohnen kosten leisten. Und darum ist diese Frage, wie will ich wohnen,
00:03:02: wo will ich wohnen, sehr wichtig eigentlich. Sie haben sich schon ankingen lassen, so diese
00:03:07: ökologischen Faktoren, die auch eine Rolle spielen. Es geht ja dabei eben nicht nur so um eine
00:03:12: individuelle Entscheidung, sondern es hat ja auch Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft, wie sich
00:03:16: Menschen entscheiden zu wohnen. Welche Bedeutung hat das jetzt gerade aktuell, wo man über Krisen wie
00:03:21: die Klimakrise oder sie schreiben es auch in ihrem Buch "Vereinsammlung" und andere Dinge spricht?
00:03:26: Ich glaube gerade, was die ökologischen Folgen sozusagen oder den ökologischen Aspekt betrifft,
00:03:32: ist wohnen ein riesen, riesen Thema. Also der Bausektor verursacht zwei Drittel der weltweiten
00:03:37: CO2-Emissionen, das ist glaube ich vielen Leuten nicht ganz bewusst. Da geht es vor allem auch um die
00:03:41: graue Energie, die in den Gebäuden steckt, also alles was Neubau ist. Also wie viel Energie muss
00:03:46: ich aufwenden, dass ich einen Baustoff herstelle. Und das ganze Thema Bodenverbrauch spielt da eine
00:03:52: Rolle und ich glaube, das wird wirklich unterschätzt und gerade im Bausektor kommt es schön langsam
00:03:57: an sozusagen. Aber wir bei unserer individuellen Wohnentscheidung spielt das glaube ich oft eine
00:04:03: geringere Rolle und wir denken uns, okay, wenn das Gebäude highpics CO2 positiv gebaut ist oder
00:04:10: irgendwie ökologisch gebaut ist, dann passt das schon. Aber das ist auch irgendwo ein Trugschluss,
00:04:15: weil das ist nur ein Teil. Der zweite Teil ist ja, wie leben wir dann in dem Gebäude? Muss ich
00:04:21: tagtäglich mit dem Auto in die Arbeit pendeln? Muss ich mit dem Auto in den Supermarkt pendeln?
00:04:26: Ich lebe dann an diesem Ort, im besten Fall vielleicht 30, 40 Jahre, ich weiß nicht, vielleicht
00:04:31: mein ganzes Leben lang. Und das sind dann tagtäglich die Folgen von meiner Entscheidung, wie ich wohne.
00:04:36: Sie haben ja auch persönlich sehr mit dieser Entscheidung gehadet oder sich zumindest sehr viel
00:04:40: Gedanken gemacht, wie Sie in Ihrem Buch auch sehr eindrucksvoll beschreiben und der Knackpunkt
00:04:44: für Sie war Ihr erstes Kind. Könnten Sie uns beschreiben und unseren Hörerinnen und Hörern,
00:04:48: was sich dafür verändert hat und wieder Ihre Gedanken dazu waren? Ja, natürlich, wenn man ein
00:04:52: Kind kriegt, dann überlegt man sich, das ist so ein Meilenstein irgendwo meistens im Leben und
00:04:56: man überlegt sich, wie soll es halt weitergehen, wie sollen die nächsten Jahre mit dem Kind sein?
00:05:01: Und sehr oft, das weiß man aus der Soziologie, beginnen Menschen so die angelehrten Wohnmuster
00:05:06: nachzumachen, sozusagen. Also Menschen, die in einem Einfamilienhaus am Dorf aufgewachsen sind,
00:05:11: die wünschen sie meistens unbewusst auch so was für ihre Kinder. Und das war bei mir auch der
00:05:16: erste Impuls. Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen, sehr verbunden mit der Natur. Ich war
00:05:21: viel draußen. Wir haben so einen Kirchenplatz gewohnt, wo es sehr viel Freiheit hat. Wir sind
00:05:26: im Radl gefahren, am Kirchenplatz, so ganz klassisch in Oberösterreich. Und dieses Bild hat die irgendwo
00:05:32: so im Kopf, dass ich das mir auch für meine Kinder wünsche, so den Freiraum in der Natur sein,
00:05:38: auch in einem Dorf aufwachsen, wo man die Leute kennt, wo die Leute einen selber kennen. Das war
00:05:44: so das Idealbild. Und natürlich fängt man dann an zu suchen auch dann am Land. Aber ich habe dann
00:05:50: relativ schnell festgestellt, dass es eigentlich ganz anders ist mittlerweile, dass ich wohne doch
00:05:54: schon auch lange in Wien. Das ist vielleicht so ein romantisch verklärter Blick ein bisschen aufs
00:05:58: Land, was man dann hat. Und was mich dann schon immer wieder sehr, ich will es nicht sagen, erschreckt,
00:06:06: was mich wirklich zum Nachdenken bringt, ist einfach dieser Bodenverbrauch, der am Land passiert.
00:06:13: So das Leben in einem Einfamilienhaus, ich konnte mir das dann eigentlich nicht vorstellen. So
00:06:18: von ökologisch Aspekt her finde ich das keine gute Wohnform. Und ich glaube auch, sozial, glaube
00:06:25: ich, kann man dieses Dorf auch irgendwo anders leben. Und dann bin ich nach längerem Suchen auf
00:06:32: das Wohnprojekt Wien gestoßen. Über das wollen wir gleich noch sprechen, vielleicht weil sie jetzt
00:06:36: immer wieder auch das Einfamilienhaus erwähnt haben. Viele Menschen sehen sich ja nach wie vor,
00:06:40: danach, woher kommt das Ihrer Meinung nach? Warum ist dieser Wunsch nach diesem Einfamilienhaus
00:06:44: nach wie vor so groß? Ich glaube, ein Einfamilienhaus kann sehr viele Bedürfnisse befriedigen oder es
00:06:50: gibt vor, sehr viele Bedürfnisse befriedigen zu können, sozusagen. So diese selbstbestimmte,
00:06:55: ich habe mein Haus, da kann ich entscheiden, was da passiert. Ich bin die Frau in meinem Haus sozusagen,
00:07:01: ich habe einen Freiraum mit meinen Garten. Es ist auch ein Prästischobjekt, das zeigt auch,
00:07:06: ich habe es geschafft, ich habe Geld und ich bin wer sozusagen. Und es ist auch verbunden mit einer Art
00:07:12: von Dorf meistens. Also ich bin wo eingebunden und das kann sehr viele Bedürfnisse deckt es ab. Man
00:07:20: muss ja dann die Frage stellen, stimmt es? Also ist es nicht vielleicht ein Bild, das wir haben vom
00:07:24: Einfamilienhaus, das wirklich stimmt oder ist es mehr so das Verklärte? Sie haben schon gesagt,
00:07:30: Sie sind dann weggekommen von diesem Gedanken hin zum Wohnprojekt Wiener Wohnprojekt. Wie ist
00:07:35: das genau abgelaufen? Wie sind Sie überhaupt darauf gestoßen und was kann man sich darunter
00:07:39: vorstellen? Es war eigentlich ein kompletter Zufall, ich war als Journalistin in München
00:07:43: eingeladen auf der Immobilienmesse, so die weltgrößte Immobilienmesse für Gewerbeimmobilien,
00:07:49: also ganz was anderes. Und ich bin zu vielerweise dort in München in ein Wohnprojekt gekommen,
00:07:54: weil ich eingeladen war. Und ich bin in dieses Haus hineingegangen und schon wie die Eingangstür
00:08:00: aufgemacht habe, das war so eine andere Atmosphäre in dem Haus. Ich war so, man hat ihnen was gespürt,
00:08:06: was da ist. Das war so positiv und die Leute haben sich gegrüßt. Es waren so kleine Bänke
00:08:13: überall, also dass man Leute gesessen haben, miteinander geredet. Und ich war total baff,
00:08:19: dass es so was gibt mitten in der Stadt, dass es so freundliche Atmosphäre, herzlich. Und ich bin
00:08:25: zurück dann nach Wien, da haben wir gedacht, gibt es das auch in Wien? Und ich habe zu recherchieren
00:08:29: begonnen und bin darauf gekommen, ja, es gibt es auch in Wien. Also ein sehr bekanntes Beispiel ist
00:08:34: ja die Sargfabrik Wien, die in den 90er Jahren entstanden ist. Aber da ist natürlich alles voll
00:08:39: gewesen. Also die haben auch eine Warteliste mit hunderten Leuten drauf. Und durch Zufall
00:08:44: dann bin ich auf eine Gruppe gestoßen, die gerade so ein Wohnprojekt in Planung hatten. Und habe
00:08:49: angefragt und das ist dann klar, mir nichts geworden, weil die auch voll waren. Aber die waren
00:08:55: damals noch in der Planungsphase in einem sehr frühen Stadion. Und da ist es oft so bei so Gruppen,
00:08:59: dass sie die Gruppen dann wechseln, sozusagen, dass da andere Menschen dazukommen und tatsächlich
00:09:04: es wäre abgesprungen. Und dann sind wir gefragt worden, ob wir uns nicht bewerben wollen.
00:09:09: Das ist ja mittlerweile, glaube ich, ungefähr zwölf Jahre her, glaube ich, dass diese Anfänge
00:09:13: waren. Also 2013 ungefähr hat ja dieses Wohnprojekt begonnen. Und das spiegelt sich auch in dem
00:09:18: Titel ihres Buchs wieder, glaube ich, dieses sieben Stockdorf. Warum eigentlich genau dieser
00:09:22: Name? Also was hat es damit auf sich? Was ist dieses Projekt genau? Das Projekt ist ein gemeinschaftliches
00:09:28: Wohnprojekt. Es ist eine Gruppe von Menschen. Wir sind 100 Menschen, 65 Erwachsene und 35 Kinder.
00:09:34: Und wir haben das Haus gemeinschaftlich geplant, gebaut und besitzendes jetzt gemeinsam, sprich,
00:09:40: wir verwalten das auch gemeinsam. Und es ist einfach ganz anders als im konventionellen Wohnbau. Also die
00:09:47: Architekten haben für uns das Haus geplant. Also das war so, wie wir uns das vorgestellt haben,
00:09:51: ist das Haus entstanden. Im konventionellen Wohnbau ist es ja meistens so, dass ein Architekt für die
00:09:57: späteren Bewohnerinnen plant, die ihr nicht kennt. Und das ist eben bei uns anders gewesen. Sprich, es
00:10:03: schaut schon anders aus als normale Wohnhäuser. Wir haben zum Beispiel entschieden, dass wir das
00:10:09: Dachgeschoss für alle zugänglich machen wollen. Da gibt es keine Individualwohnungen. Da ist ein
00:10:14: großer Dachgarten und ein Meditationsraum und Gästeapartements. Das ist ein Beispiel,
00:10:20: wie im Haus anders ausschaut, wenn die Bewohnerinnen das selber planen. Jeder soll irgendwie auch
00:10:25: mitentscheiden können, wie das Haus dann aussieht, so dieser basisdemokratische Prozess. Wie
00:10:29: sie mir auch beschreiben im Buch. Wie kann man sich das vorstellen? Also wie trifft man sich da,
00:10:33: wie tauscht man sich da aus? Welche Konflikte gibt es vielleicht in diesem ganzen Prozess zu
00:10:37: entscheiden, wie das Haus dann im Endeffekt gebaut werden soll? Ja, das ist, Sie haben gerade gesagt,
00:10:41: basisdemokratisch. Es ist eben nicht basisdemokratisch. Genau, wir kennen das irgendwo alle so
00:10:46: basisdemokratisch. Und da klingen alle Alarmkloppen sozusagen, weil man sich dann vorstellt, eine Gruppe,
00:10:52: die stundenlang diskutiert bis in die Nacht hinein und eigentlich eh nie so eine Entscheidung findet.
00:10:57: Das ist es eben nicht. Wir sind anders organisiert, noch in einer Form, die sich so zukratinend. Und da
00:11:03: geht es nicht darum, dass alle sozusagen die beste Entscheidung treffen, sondern man trifft die
00:11:10: Entscheidung, die am wenigsten Widerstand erzeugt. Das ist im Prinzip ganz anders, weil man meistens einen
00:11:16: guten Kompromiss findet. Es versucht nicht jeder, seine bestmögliche Option durchzusetzen, sondern
00:11:22: man sagt, okay, mit was kann ich leben? Also da ist die Latte einfach viel niedriger. Und die
00:11:27: Entscheidungen funktionieren dann ein bisschen anders eben als in der Basisdemokratie. Genau. Und
00:11:32: dieses Werkzeug, diese Organisationsform hat uns sehr geholfen. Und viele Wohnprojekte organisieren
00:11:38: sich auch nach der Soziografie mittlerweile. Wie hat das dann im Detail ausgesehen? Also wo
00:11:43: haben sie sich da getroffen? Wie häufig haben sie sich da getroffen? Und wie war dann dieser
00:11:47: Austausch mit den anderen Menschen? Genau, also wir haben einen Bewerbungsprozess zuerst mal
00:11:51: durchlaufen. Also es ist natürlich für die Gruppe wichtig, dass da Menschen dazukommen, die das
00:11:56: auch wirklich wollen. Es haben sie oft Menschen beworben, die gesehen haben, wow, das wird ein
00:12:01: tolles Haus mit tollen Wohnungen. Man kann damit bestimmen, aber eigentlich interessiert mir
00:12:05: diese Gemeinschaft überhaupt nicht. Und das ist eben schwierig, wenn eine Gruppe solche Menschen
00:12:10: aufnimmt, weil doch, dass eine Gemeinschaft sein soll, eine Hausgemeinschaft dann später. Also es
00:12:15: war wichtig, dass man das will und auch mit anderen in Kontakt sein möchte in der Zukunft. Also und
00:12:21: das wurde im Bewerbungsprozess abgeklärt. Und wir mussten auch uns quasi verpflichten, dass wir
00:12:26: eine gewisse Stundenanzahl mitarbeiten, damit dieses Projekt funktioniert. Weil es ist selbst
00:12:32: organisiert und das bedeutet Arbeit und Engagement und Zeit. Und da kann man sie halt nicht rausnehmen.
00:12:37: Also das muss jedem bewusst sein, der in seinem Projekt mitmachen möchte. Und natürlich auch so
00:12:43: von der Zusammensetzung der Gruppe hat man geschaut, dass das nicht zu homogen ist, also dass das nicht
00:12:48: nur Familien mit kleinen Kindern sind oder so, sondern auch ältere, jüngere, also sprich so
00:12:53: studierende, alleinstehende, größere Familien, also dass man bis zum gewissen Grad durchmischt
00:12:59: sind. Genau, also das war der Bewerbungsprozess. Damals war die Gruppe schon als Verein organisiert
00:13:04: und wir hatten unseren Vereinssitz sozusagen bei den Architekten, also die haben uns ihr Büro
00:13:08: zur Verfügung gestellt und wir haben uns immer wieder im Architekturbüro getroffen. Und auch
00:13:13: damals in der Planungsphase war das Projekt schon als soziokratisch organisiert. Das heißt, es
00:13:19: gibt verschiedene Arbeitsgruppen, wo man sich einbringen kann. Also es ist dann nicht so,
00:13:23: dass die ganze Gruppe von 65 Leuten über alles mitbestimmt. Also man hat dann seine Arbeitsgruppe,
00:13:29: wo man mitarbeitet und wo auch wirklich Entscheidungen dann schon fallen. Bei ganz,
00:13:33: ganz großen Entscheidungen wird schon die große Gruppe gefragt. Also wir hatten dann so ein Format,
00:13:37: die Großgruppe, wo die wichtigen Sachen dann die ganz großen, die wirklich alle betreffen,
00:13:42: entschieden wurden. Aber ich war zum Beispiel in der Arbeitsgruppe Finanzen und wir haben
00:13:46: die ganze finanzielle Basis von dem Projekt auf die Beine stellen müssen. Sie haben schon gesagt,
00:13:51: dass es kann durchaus zeitintensiv sein. Wie sieht es bei Ihnen ausgegangen, neben Job,
00:13:56: neben Familie, neben allen anderen Dingen, die man sonst im Alltag so hat? Interessanterweise ist
00:14:01: es mir total leicht von der Hand gegangen. Also diese Planung, die war so interessant
00:14:05: und aufregend. Man hat so viel Energie dann plötzlich. Also bei mir war das so. Weil so die
00:14:10: Vision von dem Haus und was dann später sein wird, das trägt einen sehr lange wirklich. Also
00:14:15: das ist so eine gute Energie und man lernt so viele Leute kennen, nette Menschen, mit denen man
00:14:21: dann eben ein Haus plant. Wo kann man das schon machen, dass man irgendwie mit 65 Erwachsenen
00:14:26: ein Haus plant. Und das war wirklich eine super, super Energie, die uns vollgetragen hat bis zum
00:14:31: Einzug. Es war sehr aufregend und Nervenaufreibe teilweise, weil wirklich im Bauprozess unsere
00:14:37: Baufirmapläte gegangen ist. Das war damals die Alpine, damals glaube ich der größte Konkurs
00:14:42: dieses Jahres. Natürlich hat das Nerven gekostet und es war Nervosität da. Was macht man? Also
00:14:47: jeder hat auch schon was gezahlt, einen gewissen Anteil, ein Eigenmittel eingelegt. Also das ist
00:14:52: schon ein Risiko auch. Aber es ist alles gut gegangen und wir sind eingezogen dann im Endeffekt.
00:14:57: Das Risiko, was ich vielleicht viele auch vorstellen, ist, wie gut konnte man dann mit den
00:15:01: Menschen klar und zu Recht, die dann auch in diesem Haus wohnen sollen. Wie ist es ihnen da
00:15:05: gegangen? Haben sie das Gefühl gehabt, sie sind da mit den anderen Menschen, die da einziehen wollen,
00:15:08: auf einer Wellenlänge. Wie viele Konflikte und Streits gab es da auch in diesem Prozess?
00:15:13: Im Vorfeld ist es ja nicht so, dass man zusammen wohnt. Also man trifft sie, um Dinge zu entscheiden,
00:15:18: Dinge zu planen, Ideen zu spinnen. Und da versucht man einfach eine gemeinsame Basis zu finden.
00:15:25: Also was wollen wir überhaupt? Was wollen wir in dem Haus? Was ist unsere Vision? Also ganz wichtig ist,
00:15:30: dass man eine gemeinsame Vision hat. Also was so über allem steht, dass man weiß,
00:15:34: in welche Richtung man gehen will. Und natürlich bei eben einer gewissen Anzahl an Menschen gibt es
00:15:39: immer Menschen, die nicht so sympathisch sind, wo die Chemie halt nicht so stimmt. Aber die Gruppe
00:15:43: ist groß genug, dass man dann Menschen findet, die super lieb sind und mit denen man sich super
00:15:48: versteht. Und so war es eigentlich bei uns. Also wir haben sehr schnell Anschluss zu Leuten gefunden,
00:15:53: mit denen wir uns wirklich gut verstanden haben und bis jetzt eigentlich gut verstehen. Und natürlich
00:15:58: gibt es immer wieder Konflikte. Wobei, glaube ich, die Konflikte jetzt im Haus, wenn man dann zusammen
00:16:03: wohnt und dann vielleicht auch merkt, okay, manche solche vielleicht nicht so erfüllt, was wir uns
00:16:08: ursprünglich erwartet haben. Ich glaube, es sind dann mehr, wenn man näher zusammen ist als in der
00:16:13: Planungsphase. In der Planungsphase ist es wirklich eher diese Arbeit, die da im Vordergrund steht.
00:16:18: Also wir müssen Entscheidungen treffen. Wir müssen eine Baufirma beauftragen. Man muss
00:16:22: tausende Entscheidungen treffen. Ich würde gerne gleich noch über das Wohnen sprechen an sich,
00:16:27: dann vielleicht noch kurz davor, weil Sie gesagt haben, es ist auch wert darauf gelegt worden,
00:16:31: dass Menschen aus unterschiedlichen Gruppen da an diesen Wohnprojekten teilnehmen. Gleichzeitig
00:16:35: gab es ja auch die Kritik. Ich glaube, Sie haben sich selbst auch geäußert, dass es trotzdem sehr
00:16:39: viele Akademikerinnen und Akademiker waren, die da zu dem Haus gekommen sind. Woran liegt das?
00:16:44: Also war vielleicht dann doch so sehr stark der Fokus auf eben besser gebildeten Menschen,
00:16:48: die sich dann an dem Projekt beteiligt haben? Der Fokus von uns selber nicht, aber es haben sich
00:16:53: einfach nur diese Menschen beworben. Also oft denkt man, vielleicht hat das finanzielle Gründe,
00:16:58: also dass eher so finanziell besser gestellte Menschen sich bewerben. Aber das war bei uns nicht.
00:17:03: Das waren auch Kreative, die vielleicht einfach ein unregelmäßiges Einkommen haben. Bei uns hat
00:17:08: sie gezeigt, dass die Akademikerquote sehr hoch ist. Ich glaube, es liegt daran, dass man einfach
00:17:14: diskutieren muss in seinem Projekt, dass man sie einbringen muss, dass man Ideen haben muss. Und
00:17:21: manche Menschen sind es einfach nicht gewohnt, dass sie sprechen, sie artikulieren und viele
00:17:28: Menschen haben auch die Zeit nicht dafür.
00:17:30: Also das ist auch ein großes Thema, du brauchst die Zeit und diese Energie, dass du das machst.
00:17:36: Und das war so eher die Hürde.
00:17:38: Und gar nicht so das Finanzielle eigentlich.
00:17:40: Es ist schade und man kann überlegen, wie das in Zukunft anders gehen könnte.
00:17:45: Dass auch andere Bevölkerungsgruppen, die das gerne möchten, teilnehmen können.
00:17:49: Vielleicht können wir da zum Schluss noch darüber sprechen.
00:17:52: Jetzt vielleicht zum Wohnen.
00:17:53: Also Sie haben diese ganzen Hürden überwunden, das Haus war dann fertig.
00:17:57: Wie zufrieden waren Sie dann eigentlich mit dem Ergebnis?
00:17:59: Ja, total.
00:18:00: Also es war so, wow, wie wir sind reingang, so wenn die Schlüssel bekommen.
00:18:04: Das war wirklich so, in einem Tag wurden dann die Schlüssel ausgehändigt, die malen.
00:18:08: Die haben nur gerade die Wände gemalt, weil die sind nicht ganz fertig geworden,
00:18:11: weil es eine kleine Verzögerung gab wegen dieser Pleiter der Baufirma.
00:18:15: Aber wir haben die Schlüssel gekriegt und jeder ist dann in seine Wohnung gegangen.
00:18:18: Und es war Wahnsinn, ja, wow, das Haus.
00:18:21: Und es war irgendwie schöner, als wir das am Plan jemals überlegt haben.
00:18:25: Und es ist dann ganz anders, wenn du dann drinnen stehst in dem Haus und das riecht
00:18:29: um den Ausblick siehst und dann wirklich die Nachbarn Tür an Tür,
00:18:33: die da einfach nur von der Planungsphase gekannt ist, dann plötzlich nehmt ihr Wohnen.
00:18:37: Und es war wirklich schön, wir haben alles an sich irgendwie in die Arme gefallen
00:18:40: und wir haben angestoßen und es gab ein Fest in der Gemeinschaftsküche,
00:18:44: die nur eine halbe Baustelle war, die nur nicht fertig war.
00:18:47: Und es war super, also die Energie war wirklich super.
00:18:50: Große Euphorie am Anfang, wie war dann das Leben?
00:18:52: Sie haben ja selbst zehn Jahre dann insgesamt dort gelebt.
00:18:55: Wie hat sich das dann gestaltet?
00:18:56: So der Alltag, wie viel Austausch hat man da mit den anderen Menschen,
00:18:59: die da in dem Haus wohnen?
00:19:00: Es gibt ja eben viele Gemeinschaftsräume dort, wie sie gesagt haben,
00:19:03: wie oft trifft man sich dann dort, wie schaut dann so der Alltag aus?
00:19:06: Genau, es gibt viele Gemeinschaftsräume, das ist so das Konzept von dem Haus,
00:19:10: also dass man Dinge aus der eigenen Wohnung auslagern kann in Gemeinschaftsräume.
00:19:14: Das hat einen ökologischen Aspekt sozusagen, dass der eigene Wohnraum ein bisschen kleiner ist,
00:19:19: weil man eben Dinge auslagern kann, Tätigkeiten auslagern kann.
00:19:22: Also wir haben 700 Quadratmeter Gemeinschaftsfläche,
00:19:25: zum Beispiel eine große Gemeinschaftsküche, wo man größere Feste machen kann.
00:19:30: Sehr beliebtes Kindergeburtstag und so.
00:19:32: Was haben wir noch? Eine Food-Cope im Tiefgeschoss.
00:19:36: Wir haben eine Bibliothek, wo man sich zurückziehen kann und arbeiten kann.
00:19:39: Wir haben Gäste-Apartments am Dach.
00:19:41: Also es ist so die Basis, dass man sich treffen kann.
00:19:44: Dass eine Gemeinschaft einen Ort hat, wo man die Gemeinschaft stattfinden kann.
00:19:48: Und beim Einzug ist es zuerst mal, ich glaube das hat so zu ein, zwei Jahre gedauert,
00:19:52: bis man jeder so seinen Platz gefunden hat.
00:19:55: Und auch mal geschaut hat, okay, wie nah möchte ich den anderen sein?
00:19:59: Also das dauert, bis man so den richtigen Abstand zu den anderen findet.
00:20:04: Weil am Anfang natürlich, da war jeden Tag in deine Einladung und du kommst zu mir
00:20:09: und wir schauen uns die Wohnung an und ja, ich komm zu dir und wollt ihr kommen.
00:20:13: Es war dann zu viel einfach, das war dann richtig ein Sozialstress für mich persönlich.
00:20:18: Weil man einfach so erforisiert ist und aufgeregt und man will alle kennenlernen.
00:20:23: Man will mit allen sich gut verstehen und irgendwie bis zum gewissen Grad präsentieren.
00:20:28: Aber das ist voll anstrengend und ich glaube, das hat bei jedem eine Zeit gebraucht,
00:20:32: bis jeder einfach so herausgefunden hat, wie eng möchte er das eigentlich.
00:20:37: Und was ist gut verträglich mit der eigenen Familie?
00:20:40: Und jeder hat seine eigenen Freunde, die man ja auch irgendwo pflegen möchte
00:20:44: und treffen möchte, die Freundschaften.
00:20:46: Und das war auch bei mir so, also meine Freundinnen, die ich schon lange hatte,
00:20:50: die haben mir dann gesagt, hey du hast überhaupt keine Zeit mehr mit dir,
00:20:53: kann man sie nix mehr ausmachen, du bist einfach nur mehr in diesem Haus.
00:20:57: Also einfach diese Balance zu finden, von den unterschiedlichen Kontakten, die man dann pflegt.
00:21:02: Jede Bewohnerin, jede Bewohner hatte ja bzw. jede Familie auch ihre eigene Wohneinheit grundsätzlich.
00:21:07: Soweit ich das verstanden habe, ist die aber ein bisschen kleiner als vielleicht,
00:21:10: wenn man sich jetzt woanders eine Wohnung mieten würde.
00:21:12: Wie gut sind sie denn selbst bzw. ihre Familie da mit dem Platz ausgekommen,
00:21:15: den sie wirklich in ihrer eigenen Wohnung dann in dem Haus hatten?
00:21:18: Am Anfang sind wir sehr gut damit ausgekommen und diese Gemeinschaftsräume waren wirklich ein Segen.
00:21:23: Also Kinder waren einfach sehr, sehr viel, wir haben einen Kinderspielraum im Kinderspielraum.
00:21:29: Da haben sie andere Kinder getroffen, denen hat es sehr viel Freude gemacht,
00:21:33: im Haus rumzugehen und bei den Freunden zu läuten.
00:21:37: Bei uns sind auch die Gänge im Haus sehr offen gestaltet, die sind hell, die sind großzügig.
00:21:44: Also die Kinder haben auch wahnsinnig viel am Gang gespielt.
00:21:47: Die haben teilweise ihre Spielsachen irgendwo am Gang getragen und dort Lego gebaut und so.
00:21:52: Also das ist so konzipiert, dass man einfach das Haus nutzen kann.
00:21:57: Ja und so Feste haben wir oft in der Gemeinschaftsküche gefeiert.
00:22:01: Also das ist super gut aufgegangen.
00:22:03: Die Kinder sind größer geworden, wir haben ein zweites Kind dazu bekommen
00:22:07: und es wurde die Wohnung dann doch immer zu eng.
00:22:09: Im Haus gab es einige Wohnungstauschs, dass Menschen ihre Wohnung getauscht haben,
00:22:14: weil für den einen hat das nicht mehr gepasst und für den anderen das nicht mehr.
00:22:16: Das ist super natürlich, wenn man sich gut kennt, kann man gut die Wohnung tauschen.
00:22:20: Aber genau in der Situation, wo wir das Gefühl gehabt haben,
00:22:24: wir brauchen jetzt eine größere Wohnung, ist es nicht gegangen.
00:22:28: Also es war einfach keine Wohnung frei, es wollte niemand tauschen und ja.
00:22:33: Das war dann auch der Grund, warum sie schlussendlich ausgezogen sind, nämlich an,
00:22:37: vielleicht sprechen wir auch gleich noch darüber kurz noch davor, was mich interessieren würde,
00:22:41: wie läuft das mit den Mieten ab, also wie viel zahlt man dann?
00:22:44: Ich glaube jeder, der in dem Haus wohnt, ist ja Mitglied von diesem Verein
00:22:48: und über den wird es dann organisiert, könnten Sie uns das vielleicht noch mal erklären,
00:22:51: wie das genau dann ausschaut?
00:22:53: Genau, also Eigentümer des Hauses ist ein Verein, Verein für nachhaltiges Leben heißt ja bei uns.
00:22:58: Und die Bewohnerinnen und Bewohner sind Mitglied von dem Verein und zahlen dem Verein die Miete.
00:23:03: Jeder Bewohner musste einen Eigenmittelanteil einbringen,
00:23:08: also das werden teilweise die Baukosten gedeckt, das ist so wie bei einer Genossenschaft,
00:23:13: das bekommt man dann auch wieder zurück, wenn man auszieht, mit einem gewissen Betrag abgeschrieben
00:23:17: und dann eben die Miete noch dazu.
00:23:19: Interessanterweise, was wirklich gut ist in unserem Projekt,
00:23:23: ist einfach die Miete in den letzten zehn Jahren nur geringfügig gestiegen.
00:23:27: Also wie wir eingezogen sind, war die Miete so im Schnitt vom Wiener Wohnungsmarkt,
00:23:32: also nicht besonders billig, auch nicht besonders teuer,
00:23:35: aber in den letzten zehn Jahren ist sie nicht so gestiegen.
00:23:38: Also jetzt relativ gesehen haben wir eine total günstige Miete mittlerweile,
00:23:41: weil einfach der Wiener Wohnungsmarkt so gestiegen ist.
00:23:44: Das ist natürlich super an seinem Projekt.
00:23:46: Es gab ja, wie Sie gesagt haben, viele dieser Gemeinschaftsräume,
00:23:49: ich glaube, worüber wir noch nicht gesprochen haben, war auch einen Garten, den es gegeben hat,
00:23:53: oder bzw. gibt und auch so was wie eine Kreislerei,
00:23:56: wo die Menschen auch Lebensmittel einkaufen konnten.
00:23:58: Wie beliebt waren denn diese Dinge bei den Bewohnerinnen und Bewohnern?
00:24:01: Solche Einrichtungen, die nach außen gehen, sind total beliebt bei den Bewohnerinnen und Bewohnern.
00:24:07: Also die Kreislerei ist das Salon am Park.
00:24:09: Das ist so Brot frisches und Mehlspeisen und Kaffee und Kuchen.
00:24:15: Und das ist so wirklich ein Treffpunkt vom Kretzel geworden.
00:24:18: Also es ist auch für die umliegenden Häuser sehr sehr wichtig, dieses kleine Kaffee.
00:24:23: Und es belebt einfach so den Platz vor dem Haus.
00:24:26: Man trifft auch andere Menschen von anderen Häusern.
00:24:29: Es ist total nett dort.
00:24:31: Und auch der Garten, wir teilen den mit dem Nachbarhaus.
00:24:33: Also da haben wir Hochbeete, wo man sie anmelden kann, wenn mein Hochbeet will.
00:24:38: Das ist ihm dann eigentlich immer voll sozusagen.
00:24:40: Sie haben es vorhin gesagt, Sie haben dann die Entscheidung getroffen,
00:24:43: doch auszuziehen, weil denn der Platz zu klein geworden ist in der Wohnung.
00:24:46: Wie schwer sind die Entscheidungen gefallen?
00:24:49: Ja, also im Wohnprojekt ist halt kein Haus, wo man einfach wieder auszieht.
00:24:52: Das ist eine sehr schwierige Entscheidung für uns gewesen.
00:24:54: Also ich hätte mir nie gedacht, dass ich da jemals ausziehe, weil ich mir sehr, sehr wohl gefühlt habe.
00:25:00: Aber es ist dann einfach diese, man muss halt dann schauen, wie geht es dir selber dann?
00:25:04: Und wenn du zu wenig Platz hast, zu wenig Raum, was du ihr holen kannst, ist es schwierig dann.
00:25:10: Und wenn es halt keine Möglichkeit im Haus gibt, dann muss man diese Entscheidung treffen, was ist jetzt wichtiger?
00:25:14: Ist die Gemeinschaft wichtiger oder doch dann ich und meine Familie,
00:25:18: dass wir trotzdem einen guten Platz haben, wo wir zu hoch kommen und uns erholen können und Freunde einladen können.
00:25:25: Und wir haben uns einfach für das zweite Reden entschieden.
00:25:28: Genau, aber wir sind nach wie vor sehr verbunden mit dem Haus, also wir sind nach wie vor Mitglieder im Verein.
00:25:33: Wir haben einen Schlüssel vom Haus, also wir können alle gemeint aufs Flächen nutzen.
00:25:37: Wir sind immer wieder dort, wir haben Freunde dort, die wir besuchen.
00:25:40: Die Kinder gehen hin, besuchen ihre Freunde.
00:25:43: Wir fühlen uns sehr verbunden mit dem Haus.
00:25:45: Und ich bin sogar noch in einer Arbeitsgruppe dabei, aber weil es mir einfach Spaß macht.
00:25:50: Und ich helfe da manchmal mit und es ist nett, die anderen zu treffen.
00:25:54: Sie haben eben noch versucht, die größere Wohnung irgendwo noch im Haus zu bekommen, aber ja, es war jetzt einfach nichts frei.
00:26:00: Vielleicht versuchen auch andere Menschen von außerhalb da irgendwo eine Wohnung zu bekommen.
00:26:04: Wie groß ist denn das Interesse generell jetzt an diesem Projekt?
00:26:06: Also ich nehme an, es ist jetzt generell voll, jede Wohnung ist da besetzt.
00:26:10: Wie viele Aussichten hat man denn da, wenn man sich versucht, dafür eine Wohnung zu bewerben und wie läuft dann das überhaupt ab?
00:26:15: Ja, die Wohnprojekte haben sehr wenig Fluktation.
00:26:18: Also die Leute gehen nicht so schnell wieder weg, wenn sie dann dort sind.
00:26:22: Ich glaube, weil es einfach doch ein super Wohnen ist.
00:26:25: Drum sind die Chancen, dass mir in einem bestehenden Wohnprojekt aufgenommen wird.
00:26:29: Gibt es auf jeden Fall, weil auch bei uns sind Wohnungen frei worden, zum Beispiel meine Wohnung.
00:26:33: Aber es ist wahrscheinlich leichter, wenn man sich einem Projekt, das gerade in Planung ist, anschließt.
00:26:38: Und da gibt es super Projekte, die in Planung sind.
00:26:41: Es gibt in Wien einiges und mittlerweile gibt es einige Projekte.
00:26:45: Genau, es gibt eine Initiative, die einen Verein, der Wohnprojekte, die Wohnprojektszene, vertritt.
00:26:51: Das ist die Initiative für Gemeinsam-Bauen und Wohnen.
00:26:53: Vielleicht einfach mal dort auf der Homepage schauen.
00:26:56: Die haben alle Projekte aufgelistet, die es gibt in Österreich.
00:26:59: Auch die in Planung sind.
00:27:00: Man sieht da immer wieder, wenn Projekte neue Leute suchen.
00:27:04: Also das ist wahrscheinlich die bessere Adresse, es jetzt so in einem einzelnen Wohnprojekt vielleicht wie bei uns anzufragen.
00:27:10: Aber generell, das Interesse ist sehr, sehr hoch.
00:27:12: Also wir haben im Schnitt sicher eine Bewerbung pro Woche nach wie vor.
00:27:17: Also wir haben auch keine Warteliste mehr, weil es sinnlos ist,
00:27:19: wenn da hunderte Leute auf der Warteliste stehen und eigentlich in den letzten zehn Jahren
00:27:23: sind drei oder vier Wohnungen frei worden, die wir nach extern vergeben haben.
00:27:28: Und auch so das Interesse international ist sehr hoch an unserem Haus.
00:27:32: Also wir haben Zeiten gehabt, wo wir wirklich im Durchschnitt auch eine Führung pro Woche hatten.
00:27:38: Also von allen möglichen Menschen aus der ganzen Welt.
00:27:41: Also es waren sogar Leute aus China, aus Chile, aus USA, also da quer über den Klobis verteilt.
00:27:50: Es sind Leute von der Uni, Architekten, Forscher, einfach Interessierte.
00:27:57: Ja, es ist sehr mit ihr halb breit, was ihr eine Medien des Projekts sozusagen.
00:28:01: Und das Interesse ist sehr hoch, einfach anders zu wohnen.
00:28:05: Und das ist schön, dass das wieder in Wien stattfindet, wo Wien doch eine Vorreiterrolle
00:28:10: immer schon hatte im Wohnbau.
00:28:11: Also da ging es dann darum, wie dieses gemeinschaftliche Wohnen aussieht in der Praxis oder was so
00:28:16: die ökologischen Aspekte des Hauses sind oder die architektonischen, also ganz unterschiedliche
00:28:21: Aspekte eben bei diesen Führungen oder was war da so der Fokus meistens, wofür sich
00:28:25: die Leute interessiert haben, die da auch von außerhalb gekommen sind?
00:28:28: Ja, das sind unterschiedliche Aspekte, die die Leute interessiert haben.
00:28:31: Architekten interessiert meistens, also wie ist das geplant, wie plant man die Gemeinschaftsflächen,
00:28:36: wo befinden sie die im Haus, warum sind die oben am besten Stück quasi des Hauses am
00:28:42: teuersten Platz, warum sind die nicht unten, aber genau das macht den Erfolg ja aus, nämlich
00:28:47: dass die Gemeinschaftsflächen nicht im letzten Winkel irgendwie sinnlos nicht so hübsch
00:28:50: ist und wo der Architekt nicht mehr gewusst hat, was er da jetzt reinmachen soll, sondern
00:28:54: eben oben an der besten Stelle des Hauses.
00:28:57: Das interessiert Architekten sehr.
00:28:59: Soziologen interessiert, wie organisiert sich die Gemeinschaft, also wie können 100 Menschen
00:29:03: ein Haus gemeinsam bauen?
00:29:04: Also wie ist das?
00:29:05: Wir haben auch immer wieder Nachhaltigkeitsforscher hier, die schauen, macht es einen Unterschied,
00:29:11: wenn Menschen sich kennen in ihrer Lebensführung, also leben die Nachhaltiger und was bewirkt
00:29:16: sein Haus in Punkt und Nachhaltigkeit?
00:29:19: Ja und so ist es halt so, dass also wir haben auch Politiker oft da gehabt, also wo es wirklich
00:29:24: im Wohnbaupolitik dann geht, also wie macht die Stadt ist, dass sie solche Projekte fördern
00:29:29: kann und dass solche Projekte stattfinden können, also jeden interessiert wird was anderes.
00:29:34: Und auch viele Leute, die einfach selber gerne in so einer Gemeinschaft leben möchten.
00:29:38: Das ist auch, also einfach Gruppen, die selber vielleicht im Wohnbaupolitik machen möchten
00:29:43: und die, die das mal anschauen möchten.
00:29:45: Punkt und Nachhaltigkeit, gibt es da schon irgendwelche Ergebnisse, so hat das Auswirkungen
00:29:49: dann auf die Nachhaltigkeit, wie sich Menschen im Alltag dann verhalten vielleicht, wenn
00:29:53: sie in so einer Gemeinschaft leben?
00:29:54: Ja, also da gibt es Studium drüber, dass es eine Auswirkung hat, ja.
00:29:58: Wir haben im Haus einfach eine gewisse Infrastruktur, wo einfach ein nachhaltiges Leben leichter
00:30:03: wird.
00:30:04: Wir haben einen riesengroßen Fahrradraum im Erdgeschoss, wir haben auch einen Preis mal
00:30:08: dafür bekommen, ich glaube den Umweltpreis der Stadt Wien, wo wir auch Lastenräder
00:30:12: gemeinsam teilen, wir haben ein gemeinsames E-Auto angeschafft, wir haben die FoodCop
00:30:19: im Untergeschoss, wo Bauern einfach aus der Umgebung frische Lebensmittel liefern und
00:30:24: es ist auch so die Information, die man austauscht untereinander, es ist sehr das Wissen, das
00:30:29: man weitergibt.
00:30:30: Man lernt sehr viel von den anderen, weil sich jeder für das Thema irgendwo interessiert.
00:30:34: Also ihr zum Beispiel, das kannte ich gar nicht, viele Nachbarn haben das gemacht, Home Exchange,
00:30:40: Urlaub mit Home Exchange zu machen, das haben wir dann auch mal ausprobiert, aber das wusste
00:30:44: ich dann durch die Nachbarn irgendwo und so ist es, dass man einfach immer wieder einen
00:30:48: neuen Input bekommt.
00:30:49: Urlaub mit Home Exchange, wie kann man sich das vorstellen?
00:30:52: Dass man einfach die Wohnung tauscht mit einer anderen Familie, die ist dann in deiner Wohnung
00:30:56: und du bist in deren Wohnung sozusagen.
00:30:58: Ja und so spielt es schon eine Rolle und für viele nachhaltige Praktiken sage ich jetzt
00:31:04: mal, also zum Beispiel das Teilen von Dingen, Tauschen von Dingen, Ausleihen, ist es gut,
00:31:10: wenn man die anderen kennt, wenn da eine gewisse Vertrauensbasis da ist.
00:31:13: Und bei uns ist es wirklich total üblich, dass Menschen, die irgendwas suchen, was sie
00:31:18: vielleicht jetzt nicht kaufen würden oder einfach mal Frage im Haus, hey, hat das irgendwer,
00:31:23: kann man das irgendwer borgen.
00:31:24: Und das ist ganz normal, also das ist nicht peinlich oder irgendwie unangenehm oder so,
00:31:29: sondern es wird einfach gefragt, hey, hat irgendwer eine Heißklebe, Pistole oder Ski
00:31:33: oder Eis auf Schuhe oder so und dann borkt sie das aus.
00:31:37: Sie haben ja schon vor acht Jahren circa das erste Buch zu dem Thema veröffentlicht,
00:31:41: jetzt kürzlich ist sie neuer auf Lage erschienen, warum hat sie denn gebraucht, warum hat sie
00:31:45: da noch einmal sozusagen ein Buch herausgegeben zu dem Thema?
00:31:48: Genau, es ist ein bisschen überarbeitet, also es ist ähnlich, aber aktualisiert.
00:31:52: Es hat sehr viel getan in dem Bereich in den letzten acht Jahren, es haben sehr viele
00:31:57: neue Projekte entstanden, es wurden neue Erfahrungen gemacht durch diese neuen Projekte
00:32:01: und das ist im Buch eingeflossen.
00:32:03: Und der Hauptgrund war, dass es eigentlich ausverkauft war, das Buch, also es hat sich
00:32:07: so ein Standardwerk für gemeinschaftliche Wohnprojekte etabliert und der Verlag hat
00:32:12: dann gesagt, wir möchten es eigentlich fügbar haben, dass das nach wie vor fügbar ist und
00:32:16: sie haben mich gebeten, ob ich es überarbeiten kann, was ich nicht gern gemacht habe.
00:32:20: Und es ist immer wieder schön, wenn ich Menschen treffe, die mein Buch gelesen haben und dann
00:32:24: so inspiriert waren und selber irgendwo sie überlegt haben, ein Wohnprojekt zu gründen
00:32:29: und witzigerweise der erste Mensch, der das Buch gelesen hat, das war mein Lektor und
00:32:33: der war so begeistert, dass der wirklich tatsächlich selber ein Wohnprojekt gegründet hat.
00:32:37: Also das ist alles schön dann.
00:32:39: Wir haben ja gegen den Anfang über das Thema gesprochen, wie vielleicht auch andere Menschen,
00:32:44: die jetzt keinen akademischen Hintergrund haben, von solchen Projekten angesprochen
00:32:47: werden könnten, was für Ideen, was für Konzepte gibt es da Ihrer Meinung nach, um vielleicht
00:32:53: auch solche Gruppen dann für solche Wohnprojekte zu begeistern?
00:32:56: Also es gibt ein Projekt in der Schweiz, mehr als Wohnen heißt es, das ist eine Genossenschaft,
00:33:01: die haben wirklich versucht, dass sie viel genossenschaftlich auf Genossenschafts-Eberne
00:33:06: organisieren von der Organisation her, dass man sich selber nicht so stark einbringen muss.
00:33:11: Und ich glaube, das ist dann ganz gut gelungen.
00:33:13: So dass, ich glaube Wohnprojekte müssen versuchen, dass sie die Ressourcen ein bisschen sparen
00:33:18: von den Leuten.
00:33:19: Man muss das irgendwie vereinbaren können, sozusagen mit dem Job und mit der Familie,
00:33:23: und dass man einfach nicht so viel selber macht.
00:33:25: Und es gibt jetzt wirklich ein Super-Erfahrungswissen in den letzten 10 Jahren.
00:33:28: Die Hystiene ist einfach sehr blühend geworden.
00:33:32: Also das Wohnprojekt Wien war so der Auftakt wieder zu einer neuen Generation an Wohnprojekten.
00:33:37: Es hat einige Projekte so in den 70er, 80er, 90er gegeben, aber dann ist wenig gekommen,
00:33:42: sozusagen.
00:33:43: Und jetzt das Wohnprojekt Wien war so das erste und in den letzten 10 Jahren sind sicher
00:33:48: 20, 30 neue Projekte entstanden.
00:33:50: Und da gibt es viel Wissen mittlerweile, viel, wie soll ich sagen, Erfahrungen, die man nutzen
00:33:55: kann, was man besser machen kann.
00:33:57: Wir können also davon ausgehen, dass auch in Wien noch einiges dazukommen wird zu dem
00:34:01: Thema.
00:34:02: Vielen Dank Ihnen von Nottecke, auf jeden Fall für das spannende Gespräch.
00:34:04: Danke, dass Sie heute bei uns im Studio waren.
00:34:07: Gerne.
00:34:08: Vielen Dank an euch, liebe Hörerinnen und Hörer.
00:34:10: Ich hoffe, euch hat der Podcast gefallen.
00:34:12: Für weitere Anregungen und Feedback schreibt uns auch gerne ein E-Mail an zukunft@derstandard.at.
00:34:18: Wenn ihr uns unterstützen wollt, könnt ihr das über ein Abo tun.
00:34:21: Infos dazu findet ihr auf Abo.derstandard.at.
00:34:25: In zwei Wochen gibt es dann wieder die nächste Folge "Edition Zukunft".
00:34:29: Ich hoffe, dass ihr auch damit dabei seid.
00:34:31: Ich bin Jakob Haldinger.
00:34:32: Diese Folge wurde produziert von Christoph Neuwirt.
00:34:35: Tschüss und bis zum nächsten Mal.
00:34:42: .